"Nagelprobe" für Riedel und Lobinger in der Golden League: Zürich: Mutola will Millionen-Chance wahren
zuletzt aktualisiert: 14.08.2003 - 15:02Zürich (sid). Das seit Jahrzehnten bedeutsamste Leichtathletik-Meeting der Welt in Zürich feiert 75-jährigen Geburtstag. Während historische Sportgrößen zum Gratulieren kommen, ist es für die deutschen Athleten die letzte Chance zum Kräftevergleich vor der Weltmeisterschaft. Maria Mutola will ihre Millionen-Chance wahren.
Der "Zauber von Zürich" begann vor 75 Jahren mit dem Auftritt der finnischen Langlauf-Legende Paavo Nurmi und 1959 feierte Martin Lauer mit handgestoppten 13,2 Sekunden über 110 m Hürden den ersten von 23 Weltrekorden in Zürich. Beim Jubiläum im Letzigrund-Stadion feiern historische Sportgrößen ein Wiedersehen. Sie erleben beim fünften Golden-League-Sportfest der Saison acht Tage vor dem Auftakt der Weltmeisterschaften in Paris (23.-31. August) eine vorgezogene WM im Zeitraffer.
Vor 24.000 Zuschauern rennt, springt und wirft im dreistündigen und rund 3,5 Millionen Euro teuren Hauptprogramm (fast) alles was Rang und Namen hat: Rund 20 aktuelle Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordler sind in 20 Disziplinen am Start. In den zwölf Golden-League-Wettbewerben aber gibt es nur noch eine ungeschlagene Athletin: Maria Mutola reckt beim erhofften fünften Saisonsieg den Arm nach der Dollar-Million, die aber erst bei einem weiteren Sieg in Brüssel (5. September) und der Teilnahme am Welt-Finale eine Woche später in Monte Carlo in ihren Besitz überginge.
Für mindestens 4 der 13 Gemeldeten des 64 Köpfe zählenden deutschen WM-Teams wird Zürich zur Nagelprobe. Der fünfmalige Weltmeister Lars Riedel (Chemnitz) und der WM-Dritte Michael Möllenbeck (Wattenscheid) treffen im Diskusring auf Olympiasieger Virgilius Alekna (Litauen) und Europameister Robert Fazekas (Ungarn). Im Stabhochsprung messen sich Hallen-Weltmeister Tim Lobinger (Köln) und der EM-Zweite Lars Börgeling (Leverkusen) mit Olympiasieger Nick Hysong (USA), Weltmeister Dmitri Markow (Australien) und Europameister Aleksandr Awerbuch (Israel).
Aus dem Kreis der deutschen Kandidaten für 4 bis 8 WM-Medaillen könnten im Speerwerfen auch der WM-Dritte Boris Henry (Saarbrücken) und der vorerst nur als Ersatzmann nominierte Olympiavierte Raymond Hecht (Magdeburg) eine gute Rolle spielen im Kräftemessen mit Weltrekordler Jan Zelezny (Tschechien) und dem EM-Zweiten Sergej Makarow (Russland). Von den deutschen Hoffnungen fehlen 400-m-Europameister Ingo Schultz (Hamburg) und der frühere Hammerwurf-Weltmeister Karsten Kobs (Leverkusen), weil ihr Wettbewerb zum Programm zählt.
Auf der Liste der abwesenden Stars stehen über 100 m Olympiasieger Maurice Greene und der ähnlich formschwache Weltrekordler Tim Montgomery (beide USA), bei den Frauen Weltmeisterin Schannah Block (Ukraine) sowie über 400 m Hürden die neue russische Weltrekordlerin Julia Petschonkina. Im Hochsprung fehlt Schwedens leicht verletzte Europameisterin Kajsa Bergqvist nach ihren 2,06 m von Eberstadt. 110-m-Hürden-Weltmeister Allen Johnson (USA) verzichtet wegen einer vor Wochenfrist in Berlin erlittenen Oberschenkelzerrung auf die 110 m Hürden.
Von einem Weltrekord war vor Zürich nicht die Rede. Die ausgelobten 50.000 Euro könnten dennoch fällig werden - vielleicht durch einen Namen, den zuvor nie jemand hörte. Der Kenianer Stephen Cherono erhielt vom Weltverband IAAF die sofortige Freigabe zum Start für den Golfstaat Katar und wechselte von heute auf morgen nicht nur die Nationalität, sondern kurzfristig auch seinen Namen. Unter welchem der Weltjahresbeste aber im Letzigrund den Hindernis-Weltrekord angreifen wollte, war 24 Stunden vor dem 5. Golden-League-Meeting der Saison jedoch selbst Meeting-Direktor Hansjörg Wirz noch nicht bekannt.
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