Witali Klitschko bleibt Box-Weltmeister: "Gegen einen Feigling macht es keinen Spaß"
VON HARTMUT SCHERZER - zuletzt aktualisiert: 14.12.2009 - 11:54Bern (RP). Der Box-Profi aus der Ukraine hat in Bern seinen Schwergewichts-Gürtel nach Version des Verbands WBC gegen Kevin Johnson nach Punkten verteidigt. Der Amerikaner war zwölf Runden "auf der Flucht".
Ein Torero verzweifelt, wenn den Stier das rote Tuch nicht reizt. Ähnlich frustriert war Witali Klitschko (38), als Kevin Johnson (30) zwölf Runden lang sein Heil nur in der Flucht suchte. "Gegen so einen Feigling zu boxen, macht keinen Spaß", schimpfte Trainer Fritz Sdunek. Es ging in der eiskalten Berner Eishalle immerhin um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht nach Version des WBC. Doch der amerikanische Herausforderer zeigte nicht den geringsten Ehrgeiz, Champion zu werden. Die Nummer 26 der neutralen Weltrangliste wollte nur den Schlussgong erreichen.
Kein Glanz gegen "Stinker"
"Überleben" heißt das in der Boxersprache. Gegen einen derartigen "Stinker" (Fachjargon) kann kein Champion glänzen. Das konnte selbst Muhammad Ali manchmal nicht. In Amerika wäre der kampfunwillige, nur mit Faxen provozierende Herausforderer denn auch lautstark ausgebuht worden. Die 17.000 frierenden Schweizer Zuschauer feuerten hingegen geduldig Klitschko bei seinen erfolglosen Bemühungen an, diesen Gummimann entscheidend zu treffen.
Ein noch so überlegener, aber unglücklicher Punktsieger verriet seinen ganzen Frust: "Ich bin wütend und enttäuscht, dass ich den Jungen für seine Sprüche nicht bestrafen und ausknocken konnte." Johnson hatte getönt: "Bis zur neunten Runde werde ich den hässlichen Zombie auseinandernehmen." Mit zweimal 120:108 und einmal 119:109 Punkten bewerteten die drei Punktrichter die eindeutige, aber nicht beeindruckende Dominanz Klitschkos.
"Kann den Quatsch nicht mehr hören"
Kevin Johnson stolzierte hinterher mit seiner Entourage im weißen Freizeitanzug, blauweißer Baseballmütze, goldenem Kreuz an goldener Kette vor dem Bauch und der obligatorischen Sonnenbrille zur medialen Nachbesprechung herein, als sei er der neue Champion. Der Maulheld plusterte sich erneut auf: "Kein Schwergewichtler der Welt kann mich treffen, mir wehtun. Es ist unmöglich, mich auszuknocken. Ich bin der schnellste und wendigste aller Schwergewichtler." Eine wieder aufgebrochene Verletzung am linken Ellenbogen nach der zweiten Runde schob Johnson als Entschuldigung vor. "Sonst hätte ich mit meiner scharfen Linken Witalis Gesicht noch schlimmer aufgeschlitzt." Mit einem "ich kann diesen Quatsch nicht mehr hören", beendete Klitschko-Manager Bernd Bönte die Peinlichkeit.
Worin lag nun die Schwierigkeit, für einen Volltreffer der "Eisenfaust"? Johnson, lange Arme, kurzer Hals, hielt die Innenseite des rechten Handschuhs vors Gesicht und benutzte die Faust nur zur Abwehr wie eine Fliegenklatsche. Den linken Arme legte er angewinkelt vor den Bauch und versteckte sein Kinn hinter der linken Schulter. Auf seinem permanenten Rückwärtsgang drehte sich der gewiss behende Schwergewichtler (110 Kilo, 1,91 Meter) aus der Gefahrenzone, duckte tief ab, rollte sich zusammen oder lehnte sich so weit übers Seil zurück, dass ihn auch der elf Zentimeter größere Klitschko (112 kg) da draußen nicht mehr erreichen konnte – es war ein Kampf ohne durchschlagenden Erfolg.
Der wahre Verlierer des Abends hieß Timo Hoffmann. Die so genannte "deutsche Eiche" büsste nach neun Jahren den Nimbus ein, als einziger gegen Witali Klitschko (41 Kämpfe, 39 Siege, 37 durch K.o.) nur nach Punkten verloren zu haben.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







