Ein Fehltritt mit Folgen: Wimbledon-Sieger Ivanisevic droht Karriere-Ende
zuletzt aktualisiert: 25.02.2003 - 11:02Dubai (rpo). Goran Ivanisevic steht vor dem Ende seiner Karriere. Der Wimbledon-Sieger von 2001 zog sich beim Turnier in Dubai wahrscheinlich einen Kreuzbandriss zu.
Seine Rückkehr auf die ATP-Tour endete am Montag beim Stand von 5:6 seiner Erstrundenpartie gegen den Russen Andrej Stoljarow mit einem Fehltritt, der nicht nur die Aufgabe beim 6:6 im Tiebreak des ersten Satzes zur Folge hatte.
"Ich war schon wieder so gut drauf", ärgerte sich Ivanisevic nach seinem Stoppschritt, dem "ein Knacken im rechten Knie" folgte. "Ich wusste sofort, dass etwas passiert ist", sagte er nach dem folgeschweren Ausrutscher. "Ich wollte doch nur einen Ball erreichen, dem ich besser nicht hinterher gerannt wäre", ergänzte er auf dem Weg ins Krankenhaus. Die befürchtete Diagnose "Kreuzbandriss" blieb ihm am Dienstag zwar erspart. Doch auch die festgestellte "schwere Zerrung und Bänderdehnung" macht ihm kaum Hoffnung, das erstrebte Ziel Wimbledon Ende Juni erreichen zu können: "Dabei wollte ich nur dieses Match ohne zu große Schmerzen in der Schulter beenden."
Dubai sollte nach elfmonatiger Verletzungspause die Fortsetzung seiner Laufbahn auf der ATP-Tour einläuten und der Wendepunkt seiner Leidensgeschichte sein. Denn dem sensationellen Sieg als erstem Wildcard-Spieler auf dem "Heiligen Rasen" in Wimbledon 2001 folgte für den kroatischen Volkshelden im Januar 2002 nur noch ein echter Höhepunkt: Der Daviscup-Auftaktsieg gegen Deutschland. Danach gingen mit der lädierten linken Schulter auch Ivanisevic' Hoffnungen auf einen erfolgreichen Abschied von der Tennis-Bühne kaputt.
Am 16. Mai vorigen Jahres wurde der flügellahme "Herr der Asse" in Heidelberg operiert, nachdem er zwei Monate zuvor unter großen Schmerzen in Key Biscayne sein bis dato letztes Match beendet hatte. Die Schmerzen blieben; an Stelle der Australian Open spielte er im Januar in Heilbronn ein Challenger-Turnier, beim 4:1 im Daviscup gegen die USA bestritt er nur das Doppel. Aber die Schulter plagte ihn weiter.
Auch auf dem grünen Hartplatz in Dubai. "Trotzdem war ich während des Matches so zuversichtlich", berichtete Ivanisevic. "Natürlich konnte nach elf Monaten Pause nicht alles wie gewohnt laufen. Aber ich habe sehr ordentlich gespielt und schon wieder mit 193 Stundenkilometern aufgeschlagen. Das ist so schlecht nicht. Ein paar Doppelfehler waren auch dabei, okay. Aber das ist normal für mich."
In der Wüste am Persischen Golf wollte Ivanisevic das Tal der Tränen verlassen und die Rückkehr auf die ATP-Tour feiern. Glanzvoll - wenn möglich. So wie 1996, als er hier den Titel holte. Oder wie im Jahr darauf, als er wieder im Endspiel stand und im Doppel gewann. Doch der Rebell von einst, der sich nur noch selten als "Partisan des weißen Sports" präsentiert, musste den herben Rückschlag hinnehmen. Gut möglich, dass dieser regnerische Montag, der 24. Februar 2003, der letzte Tag für Goran Ivanisevic als Tennis-Profi war.
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