Herausforderer sind Mangelware: Den Klitschkos gehen die Gegner aus
VON DENIS CANALP - zuletzt aktualisiert: 29.09.2009 - 07:07Düsseldorf (RPO). Witali Klitschko hat am Wochenende erfolgreich seinen WBC-Weltmeister-Titel im Schwergewicht verteidigt. Gegner Chris Arreola wurde vom 38 Jahre alten Ukrainer dabei windelweich geprügelt und zeigte ein grundsätzliches Problem des Boxsports ganz deutlich: Die Klitschko-Brüder sind derzeit konkurrenzlos.
Beim Boxen gibt es nicht nur einen Weltmeister, sondern gleich vier Verbände, die den Besten seiner Gewichtsklasse ausrufen. Drei der vier WM-Gürtel sind im Besitz der Familie Klitschko. Witalis jüngerer Bruder Wladimir ist Titelträger der Verbände IBF und WBO - nur der WBA-Titel fehlt den Doktoren Eisenfaust und Steelhammer, mit diesem Gürtel schmückt sich Nikolai Walujew, der russische Riese.
Ist Walujew ein echter Gegner?
Doch selbst beim 2,13 Meter langen und 140 Kilogramm schweren Walujew zweifeln zahlreiche Experten, ob er den Klitschkos Paroli bieten könnte. Und das, obwohl "The Russian Giant", so sein Kampfname, von 52 Profikämpfen 50 gewann. Seine einzige Niederlage kassierte der 36-Jährige im April 2007 gegen Ruslan Chagaev nach Punkten. Kritiker werfen Walujew vor, zu langsam zu sein und für sein Gewicht nur über eine mittelmäßige Schlagkraft zu verfügen.
Walujew bekommt bereits am 7. November die Gelegenheit, seine Kritiker vom Gegenteil zu überzeugen. Dann kämpft er in Nürnberg gegen David Haye. Der Brite sollte ursprünglich im Juni auf Schalke einen WM-Fight gegen Wladimir Klitschko bestreiten, zog sich aber im Training eine Rückenverletzung zu. Nun greift der 28-Jährige erstmals nach der Krone im Schwergewicht.
Der Sieger wird ein Fall für Klitschko - für welchen der beiden ist dabei noch unklar. Doch Haye ließ zuletzt bereits schon einen Kampf gegen Witali aus fadenscheinigen Gründen platzen. Kneift er etwa vor den Klitschkos?
Für Haye sprang im Juni Chagaev ein und gab in der neunten Runde gegen Wladimir auf. Damit ist ein weiterer möglicher Kontrahent schon aus dem Rennen, zumal der Kampf so eindeutig verlief, dass sich das Geschrei nach einem Rückkampf merklich in Grenzen hielt.
US-Nachwuchsproblem
Und wer kommt für Titelkämpfe gegen die Klitschkos überhaupt noch in Frage? Die Schwergewicht-Szene lechzt nach einem neuen, starken Mann aus den USA, doch der Markt gibt diesbezüglich nicht viel her. Chris Arreola hatte vor dem Fight gegen Witali eine makellose Bilanz vorzuweisen, doch im Ring nicht den Hauch einer Chance. Das dürfte den anderen Kandidaten wie Eddie Chambers oder Kevin Johnson nicht anders gehen.
Auch den russischen Kämpfern Alexander Powetkin, Denis Boytsov sowie dem Ukrainer Alexander Dimitrenko wird derzeit nicht zugetraut, in die Vorherrschaft der Klitschkos im Schwergewicht einzufringen. Der "Königsklasse" des Boxsports droht weiter die große Langeweile. Ein Zustand, an dem die Klitschkos wahrscheinlich nicht viel auszusetzen haben.
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