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Titelverteidiger Lleyton Hewitt schon raus: Wimbledon: Schüttler mit Mühe in Runde zwei

zuletzt aktualisiert: 23.06.2003 - 16:31

London (rpo). Rainer Schüttler hat in Wimbeldon mit Mühe die zweite Runde erreicht. Gegen den Schweizer Michel Kratochvil benötigte der Deutsche vier Sätze. Titelverteidiger Lleyton Hewitt ist dagegen sensationell in der ersten Runde ausgeschieden.

In dem Moment, als Rainer Schüttler seinen ersten Matchball zum Auftaktsieg gegen Schweizer Michel Kratochvil verwandelte, erlebte Wimbledon eine der größten Sensationen seiner 117-jährigen Geschichte. Auf dem Centre Court nämlich schied um Punkt 15.28 Uhr der topgesetzte Titelverteidiger Lleyton Hewitt aus. Erst einmal überhaupt blieb im "Tennis-Mekka" der Vorjahressieger schon im Auftaktmatch auf der Strecke - der Spanier Manuel Santana 1967. Noch nie passierte dies, seitdem ein Jahr später auch Profis an der Church Road zugelassen wurden. Ein 24 Jahre alter Qualifikant aus Kroatien namens Ivo Karlovic fegte den Australier in einem Aufschlag-Gewitter mit 18 Assen vom Platz. 1:6, 7:6 (7:5), 6:3, 6:4 lautete nach 2:24 Stunden das Ergebnis.

2,08 m groß ist der Mann aus Zagreb, der in seiner Spielweise an den jungen Goran Ivanisevic erinnert und an einem schweren Sprachfehler leidet. Nummer 203 der Weltrangliste und ein Nobody - bis Montag. "Ich habe noch nicht begriffen, was ich da geleistet habe", sagte Karlovic, "das kommt wahrscheinlich erst später." Zehnmal in Folge hatte er bislang vergeblich versucht, sich für ein Grand-Slam-Turnier zu qualifizieren. Und nun das: Erster Auftritt in Wimbledon, und gleich auf dem Centre Court gegen den Titelverteidiger. "Ich habe mir schon gedacht, dass ich etwas gegen Hewitt machen kann", sagte er, "so überzeugend fand ich ihn zuletzt nicht."

Der Australier fand auch nach der historischen Pleite kaum Worte. "Es ist mir egal, ob das Geschichte war, ich will nie das Auftaktmatch verlieren. Es ist total enttäuschend." Dabei war er gut ins Match gestartet, hatte den ersten Satz dominiert und im zweiten zweimal Breakbälle. "Ich habe ihm Chancen gegeben, wieder zurückzukommen, und die hat er genutzt", sagte Hewitt, "gegen solche Aufschläge ist es immer schwer, etwas zu machen." Es ist der negative Höhepunkt einer bislang enttäuschenden Saison für den ehemaligen Weltranglisten-Ersten. Auch bei den Australian und den French Open war er relativ früh ausgeschieden. "Ich muss versuchen, aus diesen Erfahrungen zu lernen und dann gute US Open zu spielen", kündigte der 22-Jährige an.

Schüttler konnte dagegen nach seiner Zitterpartie mit Happy End tief durchatmen. "Ich bin froh, dass ich es geschafft habe", sagte der Korbacher nach seinem 6:3, 6:4, 6:7 (4:7), 7:5-Erfolg. 3: 15 Stunden hatte er auf dem Platz gestanden, viel länger als nötig war. "Zwei Sätze habe ich sehr gut gespielt, dann eine große Chance im dritten vergeben, und darüber habe ich mich so geärgert, dass ich im vierten anfangs völig von der Rolle war", analysierte der Weltranglisten-Achte, der am Mittwoch in der zweiten Runde auf den Franzosen Fabrice Santoro trifft. "Das wird auch wieder schwierig, Santoro spielt sehr unangenehm, unkonventionell", erklärte Schüttler, "ich muss versuchen, ihn von der Grundlinie unter Druck zu setzen."

Schüttler musste auf Platz 3 als erster der zehn deutschen Spieler bei dem mit insgesamt rund 13,5 Millionen Euro dotierten Turnier an den Start. Am Abend unterlag Alexander Waske (Frankfurt) trotz einer starken Leistung mit 6:7 (6:8), 5:7, 6:7 (7:9) gegen den britischen Lokalmatador Greg Rusedski, der in dem Match 31 Asse schlug. Tomas Behrend blieb gegen Juan Ignacio Chela (Argentinien) bei seiner 4:6, 2:6, 3:6-Niederlage chancenlos. Anca Barna (Moers) war als einzige der vier deutschen Damen am Start und bot beim 0:6, 1:6 gegen Magdalena Maleewa (Bulgarien) eine erschreckend schwache Leistung. Die weiteren Deutschen bestreiten ihre Erstrunden-Partien am Dienstag.

Von Schüttlers Fußverletzung, die ihn vergangene Woche noch zur Aufgabe beim Challenger in Braunschweig gezwungen hatte, war im Match gegen den 24 Jahre alten Eidgenossen tschechischer Herkunft nichts mehr zu spüren. Kratochvil hatte im Vorjahr in Wimbledon immerhin das Achtelfinale erreicht, wo er erst in einem dramatischen Fünf-Satz-Match am Mitfavoriten und Lokalmatador Tim Henman gescheitert war. Kratochvil wusste also, wie auf Rasen zu spielen ist. "Mir war klar, dass er auf Rasen sehr gut spielt", sagte der Wahl-Schweizer mit Wohnsitz in Altstetten, "deshalb bin ich insgesamt zufrieden."

Schüttler sichtlich angefressen

Bis auf den Einbruch nach dem Tiebreak eben. Hier konnte Schüttler einen 4:1-Vorsprung nicht halten, obwohl seine Tiebreak-Jahresbilanz bei 11:1 lag: "Da hat er zum Teil unglaubliche Bälle gespielt". Danach traf der sichtlich "angefressene" Deutsche fast nichts mehr. Kratochvil gelangen drei Breaks in Folge, er führte 4:1, Schüttler schimpfte mit sich und dem Schiedsrichter, und die aufmunternden Zurufe von Coach Dirk Hordorff blieben wirkungslos. Erst zum 3:4 brachte der Melbourne-Finalist seinen Aufschlag durch und war nach dem Break zum 5:5 wieder im Match, als Kratochvil die Nerven verlor und zwei Doppelfehler servierte. "Ich habe halt einfach immer weiter gespielt, Punkt für Punkt", erklärte der Korbacher, "vielleicht ist es wirklich eine Stärke von mir, dass ich mich wieder ins Match kämpfen kann, das ist mir schon ein paar mal gelungen."


 
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