Tschechien - Deutschland 5:1 (1:0, 0:1, 4:0): DEB-Team schnuppert an Überraschung gegen Tschechien
zuletzt aktualisiert: 28.04.2004 - 22:30Prag (rpo). Die deutschen Eishockey-Nationalpieler haben im Vorrundenspiel gegen den haushohen Favoriten Tschechien eine klare Niederlage kassiert. Ende des zweiten Drittels hatte es noch nach einer möglichen Überraschung ausgesehen.
Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hatte den WM-Gastgeber und Topfavoriten Tschechien dabei lange ärgern können, im letzten Drittel aber dann eine Lehrstunde bekommen. Beim 1:5 (0:1, 1:0, 0:4) gegen den zehnmaligen Weltmeister hielt das Team von Bundestrainer Hans Zach die ersten zwei Abschnitte gut mit und kassierte erst im Schlussdrittel die entscheidenden Gegentore. Durch die Niederlage rutschte die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) auf Platz drei in der Vorrunden-Gruppe A ab.
Das Zach-Team, das zuletzt bei der WM 2001 im eigenen Land gegen Tschechien punktete (2:2), nimmt einen Zähler mit in die Zwischenrunde. Der Kampf um einen Viertelfinalplatz beginnt für die deutsche Mannschaft am Samstag (20.15 Uhr/bei uns im LIVE!-Ticker) gegen Österreich. Die weiteren Gegner sind am Sonntag (20.15 Uhr) Titelverteidiger Kanada und am Dienstag (16.15 Uhr) die Schweiz.
Führung kurz vor dem Drittelende
Vor 17.000 Zuschauern in der ausverkauften Sazka-Arena in Prag brachte Vaclav Prospal das tschechische Starensemble um NHL-Topverdiener Jaromir Jagr in der 19. Minute in Führung. Der Mannheimer Klaus Kathan glich 13 Minuten später mit seinem 25. Länderspieltor für die DEB-Auswahl aus. Jagr (43.), Jan Hlavac (44. ) sowie Martin Rucinsky und Jan Hejda mit einem Doppelschlag sechs Minuten vor dem Ende besiegelten im 102. Duell den 76. Sieg für den übermächtigen Nachbarn.
"Die ganze Nation will und fordert von ihnen den WM-Titel. Vielleicht wollen sie gegen uns im Vorbeigehen gewinnen", hatte Zach vorher gemutmaßt und von seinem Team gefordert: "Wir wollen Kampfgeist entgegensetzen und versuchen, ihnen den Spielfluss zu nehmen." Das Konzept ging auf, die Tschechen kamen nicht ins Spiel und brachten sich durch Strafzeiten in Bedrängnis.
Zweimal agierte die DEB-Auswahl in der Anfangsphase sogar in 5: 3-Überzahl, hatte durch Jochen Hecht (4.) und Tomas Martinec (6.) hochkarätige Torchancen, nutzte sie aber nicht. Vor allem Martinec, in Pardubitz geboren, war hochmotiviert: Sein Vater Vladimir, tschechisches Eishockey-Idol, saß auf der Tribüne. Auch für die ebenfalls in Tschechien geborenen Martin Reichel und Daniel Kunce war es kein Spiel wie jedes andere.
Frühe Auszeit
In dieser starken Anfangsphase der Deutschen nahm Tschechiens Trainer Slavomir Lener sogar eine Auszeit, um seine Startruppe aufzurütteln. Danach lief es besser für die NHL-Profis um Superstar Jagr, doch Hlavac und Radek Dvorak trafen lediglich Pfosten und Latte des deutschen Tores. Erst als Jochen Molling auf der Strafbank saß, erzielte Prospal den viel umjubelten Führungstreffer.
Im zweiten Drittel bekam Robert Müller, der für NHL-Star Olaf Kölzig im deutschen Gehäuse Tor stand, alle Hände voll zu tun. Der Krefelder machte eine ganze Reihe guter Torchancen der Tschechen zunichte, die beste von Jagr (34.).
Über den teuersten Eishockey-Spieler der Welt hatte sich Zach zuvor kritisch geäußert: "Es wird ein großer Starkult um ihn gemacht, er verdient zwar das meiste Geld, aber andere sind effektiver als er. Mit ihm waren sie noch nie Weltmeister."
Unruhe durch "Blitz"
Vor dem Spiel hatte ein Zeitungsbericht über Jan Benda für Unruhe im deutschen Lager gesorgt. Das Prager Boulevardblatt "Blitz" schrieb in seiner Mittwoch-Ausgabe, dem Nationalspieler drohe im WM-Gastgeberland die Verhaftung, weil er seiner Frau Gabriela Alimente in Höhe von umgerechnet etwa 15.000 Euro schulde. Benda, der am Mittwoch seinen 32. Geburtstag feierte, dementierte in derselben Zeitung.
Für den DEB kam die Meldung überraschend. "Wir sind ja schon ein paar Tage hier, die Polizei hat sich bei uns nicht gemeldet", erklärte DEB-Generalsekretär Franz Reindl: "Für uns ist das absolut kein Thema." Mit Benda, der von seiner Frau und Tocher Sandra getrennt lebt, habe er auch nicht darüber gesprochen, da der Russland-Legionär sich auf das Spiel konzentrieren sollte. Zach kommentierte das Thema auf seine Art: "Die Polizei begleitet uns nach wie vor zum Stadion. Sie tut uns nichts, sie beschützt uns."
STATISTIK:
Tschechien: Vokoun - Spacek, Hamrlik; Kaberle, Skoula; Hejda, Slegr; Novak - Vyborny, Straka, Jagr; Dvorak, Prospal, Rucinsky; Kraft, Prucha, Dopita; Beranek, Hlavac
Deutschland: Müller (Krefeld Pinguine/68 Länderspiele) - Lüdemann (Kölner Haie/122), Molling (Adler Mannheim/119); Benda (Bars Kasan/Russland/147), Leask (Eisbären Berlin/11); Kunce (Krefeld Pinguine/99), Renz (Kölner Haie/97); Retzer (Kassel Huskies/39) - Morczinietz (Kölner Haie/50), Ustorf (Krefeld Pinguine/87), Kathan (Adler Mannheim/111); Martinec (Adler Mannheim/36), Reichel (Frankfurt Lions/141), Greilinger (Nürnberg Ice Tigers/55); Hecht (Buffalo Sabres/56), Abstreiter (Kassel Huskies/106), Kreutzer (DEG Metro Stars/109); Lewandowski (Kölner Haie/54), Boos (Kölner Haie/58), Blank (Kölner Haie/48)
Tore: 1:0 Prospal (18:30), 1:1 Kathan (37:08), 2:1 Jagr (42: 33), 3:1 Hlavac (43:08), 4:1 Rucinsky (53:15), 5:1 Hejda (53:55)
Schiedsrichter: Dutil (Kanada)
Zuschauer: 17.000 (ausverkauft)
Strafminuten: Tschechien 16 - Deutschland 20
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







