Minutenlange Ovationen für die Basketball-Legende: Bewegender Abschied für Michael Jordan
zuletzt aktualisiert: 15.04.2003 - 12:15Washington (rpo). Ein bewegender Abschied für den Mega-Star: 20.000 Fans in Washington jubelten, als hätte Michael Jordan soeben seine siebte Meisterschaft gewonnen. Als die Basketball-Legende 2:02 Minuten vor Spielende das Parkett verließ, erhoben sich alle von den Sitzen - es war das letzte Heimspiel des Ex-Champions der Chicago Bulls.
Michael Jordan hat seinem Heimpublikum keinen Sieg zum Abschied schenken können. Der 40 Jahre alte Mega-Star verlor in der Nacht zum Dienstag mit den Washington Wizards (37 Siege/44 Niederlagen) im ausverkauften MCI Center gegen die New York Knicks (37/44) seine letzte Partie in eigener Halle klar mit 79:93. Der Ausgang des Duells zwischen den beiden nicht für die Playoffs qualifizierten Teams schien jedoch völlig nebensächlich zu sein. Denn trotz der Niederlage wurde "His Airness" von den über 20 000 Zuschauern bejubelt, als hätte er soeben seine siebte Meisterschaft in der nordamerikanischen Basketball-Meisterschaft (NBA) gewonnen.
Als Jordan 2:02 Minuten vor Spielende das Parkett verließ, erhoben sich alle von den Sitzen, spendeten dem Ex-Champion der Chicago Bulls minutenlang Beifall und feierten ihn mit Sprechchören. Vor der Partie hatte ihn US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld mit der amerikanischen Flagge geehrt, die am 11. September vorigen Jahres in Gedenken an den 1. Jahrestag der Terroranschläge auf New York und Washington über das Pentagon geflogen wurde.
"Das war sehr respektvoll. Sie hätten das nicht zu tun brauchen, doch sie taten es. Sie wissen, dass ich sie liebe", bedankte sich Jordan bei den Fans, von denen er sich bei seinem letzten Karriere- Heimspiel mit 21 Punkten als Top-Werfer der Wizards verabschiedete. Nach dem Spiel spendete Wizards- Eigentümer Abe Pollin noch 50 nach Jordan benannte Computer, die auf die 18 öffentlichen Washingtoner Oberschulen verteilt werden.
Nach 19 Jahren in der NBA und zwei Comebacks beendet "His Airness" im Spiel bei den Philadelphia 76ers endgültig seine aktive Laufbahn und wird sich zukünftig als Funktionär um den sportlichen Bereich bei den Washington Wizards kümmern.
Wehmut und Trauer wollten bei dem 40-Jährigen auch nach dem letzten Heimspiel mit den Wizards in der Nacht zum Dienstag gegen die New York Knicks nicht aufkommen. Keine Abschiedsrede, keine großen Emotionen. Jordan vermittelte vor seinem letzten sportlichen Hurra eher Aufbruchstimmung: "Meine aktive Laufbahn war von vielen wunderschönen Erfolgen und Augenblicken gekrönt. Jetzt ist es an der Zeit, die Erfahrungen an den Nachwuchs weiterzugeben."
Fast 50 Fernsehsender angesagt
Fast 50 Fernsehsender haben sich für das Spiel in Philadelphia (Donnerstag ab 1.00 Uhr live bei Premiere) angesagt, rund 200 Journalisten berichten über eine Partie, die sportlich keinen Wert mehr besitzt. Noch vor zwei Jahren träumte Jordan offen von seiner siebten Meisterschaft. Dass er jetzt sogar das Minimalziel Playoff-Teilnahme verpasste, dürfte beim Rückblick auf sein Gesamtwerk genausowenig eine Rolle spielen, wie die in dieser Saison mit durchschnittlich 20 Punkten schwächste Wurfausbeute seiner Karriere. Einer wie er setzte genügend Glanzlichter, um in nicht weniger als elf Dokumentarfilmen und einer Hollywood-Hauptrolle neben Cartoon-Figur Bugs Bunny ("Space Jam") verewigt zu werden.
Unvergessen seine atemberaubende One-Man-Show, als Jordan am 28.März 1990 die Cleveland Cavaliers mit 69 Punkten quasi im Alleingang besiegte. Gut zwölf Jahre später bewies "MJ" mit 43 Punkten im Madison Square Garden, dass der 40. Geburtstag nicht das Ende sportlicher Höchstleistungen bedeuten muss. Mittelmaß war noch nie seine Sache, sechs Titel mit den Chicago Bulls und fünf Nominierungen zum wertvollsten Spieler der Saison (MVP) sprechen eine deutliche Sprache. Die größten Komplimente für den überflieger, dessen polierte Glatze und heraushängende Zunge zum Markenzeichen wurde, kamen deshalb von der Konkurrenz. Earvin "Magic" Johnson deklarierte ihn zum besten Sportler aller Zeiten, der große Larry Bird sah in Jordan "Gott als Basketballspieler verkleidet".
Die wenigen Rückschläge - auf und abseits des Spielfelds - verarbeitete die "Nummer 23" im Stil eines Gentlemans. Ein erfolgloser Ausflug zum Baseball änderte ebenso wenig an Jordans Beliebtheit wie Schlagzeilen um üppige Wettverluste, außereheliche Liebelein oder die zwischenzeitliche Trennung von seiner Frau Juanita. Selbst als Jordan die entscheidenden Punkte in den den letzten Spielsekunden immer öfter misslangen, standen Legionen von Fans wie ein Mann an seiner Seite. Kein Wunder, dass Amerikas Werbeindustrie an ihrem erfolgreichsten Aushängeschild festhält. Auch im Ruhestand wird Multimillionär Jordan sein Konterfei für Sportschuhe, Unterwäsche und Fitnessdrinks in die Kameras halten.
Der vielleicht eindruckvollste Rekord seiner Karriere hielt auch in Washington. Seit dem 20. November 1987 waren sämtliche Heimspiele unter seiner Mitwirkung ausverkauft, auswärts elektrisierte der Name Jordan schon eh und je die Massen. Beim letzten Auftritt in Washington erzielte Jordan 21 Punkte und verbesserte seine NBA-Bilanz auf stattliche 32.277 Punkte - damit liegt er allerdings immer noch deutlich hinter Kareem Abdul-Jabbar (38.387).
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