Box-WM: Sturm kämpft heute am Nürburgring
VON ECKHARD CZEKALLA - zuletzt aktualisiert: 11.07.2009 - 11:25Nürburgring (RP). Erst entledigt sich Boxprofi Kohren Gevor seiner Kleidung und steigt auf die Waage. Dann folgt Mittelgewichts-Weltmeister Felix Sturm (Leverkusen), den gleich fünf Mann auf die Bühne begleitet haben, zieht Jeans, T-Shirt und Strümpfe aus und begibt sich zum offiziellen Wiegen für den heutigen Titelkampf (22.30 Uhr/ZDF) der World Boxing Association (WBA). Das Gewichtslimit (72,574 Kilogramm) schaffen beide. Der Deutsch-Armenier, wiegt 72,4 Kilo, Sturm ganze 200 Gramm weniger.
Beim Foto-Termin hat es der Champion eilig. Schnell dreht er sich um, lässt Gevor zurück, dem ein Grinsen übers Gesicht huscht. Zurück im Kreis seiner Betreuer sagt der Herausforderer: "Er will ein großer Boxer sein, und dann schaut er mir nicht mal in die Augen." Möglichst böse blicken, Selbstbewusstsein demonstrieren – für dieses übliche Spielchen hat Sturm am Nürburgring nichts übrig.
Gerade mal 77 Tage nach seinem Kampf in Krefeld gegen den hoffnungslos überforderten Japaner Koji Sato setzt der Champion den Titel wieder aufs Spiel. Für Trainer Michael Timm kein Problem. "Felix konnte sofort richtig in die Vorbereitung einsteigen. Er hatte ja nur wenig Substanz verloren." Timm hat Respekt vor Gevor, der wie sein Schützling beim Hamburger Universum-Stall unter Vertrag steht, ist aber von der Klasse seines Mannes überzeugt. Zudem habe man sich, wie vor jedem Kampf, taktisch etwas Spezielles einfallen lassen.
Für Gevor, Weltranglisten-Zweiter bei der WBA und WBO, ist es die zweite WM-Chance. Im August 2007 lieferte der Fan von Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel dem Deutsch-Armenier Arthur Abraham, Champion des Verbandes IBF, einen beherzten Fight. Er führte nach Punkten, ging aber in der elften und vorletzten Runde schwer k.o. Im November 2008 meldete er sich zurück, als er Europameister Amin Asikainen (Finnland) entthronte. "In Helsinki habe ich 9000 Fans zum Schweigen gebracht", sagt er. "Das will ich wiederholen."
Dass sich Kämpfer aus seinem Boxstall gegenüberstehen, ist für Chef Klaus-Peter Kohl kein Problem. "Früher hatten wir 60, heute noch 30 Profis unter Vertrag", erklärt Kohl. "Da bleibt das gar nicht aus. Außerdem müssen wir irgendwann mal wissen, wer der Beste ist und mit wem wir planen können. Allerdings haben wir noch niemanden fallen lassen, der nach einem großen Kampf verloren hat." Auch für die Trainer ist es zwar nicht alltäglich, aber unproblematisch. "Wir werden uns bei einem Glas Wein zusammensetzen und die Sache auswerten", sagt Timm.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







