Box-WM: Sturms härtester Kampf
VON SEBASTIAN RADERMACHER - zuletzt aktualisiert: 04.09.2010 - 13:39Köln (RP). Nach fast 14 Monaten Kampfpause kehrt Felix Sturm heute (22.15 Uhr, Sat.1) in den Boxring zurück. Gegen Giovanni Lorenzo aus der Dominikanischen Republik verteidigt er seinen Weltmeistertitel des Verbandes WBA.
Der 31-Jährige strotzt nur so vor Selbstvertrauen. "Wer mich besiegen will, muss mich töten", sagt er der "Sport Bild". "Das hört sich vielleicht etwas brutal an, aber das ist meine mentale Einstellung. Wer sich mit einer Niederlage beschäftigt, hat schon ein bisschen verloren."
Verlieren ist für Sturm verboten. Denn nicht nur im Ring geht es für den Weltmeister um alles. Sturm: "Das wird der Kampf meines Lebens, weil ich erstmals in Eigenregie antrete." Hintergrund: Die Probleme mit Klaus-Peter Kohl, Chef der Universum Promotion, bei der Sturm unter Vertrag stand, waren unüberwindbar.
Der Weltmeister hatte genug von den Ungereimtheiten der Boxbranche. "Wie kann es sein, dass der Promoter Kohl mit dem Sturm-Manager Kohl die Börse aushandelt?", fragte er. Zudem sollte Sturm bei seinem letzten Kampf gegen Khoren Gevor für VIP-Tickets bezahlen. Er kündigte an, nie mehr für Universum zu boxen. Promoter Kohl pochte auf den Vertrag, der Streit landete vor Gericht.
Es gab einen Vergleich, demnach kaufte sich Sturm für rund 950.000 Euro aus seinem Kontrakt. An Boxen war in dieser Zeit nicht zu denken. Sturm ("die lange Pause habe ich gebraucht") widmete sich seiner Frau Jasmin und seinem im Oktober 2009 geborenen Sohn Mahir.
Nun vermarktet er sich erstmals selbst und tritt – unterstützt von Manager Roland Bebak – auch als sein eigener Veranstalter auf. Ähnlich (und vor allem erfolgreich) machen das seit Jahren die Schwergewichtsweltmeister Vitali und Wladimir Klitschko. Der Soloritt des Leverkuseners birgt dennoch einige finanzielle Risiken.
Sturm hat sich für 300.000 Euro ein Trainings-Gym eingerichtet, als Veranstalter muss er hohe Kosten vorstrecken – etwa die Hallenmiete oder die Börse für den Gegner. Zudem gilt der Vertrag mit dem TV-Sender Sat.1 erstmal nur für diesen einen Kampf. "Verträge werden nur erfolgsabhängig abgeschlossen, denn nur wer Marktanteile bringt, bleibt unser Partner", sagt Sat.1-Sportchef Sven Froberg dem Magazin "Box Sport".
Sturm benötigt eine gute Quote, er braucht die Zuschauer, die einen attraktiven Kampf und einen deutlichen Sieg erwarten. Mit einem Misserfolg beschäftigt sich der Weltmeister nicht: "Plan A machst du selbst, Plan B macht das Leben. Oder glauben Sie, Napoleon hätte vor Waterloo einen Plan B gehabt?"
Damit es ein erfolgreicher Abend in der Kölner Arena wird, hat Sturm einen angemessenen Gegner ausgesucht. Der 29 Jahre alte Lorenzo gewann 29 seiner 30 Profikämpfe (21 Knockouts), nur gegen den Greifswalder Sebastian Sylvester verlor er nach Punkten. Übermäßig gefürchtet ist er in der Szene aber nicht.
Für die Vorbereitung holte Sturm einer der besten, erfahrensten Trainer ins Boot: Fritz Sdunek (63). Die beiden kennen sich seit 16 Jahren, damals kämpfte Sturm noch bei den Junioren in Leverkusen, Sdunek trainierte dort die Amateure. Den Trainer, der sich ebenfalls von Universum trennte und mittlerweile nur noch Vitali Klitschko betreut, hat die Anfrage Sturms gleich gereizt. "Ich habe diese Herausforderung angenommen, weil ich bei Felix noch viel Potenzial für die Zukunft sehe", sagt Sdunek. "Fritz Sdunek meinte, er habe noch nie so einen explosiven Felix Sturm gesehen", erklärt der Weltmeister. "Ich bin bereit für meine Rückkehr."
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