Eishockey: Adler Mannheim im Sturzflug
VON GIANNI COSTA - zuletzt aktualisiert: 04.02.2010 - 16:42Mannheim (RP). Mit einem Etat von offiziell rund acht Millionen Euro ist Mannheim Spitzenreiter in der DEL. Sportlich zahlen sich die Investitionen schon lange nicht mehr aus. Seit drei Jahren schlittern die Kurpfälzer dem Erfolg hinterher.
Teal Fowler hat einen lukrativen Nebenjob sausen lassen. Der 39-Jährige sollte eigentlich im Trainerstab der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver den Aufgabenbereich Videoanalyse übernehmen. Fowler bleibt lieber in Deutschland und kämpft dort um die Weiterbeschäftigung als Chefcoach bei den Adlern Mannheim in der DEL.
"Wir haben viel zu tun", sagt der US-Amerikaner über seine Mission in der Kurpfalz. Nicht viele im Umfeld des Klubs unken, Fowler wäre besser nach Nordamerika gereist, die Aufgabe beim Rekordmeister der nationalen Liga (fünf Titel) sei ohnehin unlösbar. Er ist der siebte Verantwortliche hinter der Bande in den vergangenen sechs Jahren. Beständigkeit sieht anders aus.
Fowler ist so etwas wie der "Feuerwehrmann" des Vereins. Bereits in der vergangenen Spielzeit sprang er nach dem Rauswurf von Dave King ein. Diesmal übernahm er das Amt von Doug Mason, dem im Umgang mit den rauen Profi-Sportlern ein zu softer Umgang nachgesagt wurde. Im Eishockey ist das schon eine deftige Beleidigung.
Diesmal verpuffte der abermalige Einsatz von Fowler, neue Impulse konnte er dem lahmen Team nicht geben. Die Adler rangieren nach dem 47. Spieltag auf Platz zehn des Klassements. Mindestens den sechsten Rang muss man belegen, um sich direkt für die Play-offs zu qualifizieren. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Zuletzt kassierte Mannheim in der heimischen SAP-Arena eine 3:6-Niederlage gegen den amtierenden Branchenriesen, die Eisbären aus Berlin.
Der Klub aus der Hauptstadt dominiert seit einigen Jahren dank hervorragender Nachwuchsarbeit in Kombination mit erfahrenen Stammkräften aus der nordamerikanischen Profiliga NHL. In Mannheim hat man mit einer simplen Methode versucht, auf die Erfolge der Konkurrenz zu reagieren.
Dank großzügiger finanzieller Unterstützung von Geschäftführer Daniel Hopp, dem Sohn des Software-Milliardärs Dietmar Hopp, leisten sich die Adler den teuersten Kader der Liga. Offiziell liegt das Budget in Mannheim bei acht Millionen Euro. Die besten Akteure sollen nicht mehr als 120 000 Euro verdienen.
In der Branche sorgen solche Aussagen allerdings für ausgiebige Heiterkeit. Stürmer Nathan Robinson oder Torwart Fred Brathwaite, heißt es aus dem Umfeld, verdienen mehr als das Doppelte. "Wer zu uns kommt, dem fehlt es an nichts", sagt Adler-Manager Marcus Kuhl, 53.
"Dafür muss er nur mit dem Druck zurechtkommen." Kuhl gilt wegen diverser Fehlgriffe bei der Personalplanung als einer der Hauptverursacher der Krise und verliert zum Saisonende seinen Posten. Er wird künftig nur noch als Sportdirektor weiterbeschäftigt, ohne größere Kompetenzen.
Daniel Hopp, 29, will sich künftig nicht auf seine Rolle als Finanzier beschränken, sondern sich verstärkt ums Tagesgeschäft kümmern. "Es geht nicht nur darum, Millionen in etwas zu pumpen", sagt er. "Es geht mir um die Sache. Ich hänge an diesem Verein."
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