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Interview mit Luan Krasniqi: Boxer Zwischen Himmel und Hölle

VON GIANNI COSTA FÜHRTE DAS GESPRÄCH - zuletzt aktualisiert: 15.11.2008 - 10:35

Düsseldorf (RPO). Luan Krasniqi kämpft am Wochenende gegen den Russen Alexander Dimitrenko um seine nächste WM-Chance. Für den 37-Jährigen ist es wohl die letzte Gelegenheit auf einen großen Fight. In einem aktuellen Interview spricht Krasniqi über den Kampf, seine Karriere und die Vergangenheit.

Luan Krasniqi steigt in Düsseldorf in den Ring.  Foto: AP, AP
Luan Krasniqi steigt in Düsseldorf in den Ring. Foto: AP, AP

Herr Krasniqi, Sie treffen im Ring in Düsseldorf auf den elf Jahre jüngeren Alexander Dimitrenko. Schon Pläne für den Tag nach dem Kampf?

Krasniqi: Ich werde nach Hause fahren. Mit Freunden etwas essen gehen. Wir werden einen grandiosen Sieg von mir feiern. Es wird ein schönes Gefühl sein, sich endlich wieder frei zu fühlen.

Was belastet Sie?

Krasniqi: Alle Kämpfe die ich bisher gemacht habe, waren irgendwo zwischen Himmel und Hölle. Jeder Gang in den Ring war der pure Beweis. Mich hatten so viele Leute schon abgeschrieben, aber mich gibt es noch immer. Im Jahr 2004 hat angeblich meine letzte Chance begonnen. So geht es immer weiter. Jetzt ist es dann wohl meine aller, aller, aller letzte Chance? Sehen Sie, ich lebe immer noch. Ich verspüre nicht, dass es mein letzter Kampf sein wird.

Sie haben viele Chancen bekommen, genauso viele ungenutzt gelassen. Gibt es nicht also durchaus Grund zur Skepsis?

Krasniqi: Ich habe in meiner Karriere einige Fehler gemacht. Das bestreite ich nicht.

Gegen den Polen Saleta haben Sie vorzeitig aufgegeben. Der Tiefpunkt?

Krasniqi: Ach, das ist so lange her. Sechs Jahre. Diesen Kampf zu diesem Zeitpunkt hätte ich nie annehmen dürfen. Ich bin vier Wochen vorher für Vitali Klitschko eingesprungen, der wegen einer Rückenverletzung ausgefallen war. Da stand ich im Ring und habe mich die ganze Zeit gefragt „Junge, was machst du hier überhaupt?”.

Nervt es Sie, immer wieder mit dem Blick in die Vergangenheit konfrontiert zu werden?

Krasniqi: Nein, Sie haben ja nett gefragt. Es geht um mein Leben, die Sachen hat ja niemand anders gemacht, sondern ich selbst. Ich muss mich für nichts schämen. Letztlich ist es wichtig, was du selbst daraus lernst.

Und was haben Sie gelernt?

Krasniqi: Gib niemals auf. Es ist ganz einfach ­ du darfst niemals aufgeben. Sie haben viele Rückschläge erlebt und kehren dennoch immer wieder in den Ring zurück.

Was treibt einen Boxer an?

Krasniqi: So viele schlechte Erfahrungen waren es nicht. 98 Prozent waren okay.

Sie sind 37, kommen da nicht manchmal Gedanken an Vorruhestand?

Krasniqi: Dieses Alter steht in meinem Pass. Neulich habe ich im Internet so einen Test gemacht. Da musste man Angaben zu seinem Lebenswandel machen, wie viel man wiegt und so Dinge eben. Raten Sie mal was am Ende für ein Ergebnis bei mir erschienen ist?

Sagen Sie schon.

Krasniqi: Biologisches Alter 28. Ha, da musste ich schon ein wenig schmunzeln. Ich wusste es ja immer schon. Ich fühle mich gut, habe Spaß an meinem Beruf. Vitali Klitschko ist genauso alt wie ich, hat vier Jahre pausiert und ist jetzt wieder Weltmeister.

Sie haben eineinhalb Jahre nicht mehr gekämpft. Sie sind also zuversichtlich?

Krasniqi: Immer. Nach meiner Pause darf ich gleich gegen die Nummer eins in der Rangliste der WBO boxen. Ich habe wirklich nichts zu verlieren. Ein Sieg gegen Dimitrenko würde mich meinem Lebenstraum näher bringen, nochmal um den WM-Gürtel zu boxen.

Dimitrenko und Sie sind beide bei Universum unter Vertrag. Sie haben auf den in dieser Branche sonst üblichen verbalen Schlagabtausch verzichtet und sich gegenseitig Respekt gezollt. Gehören Sprüche vor großen Kämpfen nicht irgendwie dazu?

Krasniqi: Ich bin Sportler durch und durch. Was ich sage, das gilt. Es ist nicht meine Art, meinen Kontrahenten mit Sprüchen im Vorfeld zu provozieren. Über Sieg und Niederlage entscheidet die Leistung im Ring. Die stärkeren Nerven. Boxer müssen nicht automatisch Sprücheklopfer sein. Nehmen Sie einen Profi wie Henry Maske. Der hat während seiner aktiven Zeit durch seine Art ein ganz anderes Publikum an den Ring gezogen. Es geht also auch anders.

Quelle: RP

 
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