Basketball-EM: Deutsches Team mit Zukunft
zuletzt aktualisiert: 11.09.2009 - 13:30Danzig (RP). Ehe die "schönste Niederlage" perfekt war, mussten die deutschen Basketballspieler bei der EM in Polen viel einstecken. Mit acht Punkten hätte das stark verjüngte Team von Bundestrainer Dirk Bauermann verlieren dürfen. Am Ende hieß es 62:68 gegen Lettland, und der kaum für möglich gehaltene Einzug in die Runde der besten zwölf Teams war perfekt.
"Das war eine Schlägerei", sagte Jan-Henrik Jagla mit Blick auf die mit drei Stichen genähte blutige Platzwunde über der Nase von Center Patrick Femerling und einen zertrümmerten Backenzahn von Steffen Hamann. Der Berliner Aufbauspieler hatte nach der Partie vom 135-Kilo-Koloss Kaspars Kambala (30) den Ellbogen ins Gesicht gerammt bekommen.
Ob und, wenn ja, wie lange der 2,05-m-Mann gesperrt wird, soll spätestens morgen entschieden werden. Der Lette hatte erst Ende 2008 eine zweijährige Sperre wegen Kokainkonsums abgesessen und sich in dieser Zeit als Profiboxer im Schwergewicht versucht (drei Siege, ein Unentschieden).
"Das ist ein unglaublicher Erfolg für diese junge Truppe", sagte Bundestrainer Bauermann nach dem Einzug in die Zwischenrunde, bei der in Bromberg heute Vizeweltmeister Griechenland (18.15 Uhr), Mazedonien (Sonntag, 15.45) und Kroatien (Dienstag 21/alle live im DSF) die Gegner sind.
"Wir werden alles geben. Wenn die Basketball-Götter weiter auf unserer Seite sind, könnte uns noch ein Sieg gelingen", sagte Bauermann. Da sein Team aus der Vorrunde das 65:70 gegen Frankreich und das 76:73 gegen Titelverteidiger Russland mitnimmt, könnte ein Sieg schon für das Viertelfinale reichen.
Allerdings dämpfte der 51-Jährige vor dem Auftakt gegen die ungeschlagenen Griechen die Erwartungen: "Sie sind ein Medaillenkandidat. Man darf keine Wunderdinge erwarten, schließlich haben wir viel Kraft in den drei Vorrundenspielen gelassen."
Die Spieler träumen allerdings von einer weiteren Überraschung: "Ich denke, das Viertelfinale muss das Ziel sein. Wir können jede Mannschaft schlagen", sagte Jan-Hendrik Jagla. Der Flügelspieler war gegen Lettland in den letzten 13 Sekunden zum "Held des Tages" (Bauermann) avanciert. Mit einem Dreier und zwei Freiwürfen verhinderte der 28-Jährige eine höhere Niederlage und damit das EM-Aus.
Der Mannschaft von Bauermann, in der fünf Spieler 21 Jahre oder jünger sind und die ohne NBA-Star Dirk Nowitzki auskommen muss, ist noch eine Überraschung zuzutrauen. In allen drei Vorrundenspielen beeindruckten die Spieler, die in kritischen Phasen die Nerven behielten, Rückschläge wegsteckten und sich das Glück hart erarbeiteten.
"Alle haben damit gerechnet, dass wir kein Spiel gewinnen. Was diese Mannschaft geleistet hat, ist so fantastisch. Es zeigt, dass die Jungen eine große Zukunft haben", sagte Bauermann, der ein Team für das Fernziel Olympia 2012 aufbauen möchte.
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