Haas kann's kaum erwarten: Wimbledon: Kiefer fiebert "Hammer" entgegen
zuletzt aktualisiert: 20.06.2004 - 14:18London (rpo). Was ist von den deutschen Tennisprofis in Wimbledon zu erwarten? So genau wissen es die Spieler selbst nicht. Während Tommy Haas und Nicolas Kiefer zumindest mit Selbstbewusstsein an den Start gehen, fehlt Rainer Schüttler die Überzeugung.
"Mal habe ich in diesem Jahr extrem gut gespielt, mal extrem schlecht, es war ein stetes Auf und Ab", sagt der an Nummer acht gesetzte Rainer Schüttler: "Ich muss es wieder hinkriegen, auf konstant gutem Niveau zu spielen." Das Los hat dem Korbacher dafür eine pikante Aufgabe zugedacht. Ausgerechnet der Schwede Robin Söderling wartet auf ihn, jener Spieler, gegen den Schüttler bei den Australian Open in der ersten Runde nach 2:0 Führung noch verlor. "Ich habe daraus gelernt", meint der Korbacher: "Ich habe in Melbourne verloren, weil ich auf seine Fehler gewartet habe und nicht selbst aktiv war."
Der 28-Jährige hat für die Tage in Wimbledon wieder seinen italienischen Mentalcoach Alberto Castelani dabei. "Es war ein schlechtes Jahr bisher", sagt Schüttler, der sich 2003 mit der Teilnahme am Masters-Finale einen Traum erfült hat: "Wenn man oben ist, will man auch da bleiben. Wenn's nicht läuft, will ich mit dem Kopf durch die Wand. Ich muss aber versuchen, auf dem Platz mehr abzuschalten." Dabei soll Castelani helfen.
Für den gebürtigen Hamburger Tommy Haas ist es nach drei Jahren eine Rückkehr zu dem Turnier, das er früher nie geliebt hat. 2002 hatte er wegen des schweren Motorradunfalls seiner Eltern verzichtet, im letzten Jahr hatte er mit den Nachwirkungen seiner Schulteroperation zu tun und musste absagen.
Haas: "Ich bin stolz, wieder dabei zu sein"
Jetzt kommt er "geläutert" zurück: "Ich bin stolz, wieder dabei zu sein, dies ist das Turnier schlechthin. Ich bin unheimlich heiß auf mein Match gegen Anthony Dupuis." Am Dienstag muss er gegen den Franzosen antreten und konnte es sich deshalb auch leisten, erst am Sonntag aus München einzufliegen, wo er am Samstag noch die Hochzeit seiner Schwester jüngeren Schwester Sabine gefeiert hatte.
Nicolas Kiefer stand dagegen am Sonntag bereits auf den Trainingsplätzen im Aorangi Park. Der Viertelfinalist von 1998 muss schon am Montag ran und steht vor einer ganz undankbaren Aufgabe. Sein Erstrundengegner Thomas Johansson ist einer der besten Rasenspieler überhaupt, erst am Samstag stand der Schwede im Finale von Nottingham. "Da habe ich einen ganz schönen Hammer erwischt", stöhnte Kiefer: "Es gibt sicherlich leichtere Gegner zum Auftakt, aber was soll's."
Neben Kiefer ist der Bayreuther Florian Meyer der einzige von sechs deutschen Männern, der ebenfalls schon am Montag aufschlagen muss. Bei den beiden bisherigen Grand-Slam-Turnieren des Jahres in Melbourne und Paris war er jeweils der letzte Deutsche im Feld. Um das zu wiederholen, müsste er zum Auftakt zunächst den alternden australischen Rasenspezialisten Wayne Arthurs ausschalten. Vorjahres-Viertelfinalist Alexander Popp (Mannheim) hat es am Dienstag gegen Nicolas Massu (Chile) ebenso mit einem Sandplatzspezialisten zu tun wie Lars Burgsmüller (Sundern) gegen Juan-Ignacio Chela (Argentinien).
Henman, Federer und Roddick hoch im Kurs
Bei den englischen Buchmachern tauchen die Deutschen nicht in der Favoritenrolle auf. Der souveräne Federer, US-Open-Champion Andy Roddick und natürlich der Engländer Tim Henman gelten bei den Wettern als erste Sieganwärter in einem Feld, in dem die verletzten Andre Agassi und David Nalbandian als absolute Topspieler fehlen. Henman, der ewige britische Hoffnungträger, versucht zum elften Mal, das Turnier als erster Einheimischer seit Fred Perry 1936 zu gewinnen. Bisher war das Halbfinale für ihn Endstation.
Während die Herren immerhin wieder als Sextett auftreten, haben die deutschen Damen für einen weiteren Negativrekord gesorgt. Nur drei Spielerinnen stehen im Hauptfeld, so dass insgesamt nur neun Deutsche dabei sind, so wenig wie noch nie.
Marlene Weingärtner aus Moers spielt gegen Denisa Chladkova (Tschechien), ihre Klubkameradin Anca Barna trifft auf die Italienerin Maria Elena Camerin und Anna-Lena Grönefeld (Nordhorn) muss sich mit der Thailänderin Tamarine Tanasugarn auseinandersetzen. Ohne die verletzten Belgierinnen Justine Henin-Hardenne und Kim Clijsters führt Titelverteidigerin Serena Williams (USA) das Damenfeld vor Paris-Siegerin Anastasia Myskina und ihrer Schwester Venus Williams an.
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