Tennis: Wimbledon: Grönefeld und Navratilova im Viertelfinale
zuletzt aktualisiert: 27.06.2005 - 16:48London (rpo). Anna-Lena Grönefeld und ihre US-amerikanische Doppelpartnerin Martina Navratilova sind bei den mit 10,058 Millionen Pfund dotierten All England Championship in Wimbledon ins Viertelfinale eingezogen.
Die Nordhornerin bezwang zusammen mit der 48-jährigen Ausnahmeathletin das japanisch-slowenische Doppel Shinobu Asagoe/Katerina Srebotnik mit 6:3 und 6:3. In der Runde der letzten Acht trifft die an Nummer acht gesetzte Paarung auf die Russin Wera Dutschewina und Shahar Peer aus Israel.
Als Anfang des Jahres eine e-Mail bei Anna-Lena Grönefeld einging, wusste die damals 19-Jährige zunächst gar nicht, wie ihr geschah. Die Absender-Adresse war ihr unbekannt. Ob sie Doppel mit ihr spielen wolle, fragte die unbekannte Schreiberin. Unterzeichnet war die Anfrage mit Martina N. "Ich war etwas durcheinander", erzählt Anna-Lena Grönefeld: "Ich kannte keine Martina N. Na ja, bis auf Martina Navratilova natürlich, aber ich dachte, das kann ja nicht sein."
Sechs Monate später jagt die lebende Tennislegende bei den 119. All England Championships an der Seite der jungen Deutschen ihren 21. Wimbledontitel, der sie zur alleinigen Rekordsiegerin vor Billy-Jean King machen würde. Am Montagnachmittag zogen Navratilova/Grönefeld mit einem 6:3, 6:3 über Shinobu Asagoe/Katerina Srebotnik (Japan/Slowenien) schon ins Viertelfinale ein, wo sie gegen Wera Dutschewina (Russland) und Shahar Peer (Israel) auch gute Chancen haben.
Grönefeld musste nicht lange nachdenken, als das Angebot von Navratilova kam. "Ich habe mich natürlich gefreut", sagte sie: "Ich kann so viel von ihr lernen." Im Februar spielten sie im indischen Hyderabad erstmals zusammen, mussten jedoch wegen einer Knieverletzung von Anna-Lena Grönefeld im Viertelfinale aufgeben. Im April in Charleston war das Achtelfinale Endstation, die Wimbledon-Generalprobe in 's-Hertogenbosch verlief mit dem Erreichen des Halbfinales deutlich erfolgreicher.
Jedenfalls haben die beiden Spaß aneinander gefunden und sich erstmals bis einschließlich der US Open zum gemeinsamen Spiel verabredet. "Wir passen auch ganz gut zusammen", meint die blonde Nordhornerin: "Ich kann von der Grundlinie sehr viel Druck machen, und Martina weiß natürlich am Netz genau, was sie tut. Da macht ihr niemand was vor." So hofft Grönefeld, auch im Hinblick auf ihre Einzelkarriere von der Erfahrung ihrer Partnerin zu profitieren. Über ihre peinliche Erstrundenniederlage gegen Jane O'Donoghue hat sie natürlich auch mit Martina geredet.
Mit inzwischen 48 Jahren könnte Navratilova ohne weiteres die Mutter von Anna-Lena Grönefeld sein, doch der Altersunterschied spielt keine Rolle, sagt Deutschland beste Spielerin: "Sie macht alles 100-prozentig, ist super-professionell und will immer gewinnen." Doppel ist keine Spaßveranstaltung für die große Navratilova, die den Wettbewerb auch 32 Jahre nach ihrem Profidebüt ernst nimmt: "Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig."
Dass sie sich Anna-Lena Grönefeld als Partnerin ausgesucht hat, adelt die Deutsche und zeigt, dass Navratilova ihrer Partnerin noch Einiges zutraut. Und die junge Deutsche hört gerne zu und nimmt Tipps an. "Martina ist super nett. Man kann sich ganz normal mit ihr unterhalten, und sie hat so viel Interessantes zu erzählen", sagt Grönefeld.
Und wenn sie dann wie nach der Zweitrundenpartie gegen Denisa Chladkova/Virginie Razzano für ihre zwei Winner zum Matchgewinn mit einem freundschaftlichen Klaps auf den Rücken gelobt wird, dann tut das der jungen Anna-Lena auch gut: "Es ist natürlich schön, von so einer Legende Komplimente zu bekommen." Allerdings, gibt Grönefeld zu, an Spiele von früher, als Navratilova Wimbledon dominierte, kann sie sich nicht mehr erinnern. Sie respektiert sie deshalb für die Leistungen, die die "große alte Dame" noch heute auf dem Platz bringt - und das ist genau das, was Martina Navratilova will.
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