Interview mit Dirk Bauermann: "Wir sind das neue Zugpferd"
zuletzt aktualisiert: 02.10.2011 - 22:06Düsseldorf (RP). Dirk Bauermann greift mit Bayern Münchens Basketballern die etablierten Teams der Bundesliga an. Im Interview mit unserer Redaktion spricht Bauermann über seine Ziele und die Rolle der Bayern in der Liga.
Herr Bauermann, im Sommer 2010, als Sie als Trainer beim Zweitligisten FC Bayern München anfingen, sagten Sie, Bayern ist ein schlafender Riese. Was ist Bayern ein Jahr danach?
Dirk Bauermann: Nun, wir schlafen nicht mehr. Wir sind hellwach. Ein Riese sind wir aber auch noch nicht, eher ein Riesenbaby.
Die Belastungen der Trainer sind ein aktuelles Thema, siehe Ralf Rangnick. Nun dauert ein Basketballspiel zwar nur 40 Minuten, ist durch das intensive Spiel aber mental viel fordernder. Muss sich auch ein Basketball-Spitzentrainer seine Freiräume schaffen? Oder ist der Druck geringer, da Basketball anders als der bundesweit interessierende Fußball eher eine lokale, maximal regionale Aufmerksamkeit hat?
Bauermann: Ein Spiel dauert ja auch fast zwei Stunden brutto. Gerade im Basketball sind die Trainer sehr nah dran. Sie müssen ständig Entscheidungen treffen: Wen wechsle ich aus? Wann nehme ich Auszeiten? Welche Taktik spielen wir? Das sind schon 90 bis 120 Minuten höchster Anspannung und Konzentration. Am Ende hat der Fußball noch einmal eine andere Dimension, weil der öffentliche Druck, die Zahl der Zuschauer, das öffentliche Interesse, auch das der Medien, unvergleichlich höher sind.
Wie geht man mit dem Druck um?
Bauermann: Er kommt ja in der Regel von innen. Man macht ihn sich selbst. Man muss versuchen, Strategien zu finden, um damit zurechtzukommen. Ich glaube, dass Erfahrung hilft, auch Erfolge. Da weiß man, wo man steht, was man kann. Man hat eigentlich schon so viel erlebt, dass einen nichts mehr so recht überraschen und aus der Ruhe bringen kann. Und man braucht Belastbarkeit. Die kann man sich zum Teil antrainieren, muss man aber auch ein bisschen in die Wiege gelegt bekommen haben. Darüber hinaus muss man sich auch mal Auszeiten gönnen, die Zeit nehmen, um laufen zu gehen, um ein Buch zu lesen, Sport zu treiben, halt solche Dinge zu machen. Vielleicht sogar, das mache ich, auch auf Trainingsformen zurückzugreifen, die man aus der Sportpsychologie kennt – also autogenes Training und solche Dinge. Denn wenn man nicht auf sich aufpasst, dann läuft irgendwann wirklich das Fass über.
Immer wieder werden vor Saisonbeginn viele Spieler einer Mannschaft ausgetauscht. Auch beim FC Bayern hat sich vieles getan. So sind in Benzing, Schwethelm und Jagla aktuelle EM-Teilnehmer gekommen. Ist die Identifikation Fan und Spieler nicht so wichtig, spielt das Trikot eine größere Rolle als der Mensch?
Bauermann: Ich glaube, es ist beides gleich wichtig. So war es für uns ja von großer Bedeutung, gerade den deutschen Nationalspielern mindestens Zweijahresverträge zu geben. Kontinuität im Kader ist aus vielen Gründen wichtig. Die hat auch irgendetwas mit Qualität zu tun. Wenn du jedes Jahr neue Leute holst, dann bekommst du auch keine Qualität ins Spiel. Da dauert es jedes Mal vier bis fünf Monate, bis sich die Mannschaft gefunden hat. Wenn du den Schritt von der zweiten in die erste Liga machst, dann musst du natürlich auch noch mal den Kader verändern. Das war notwendig.
Uli Hoeneß hat gesagt, der FC Bayern wird dem Basketball "unglaublich gut tun". Warum?
Bauermann: Er wird dem Basketball sehr gut tun. Das hilft dem Interesse an der Sportart sehr, erhöht den Stellenwert, den Status. Der Name FC Bayern steht für Lichtkegel. Das gibt allen Beteiligten bessere Argumente bei Sponsoren, insbesondere auch der Liga bei Verhandlungen mit den Fernsehpartnern. Und auch die Hallen werden noch mal voller sein. Unser Spiel in Bamberg war nach wenigen Stunden ausverkauft. Das Spiel in Bonn ist seit Wochen ausverkauft. Wir werden auswärts immer vor ausverkauftem Haus spielen. Wir sind insofern auch das neue Zugpferd der Liga. Ein Zugpferd, das im Augenblick noch ein bisschen humpelt. Das wird sich dann auch ändern.
Wegen der EM haben sie nur zwei Wochen Vorbereitung. Ein Nachteil?
Bauermann: Das ist schon ein Riesennachteil, vor allem weil wir ja auch nicht in einer ähnlichen Besetzung in der vergangenen Saison spielten. Da sind wir schon drei, vier Wochen den anderen hinterher. Wie immer in solchen Situationen kommt eins zum andern. Natürlich haben uns die Vertragsauflösung von Center Sharrod Ford (kehrte vor wenigen Tagen in die USA zurück/Red.) und der längere Ausfall von Robin Benzing (Fußgelenk verletzt bei der EM/Red.) sehr wehgetan. Beide waren für die Startformation vorgesehen. Aber fürs Jammern bekommt man keine zwei Punkte.
Nu ist der FC Bayern dank der finanziellen Mittel und der Spieler ja kein Aufsteiger wie jeder andere. Wohin geht die Reise, die am Montag in Bonn beginnt, wohin muss sie in dieser Saison gehen?
Bauermann: Wenn wir gesund sind, die Ford-Situation gelöst und uns gefunden haben, dann muss das Ziel sein, unter die ersten vier zu kommen. Ich halte Meister Bamberg für den klaren Favoriten. Ich glaube, sechs, sieben Mannschaften können ins Halbfinale kommen – und wir gehören dazu.
Eckhard Czekalla führte das Gespräch
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