117. All England Tennis Championships vor dem Start: Wimbledon: Nur ein Duo als Lichtblick
zuletzt aktualisiert: 22.06.2003 - 13:46London (rpo). Wimbledon, the same procedure as every year: Dunkle Wolken und schon jetzt drohende Verschiebungen. Bei der zuletzt düsteren deutschen Bilanz lassen zumindest Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler ein wenig hoffen.
Dicke Regenwolken bedeckten am Sonntag den Himmel über London. Immer wieder Schauer, der Trainingsbetrieb der Tennisprofis im Aorangi Park war erheblich gestört. Die Grasplätze an der Church Road waren mit Planen abgedeckt, die Camper in der langen Schlange vor den Tageskassen versuchten, sich mit Plastikfolien vor der durchdringenden Feuchtigkeit zu schützen.
Keine Besserung in Sicht
Sommer in England - Wimbledon kann also kommen. Auch für Montag hat das London Weather Bureau keine wesentliche Besserung angesagt. Wenn gar alles schief geht, kann der topgesetzte Titelverteidiger Lleyton Hewitt nicht wie traditionell festgelegt um Punkt 13.30 Uhr Ortszeit (14.30 MESZ/live in der ARD) auf dem Centre Court gegen den kroatischen Qualifikanten Ivo Karlovic das wichtigste Tennisturnier der Welt eröffnen.
Alles wie immer an der Church Road also - Regen, Rasen und die Hoffnung auf Tim Henman. Allerdings ist im 117. Jahr der All England Championships auch vieles anders. Weniger Centre Court Tickets für den ersten Samstag gehen in den freien Verkauf, die Spieler müssen auf dem Centre Court nicht mehr mit Hofknicks und Verbeugung Richtung Royal Box grüßen. Der Herzog von Kent höchstselbst hat darauf verzichtet, moderne Zeiten.
Sogar eine Terminverlegung um zwei Wochen in den Juli hinein wird für 2005 nicht ausgeschlossen. Das Preisgeld wurde um 9,5 Prozent erhöht. Insgesamt rund 14,9 Millionen Dollar werden ausgespielt. 915.000 Dollar wird der Herren-Champion erhalten, die Championesse bekommt 850.000 Dollar.
Nur zehn deutsche Spieler im Hauptfeld
Neu ist auch die Zahl von nur zehn deutschen Spielern im Hauptfeld. Nicht ein einziger Profi hat es durch die Qualifikation geschafft. Sechs Herren gehen an den Start, immerhin einer mehr als im Vorjahr. Erneut fehlt Tommy Haas, der noch an den Folgen seiner Schulter-OP laboriert. Im letzten Jahr war er wegen des Motorradunfalls seiner Eltern nicht dabei. So liegen alle Hoffnungen auf Rainer Schüttler. Der Korbacher ist an neun gesetzt und beginnt am Montag gegen den Schweizer Michel Kratochvil. Das einzige Duell gegen den 24-Jährigen konnte Schüttler vor zwei Jahren auf Hartplatz in Schanghai gewinnen.
Seit Donnerstag ist Deutschlands Nummer eins in London. Die Fußverletzung, die ihn zum Rückzug beim Challenger Turnier in Braunschweig zwang, ist auskuriert. "Er hat keinerlei Probleme mehr und hat gut trainiert", sagt Coach Dirk Hordorff: "Rainer ist fit und gut drauf."
Das gilt auch für Halle-Finalist Nicolas Kiefer. Die Endspiel-Teilnahme bei seinem Lieblingsturnier hat für neues Selbstvertrauen bei dem 25-Jährigen geführt. Der Rückzug wegen muskulärer Probleme beim Turnier in Den Bosch war eine reine Vorsichtsmaßnahme. Kiefer erwartet am Dienstag den belgischen Qualifikanten Gilles Elseneer.
Burgsmüller vielleicht gegen Agassi
Chancen darf sich am Dienstag auch Lars Burgsmüller gegen den Spanier Albert Montanes ausrechnen. Anschließend wartet allerdings wahrscheinlich der hohe Mitfavorit Andre Agassi. Alexander Waske kann sich am Montag auf einen der beiden Hauptplätze freuen. Der 28-Jährige muss gegen Lokalmatador Greg Rusedski antreten, der gerade das Turnier in Nottingham gewonnen hat. Auch Alexander Popp (gegen Hicham Arazi) und Tomas Behrend (gegen Juan Ignacio Chela) schlagen als Außenseiter auf.
Erstmals seit 1989 fehlt der beste Rasenspieler aller Zeiten. Pete Sampras, der siebenmalige Champion, hat seine Laufbahn quasi beendet. "Das ist zu 95 Prozent sicher", sagte der 31-Jährige: "Ich habe mit meinem Trainer Paul Annacone vor zwei Monaten angefangen, Bälle zu schlagen und nach drei Tagen gemerkt, dass ich innerlich nicht mehr die notwendige Einstellung habe." So ist in Wimbledon eine Ära quasi unbemerkt und ohne die angemessene Ehre zu Ende gegangen.
Englischer Alptraum
Das Vereinigte Königreich erwartet nun, dass "Tiger Tim" dem Albtraum von 67 Jahren ohne englischen Herren-Champion beendet. Und es gibt Hoffnung, denn eine andere historische Negativserie ist schließlich am Samstag zu Ende gegangen. Erstmals in der Geschichte gewann das englische Rugby-Team in Australien.
Ganz unten scheint derweil das deutsche Damentennis angekommen zu sein. Nur noch vier Spielerinnen stehen im 128-köpfigen Feld, vor Jahresfrist waren es noch acht. Immer noch marschiert die 30 Jahre alte Barbara Rittner (Leverkusen) voran, die am Dienstag gegen die Belgierin Els Callens antreten muss. Anca Barna (Moers) spielt gegen Magdalena Maleewa (Bulgarien), Marlene Weingärtner (Moers) gegen die Britin Jane O'Donoghue und Angelika Roesch (Berlin) gegen die Russin Jelena Dementjewa.
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