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Klitschko gegen Peter: Boxer füllen die Arenen

VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 10.09.2010 - 14:43

Frankfurt/Düsseldorf (RP). Heute vor 44 Jahren gewann Muhammad Ali im Frankfurter Waldstadion gegen Karl Mildenberger. Morgen tritt Wladimir Klischko dort gegen Samuel Peter an. Boxkämpfe in Fußballstadien liegen im Trend.

Vielleicht findet der eine oder andere Boxsport-Journalist, der sich nur schwer von Erinnerungsstücken trennen kann, die Vinyl-Schallplatte noch in seiner liebevoll gepflegten Sammlung. "I am the greatest", steht drauf. Und: "Cassius Clay". Und als besonderes Qualitätsmerkmal: "Stereo". Das Management von Muhammad Ali, wie sich der Amerikaner damals schon nannte, ließ die Platte mit dem Sprechgesang des Schwergewichtsboxers auf einer Pressekonferenz vor 44 Jahren in Frankfurt am Main verteilen. Gegen den Willen des Champions. "Ich finde das grässlich", sagte Ali, der ansonsten stets wenig Hemmungen hatte, sich als "der Größte" zu bezeichnen.

Es folgte ein Kampf, der in die deutsche Sportgeschichte einging. Karl Mildenberger, der Herausforderer aus der Pfalz, wehrte sich zwölf Runden lang tapfer. Voller Ehrfurcht schrieben die Berichterstatter, dass Mildenbergers Blut an Alis Handschuhen klebte. "Es war mein schwerster Kampf nach dem Titelgewinn gegen Sonny Liston", sagte Weltmeister Ali, nachdem der Ringrichter den angeschlagenen Mildenberger vor den Fäusten seines Gegners in Schutz genommen hatte.

Schauplatz Waldstadion

Der Schauplatz von 1966 – das Frankfurter Waldstadion – ist abgerissen worden. An gleicher Stelle steht jetzt die Commerzbank-Arena, die normalerweise der Frankfurter Eintracht in der Fußball-Bundesliga als Heimat dient. Am Samstag findet an diesem Platz erstmals wieder ein großer Boxkampf statt. Wladimir Klitschko misst sich mit Samuel Peter. Wieder Schwergewicht. Wieder ein WM-Kampf – was heute nicht viel bedeutet, weil jeder groß in Szene gesetzte Schlagabtausch dieses Prädikat trägt.

Der Sender RTL, der die Klitschko-Brüder als "unsere Goldesel" bezeichnet, überträgt mit dem üblichen Brimborium. Der Preis für eine halbe Minute Werbung liegt bei 117.000 Euro und damit über dem der Formel-1-Übertragungen.

Der spätestens mit der Fußballweltmeisterschaft 2006 erwachte Drang der deutschen Sportfreunde, sich keine Massenveranstaltung entgehen zu lassen, und der Zwang der Stadionbetreiber, ihre Arenen auslasten zu müssen, finden beim Boxen zusammen. Die Arenen auf Schalke und in Düsseldorf eignen sich dabei genau wie das Frankfurter Stadion besonders gut, weil ihre Dächer verschließbar sind. Was in den 90er Jahren Einzelereignisse waren – wie der Kampf zwischen Dariusz Michalczewski und Graciano Rocchigiani am Millerntor auf St. Pauli oder Axel Schulz' Auftritt in Dortmund –, wird jetzt zum Normalfall. Stadionboxen liegt im Trend.

Bis Donnerstag waren 37.000 der 40.000 Karten für den Klitschko-Kampf verkauft – mehr als für Alis Auftritt vor 44 Jahren. Der 1993 im Aztekenstadion von Mexiko aufgestellte Weltrekord von 136.000 Besuchern liegt allerdings nicht in Reichweite. Genauso wenig der deutsche Rekord: Im August 1934 strömten 102.000 Menschen auf der Sandbahn in Hamburg-Lokstedt zusammen, um den WM-Ausscheidungskampf zwischen Max Schmeling und Walter Neusel zu sehen.

Quelle: RP

 
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