Boxen: Solis-Lager will Klitschko-Ära beenden
VON GIANNI COSTA - zuletzt aktualisiert: 27.01.2011 - 07:19Köln (RPO). Der Herausforderer gibt sich wirklich alle erdenkliche Mühe, besonders lässig aufzutreten. Aus den Boxen dröhnt Latino-Musik, der Text ist nicht ganz genau zu verstehen, man kann aber davon ausgehen, dass ausreichend Schimpfwörter darin vorkommen.
Um das Bild von einem wirklich coolen Typen abzurunden, trägt Boxprofi Odlanier Solis, in Kuba geboren, in Florida wohnhaft, eine schwere Goldkette um den Hals. Das Motiv irritiert allerdings ein wenig. Die Zeichentrickfigur „SpongeBob“, ein sprechender Schwamm aus dem Kinderkanal, hat er sich mit allerlei Brillanten verzieren lassen. „Ich werde Klitschko wie ein Schwamm aufsaugen“, sagt der 30-Jährige. Ein paar Meter weiter steht der Champion und lacht sich schlapp.
Vitali Klitschko, Titelträger im Schwergewicht des Verbands WBC, hat in den vergangenen Jahren schon allerlei Kampfansagen gehört. Die von Solis gehört zu den Kreativeren. Wie viel Substanz allerdings dahintersteckt, ob er tatsächlich ein ebenbürtiger Gegner am 19. März in der Kölnarena ist – man darf seine Zweifel haben.
Solis war 2004 in Athen immerhin Olympiasieger, als Amateur gehörte er zur absoluten Weltspitze. Als Profi ist er noch ungeschlagen, feierte 17 Siege in 17 Kämpfen. Freilich war darunter keiner vom Kaliber eines Klitschko, weshalb der Ukrainer auch betont: „Odlanier ist ein wirklich talentierter Typ. Aber ihm fehlt ganz einfach die Erfahrung.“
Da Klitschko aber nicht nur gegen einen Gegner im Ring, sondern besonders für eine gute Quote bei seinem Haussender RTL kämpft, versucht er lieber hervorzuheben, dass er durchaus ein enges Duell erwarte. „Das wird ganz bestimmt kein Spaziergang für mich“, sagt der 39-Jährige. „Den Weltmeistergürtel kann ich nur freiwillig abgeben. Es wird eine Schlacht, und ich werde den Ring als Sieger verlassen.“
Damit Vitali Klitschko nicht im Alleingang für markige Sprüche an diesem Nachmittag sorgen muss, melden sich die geschäftstüchtigen Promoter zu Wort. „Der Kampf wurde von Klitschko niemals gewollt“, tönt Ahmet Öhner, bei dessen Boxstall Arena Solis unter Vertrag steht. „Sie haben versucht, ihm aus dem Weg zu gehen. Es geht um viel Geld, es geht aber auch um die Angst vor der Stärke von Solis. Was hat Klitschko denn zuletzt für Gegner gehabt? Das waren alles Lachnummern.“
Bernd Bönte, Geschäftsführer der Klitschko Management Group, sieht die Sachlage naturgemäß anders und kontert knapp: „Was juckt es die Eiche, wenn der Hund dran pinkelt.“
Bleibt zu hoffen, dass den großen Tönen auch Schlagkräftiges im Ring folgen wird.
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