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Trainer von Schwergewichtler Charr: Brüder Rocchigiani kehren in den Ring zurück

zuletzt aktualisiert: 28.03.2012 - 13:10

Düsseldorf (RPO). Nach seiner turbulenten Karriere ist Graciano Rocchigiani häufig durch private Aufreger in Erscheinung getreten. Nun hat der zweimalige Box-Weltmeister eine neue Aufgabe im Sport gefunden. Mit seinem Bruder Ralf betreut er den Schwergewichtler Manuel Charr - und hat einiges vor.

Groß und breitschultrig steht Graciano Rocchigiani am Ring. Drei Dekaden Boxsport haben ihre Spuren im Gesicht des 48-Jährigen hinterlassen, unter dem Muskelshirt wölbt sich sichtbar ein Bauchansatz. Und doch ist dieser Mann noch immer eine imposante Erscheinung. Nun hat er eine neue Aufgabe. Gemeinsam mit Bruder Ralf trainiert er den Schwergewichtler Manuel Charr, gemeinsam wollen sie die Königsklasse des Boxens aufmischen - und irgendwann die Klitschkos herausfordern. Damit schreibt Graciano Rocchigiani das nächste Kapitel seiner aufreibenden Karriere. Es beginnt in einem kleinen Sportstudio im Kölner Süden.

"Wir haben alle Höhen und Tiefen erlebt, uns kann niemand etwas vormachen", sagt der Jüngere der beiden Rocchigiani-Brüder dem Sport-Informations-Dienst (SID) und zuckt mit den Schultern. "Wenn man so lange in diesem Sport gearbeitet hat, was soll man dann anderes machen?"

"Er war einer der besten Boxer"

Boxen ist sein Leben. Spätestens nach dem Gewinn des IBF-Gürtels 1988 gehörte "Rocky" zu den Großen seines Sports. Und doch hätte er so viel mehr erreichen können. So wandte sich der einflussreiche Promoter Wilfried Sauerland Anfang der 90-er Jahre von ihm ab. "Ich war einfach nur frustriert von Graciano", sagte er unlängst dem Internetportal spox.com: "Er war einer der besten Boxer, die ich je unter Vertrag hatte, doch das Problem war sein unsteter Lebensstil." Im Ring äußerst diszipliniert, pflegte Graciano privat das Image des bösen Buben, landete und kassierte immer wieder Tiefschläge.

Nachdem es eine Weile ruhiger um ihn geworden war, geriet "Rocky" 2011 erneut in die Schlagzeilen, nachdem er eine Bekannte im Restaurant angeblich mit einer Pizza beworfen hatte. Mehrmals saß Graciano Rocchigiani hinter Gittern. Auf diese Weise machte er es sich selbst nie leicht - und hatte bei den Mächtigen des Sports keine Lobby.

In den Neunzigern hätte er in spektakulären Duellen gegen Henry Maske und seinen Erzfeind Dariusz Michalczewski zweimal um ein Haar den WBO-Thron bestiegen, doch umstrittene Urteile machten die Kämpfe zu einer Farce. 1998 wurde Stehaufmännchen Graciano dennoch ein zweites Mal Weltmeister. Auch sein älterer Bruder Ralf war sportlich ganz oben, holte 1995 den WBO-Titel.

Jetzt, im Kölner Gym, scheint diese Weltbühne weit entfernt. Während die Rocchigiani-Brüder das Sparring ihres neuen Schützlings leiten, sorgt nur wenige Meter vom Ring entfernt eine Kindersportgruppe für einen konstanten Geräuschpegel. Im Hintergrund klackern die Gewichte der Bodybuilder. Die Rocchigianis und Charr sind hier Kunden, keine Attraktion. Graciano scheint das nicht zu stören. Konzentriert verfolgen die hellblauen Augen jede Bewegung seines Boxers, reflexartig schwingt der Oberkörper die Schläge des Gegners aus. "Doppeldeckung hoch, Manu!" - immer wieder bellt der Trainer Anweisungen in den Ring.

Charr ist stolz auf seine Trainer

Der Deutsch-Libanese Charr fühlt sich bestens betreut. "Ich habe zwei Ex-Weltmeister als Trainer. Wer kann das schon von sich sagen?", fragt er nicht ohne Stolz. Der ehemalige Kickboxer ist mit 27 Jahren keineswegs ein unverbrauchtes Talent. "Ich denke, dass Manuel viel von uns lernen kann", sagt Ralf Rochigiani dennoch. Erstmals steht er gemeinsam mit seinem Bruder in der Ringecke. Offiziell ist er der Co-Trainer. Während des Sparrings treten die Brüder jedoch gleichberechtigt auf, eine Hierarchie ist nicht zu erkennen. "Wir wechseln uns eigentlich ständig ab. Wir kennen uns mittlerweile so gut, da weiß der eine, was der andere denkt", sagt Graciano und tätschelt dabei augenzwinkernd die Hand seines Bruders.

Gemeinsam haben sie nun einiges vor mit ihrem Boxer. Gegen den Ukrainer Taras Bidenko verteidigt Charr am Freitag in Köln den International Silver Belt des WBC - eine sportlich zweitklassige Veranstaltung. Doch es soll nur der Anfang sein, noch Ende des Jahres könnte ein WM-Kampf folgen. "Wir glauben, dass Manuel bald einen der großen Titel gewinnen kann. Deshalb machen wir das Ganze", bekräftigt Graciano.

Denn frisches Blut, so die Rocchigianis, habe das Schwergewichtsboxen dringend nötig. "Es ist sehr langweilig geworden in den letzten Jahren, die Amerikaner schicken auch nur noch Fallobst", sagt "Rocky". Das Fernziel ist daher die ganz große Bühne: ein Fight gegen einen der Klitschkos. "Manuel ist ein ganz anderes Kaliber als die Pfeifen, die die Klitschkos in den letzten Jahren geboxt haben", sagte Graciano der Berliner Morgenpost. "Er kann zuschlagen wie eine Abrissbirne", fügte Bruder Ralf hinzu. Viel Vorfreude schwingt in ihren Worten mit. Man darf gespannt sein.

Quelle: sid
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