Henry Maske: Zehn Gründe, warum er jetzt der "Gentleman der Herzen" ist
VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 02.04.2007 - 12:07München (RPO). Viele Boxfreunde hatten ihre liebe Not mit Henry Maske. Er verteidigte seinen WM-Titel gegen Bademeister. Er boxte nie in Amerika. Den ersten Skandal-Kampf gegen Graciano Rocchighani bekam er von den Punktrichtern geschenkt. Jetzt hat Maske es allen gezeigt. Mit 43 Jahren und einer beeindruckenden Leistung.
Zu seiner großen Zeit vor zwölf oder 13 Jahren verfolgten Millionen Menschen am TV-Gerät die Kämpfe des Rechtsauslegers. Die Begeisterung war riesig, der Olympia-Sieger von 1988 wurde zum gesamtdeutschen Star. Verprügelte als Werbeträger Haarschuppen für einen Shampoo-Hersteller.
Boxexperten nörgelten dennoch stetig. Maske kämpfte nur in Deutschland, nur vor heimischem Pubklikum. Seine freiwilligen Titelverteidigungen fanden dann und wann gegen zweifelhafte Gegner statt. Maske kämpfte gegen Andrea Magi, einen italienischen Bademeister und Teilzeitboxer (1994).
Im gleichen Jahr stieg auch der Kampf gegen Iran Barkely, der an einem Augenleiden litt und mit eingeschränktem Sichtfeld boxte.
Seinen ersten Kampf gegen Straßenboxer Graciano Rocchigiani (1995) verlor Maske klar. Nach einem Skandal-Urteil der Punktrichter blieb der Brandenburger Weltmeister.
Seine defensive Taktik, das Warten - Meiden - Kontern, wurde ihm gelegentlich als Feigheit ausgelegt.
Jetzt hat es Maske mit 43 Jahren allen gezeigt. In zwölf Runden nötigte der "Gentleman" auch denen Respekt ab, die ihn bisher oft belächelten.
Jetzt ist er "der Gentleman der Herzen". Zehn Gründe:
1) Für sein Comeback suchte er sich kein Fallobst aus. Maske kämpfte gegen einen Weltmeister und dominierte ihn!
2) Er war austrainiert wie zu seiner Glanzzeit, kein Gramm Fett am Körper. Ein Bild von einem Mann, Respekt!
3) Vor seinem Kampf verspotteten ihn alle. Nach dem Schulz-Debakel wartete man förmlich auf Maskes Scheitern. Er zeigte starke Nerven, blieb auf Kurs.
4) Maske ist der klügste Boxer der vergangenen Jahrzehnte. Sein geduldiges Warten auf die Lücke, sein kraftsparender Stil. Das ist Fechten mit der Faust.
5) Jetzt kann ihm niemand mehr Feigheit nachsagen. Auch Schwergewichtler Wladimir Klitscho zollte Respekt: "Dafür braucht man Mut."
6) Maske zeigte Herz. In den ersten Runden lief es schlecht für den 43-Jährigen. Er fand keine Distanz, nahm einige Schläge auf den Kopf. Maske biss sich durch!
7) Bei seinem Comeback stand wirklich das Sportliche im Vordergrund. Maske hat viel verdient, ist heute Unternehmer in Overath bei Köln. Maske ist klug, kann auch in anderen Bereichen Geld verdienen.
8) Maske ist clever genug, jetzt auch wirklich Schluss zu machen. Der Hill-Kampf soll sein letzter gewesen sein. Man glaubt es ihm.
9) Weil sich der sonst so kontrollierte Maske nach dem Kampf so überschwenglich freute. Ein Moment, in dem der Mensch hinter dem Athleten zu sehen war.
10) Weil er allen bewiesen hat, dass man auch im reiferen Alter noch zu tollen Leistungen fähig ist.
Henry Maske, jetzt ist er der "Gentleman der Herzen". Er wird dem Boxen in Deutschland fehlen. Auch denen, die ihn eigentlich nie so richtig mochten...
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