NBA: L.A. Lakers auf dem absteigenden Ast
zuletzt aktualisiert: 25.02.2005 - 10:56Los Angeles (rpo). Das Staples-Center in Los Angeles ist das Wohnzimmer der Lakers. Hier feierten sie in der Vergangenheit reihenweise große Erfolge und erfreuten sich dank Basketball-Ikonen wie Kareem Abdul-Jabbar und Magic Johnson weltweit enormer Fan-Beliebtheit. Doch seit dem Abgang von Superstar Shaquille O'Neal (Miami Heat) ist die Halle nur noch selten ausverkauft und auch sportlich hapert es bein den Violett-Gelben mächtig.
Ein momentan enttäuschender achter Platz in der Western Conference belgt dies eindeutig und jetzt müssen die Lakers sogar um den Einzug in die Play-Offs bangen. Eine Verpassen der Endrunde wäre ungefähr damit zu gleichzusetzen, wie wenn Bayern München es am Ende der Bundesliga-Saison nicht einmal in die Uefa-Cup-Ränge schafft.
Keine Stars, kein Trainer, keine Fans - ein für die "Korbjäger aus La-La-Land" noch vor wenigen Jahren undenkbares Szenario. Mit drei Titeln in Folge (2000, 2001, 2002) waren die Lakers das Mass aller Dinge. Wenn Kobe Bryant und Shaquille O'Neal die Gegner aufmischten, saß Amerika gebannt im Kollektiv vor dem Fernseher. Ironischerweise waren es nicht sportliche, sondern menschliche Schwächen, die schließlich für den Absturz des Rekordmeisters sorgten. Dank Bryants Vergewaltigungsprozess und dem immer offener ausgetragenen Zwist mit seinem Intimfeind O'Neal füllten die Lakers die Klatschspalten, für die sportlichen Schlagzeilen sorgten andere.
Fans machen Buss verantwortlich
In der Stadt der Engel haben die Fans den Verantwortlichen für die Misere längst ausgemacht. Lakers-Besitzer Jerry Buss weigerte sich, den Kontrakt von Erfolgs-Coach Phil Jackson zu verlängern, auch die Altstars Karl Malone und Gary Payton fielen dem Umbau des Teams zum Opfer. Statt des nicht mehr unumstrittenen Bryant liess Buss schließlich kurz vor der laufenden Saison mit O'Neal den dominierendsten Center der National Basketball Association (NBA) zu den Miami Heat ziehen. Zu allem Überfluss schmiss Jackson-Nachfolger Rudy Tomjanovich schon nach einer halben Saison das Handtuch. Für den aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Coach versucht sich derzeit der frühere Assistenstrainer Frank Hamblen recht erfolglos in der Chefrolle.
"Wenn man Stars wie O'Neal, Malone oder Payton verliert, lässt das Interesse naturgemäß nach. Aber unsere Fans sollten nicht vergessen, dass wir langfristig das Wohl des Vereins im Auge haben", sagte Lakers-Sprecher John Black. Die nackten Zahlen sollten aber selbst im Hauptquartier der finanziell auf Rosen gebetteten Lakers die Alarmglocken schrillen lassen. Die Einschaltquoten beim Lakers-Sender FSN West gingen um 33 Prozent zurück, im Radio verfolgen beim Sender KCAL 28 Prozent weniger Fans die Spiele.
Larry Brown als Nachfolger im Gespräch
Es passt zur örtlichen Nähe des immer für eine Posse bereiten Hollywoods, dass ausgerechnet Jackson den Club ins Paradies zurückführen soll, der die Lakers und Bryant vor wenigen Monaten in einem Buch der Lächerlichkeit preis gab. Eine Rückkehr des neunfachen Meistermachers sei durchaus möglich, signalisierte Jerry Buss, selbst Bryant kann sich mit der noch vor kurzem undenkbaren Variante anfreunden.
Sollte in den nächsten Wochen nicht der von den Lakers umworbene Olympiacoach Larry Brown von den Detroit Pistons nach Los Angeles wechseln, scheint ein erneutes Engagement Jacksons vorprogrammiert. Der Umworbene sieht sich derweil die kalifornische Tragi-Komödie aus der Ferne an. Von seinem Boot vor den Küsten Australiens ließ Jackson mitteilen, dass er frühestens zur nächsten Saison wieder als Trainer zur Verfügung stehe.
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