Krefeld mit schlechtester Meisterbilanz der DEL: DEL: Vom Meister zum Gespött der Liga
zuletzt aktualisiert: 22.12.2003 - 14:34Neuss (rpo). Von der Euphorie aus dem April 2003, als die Krefeld Pinguine überraschend den DEL-Titel holten, ist acht Monate später nichts mehr zu spüren. Der Saisonverlauf des amtierenden Meisters kommt bisher einem Debakel gleich.
Im April 2003 haben die Krefeld Pinguine mit dem ersten Meistertitel seit 1952 noch ein Stück Eishockey-Geschichte geschrieben, nur knapp acht Monate später stehen die Schwarz-Gelben vor einem erneuten "Rekord" - und zwar in negativer Hinsicht: Der Klub droht als schlechtester Titelverteidiger in die zehnjährige Historie der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) einzugehen. Elf Punkte Rückstand auf einem Playoff-Platz, dazu zwei Partien mehr als der Achtplatzierte ERC Ingolstadt, und nach dem Heimspiel gegen die Hamburg Freezers am Dienstagabend sind die Krefelder aufgrund der Teilnahme am Spengler Cup zur Untätigkeit verdammt.
"Deutscher Meister, keiner weiß warum", hallte es bei der 3: 6-Niederlage der Pinguine beim rheinischen Rivalen DEG Metro Stars von den Rängen. Der Aufschwung mit dem 6:0-Erfolg am Freitagabend gegen die Mannheimer Adler war in nur 48 Stunden wieder verpufft. "Wir haben viele Geschenke verteilt", gestand Trainer Haralds Vasiljevs nach seinem dritten Spiel hinter der Bande ein. Mit der Ausbeute von drei Punkten aus drei Partien ist die Trendwende unter dem lettischen Coach nach der Entmachtung von Meistertrainer Butch Goring ausgeblieben.
So bleibt in der DEL-Tabelle nach 31 von 54 Spielen ein enttäuschender elfter Tabellenplatz. Nur einmal hatte in der DEL-Geschichte ein amtierender Meister die Playoffs verpasst. 1997 fand die Titelvergabe ohne den Neuntplatzierten Düsseldorfer EG statt. Ein Jahr zuvor war auch der EC Hedos München gescheitert, allerdings nur wegen finanziellen Probleme. Sportlich im grünen Bereich mussten die Bayern den Spielbetrieb einstellen.
Bei der misslichen Situation - auch der Zuschauerschnitt ist in Krefeld auf 3200 Fans pro Spiel gesunken - scheint der prestigeträchtige Spengler Cup in Davos zur ungünstigsten Zeit zu kommen. Doch Vasiljevs hält dagegen: "Da haben wir die Möglichkeit, etwas auszuprobieren und uns spielerisch zu verbessern."
Die Reise in die Schweiz wird der zum Sportdirektor degradierte Meistertrainer Goring erst gar nicht mitantreten. Bis 2008 besitzt der Kanadier noch einen Vertrag in Krefeld, eine Entlassung würde teuer. Erst wenn die Pinguine zweimal den Einzug in die Playoffs verpassen, könnte der Vertrag kostengünstig aufgelöst werden.
Ernüchterung in Krefeld, Ärger auch beim Spitzenreiter Eisbären Berlin: Trotz des 8:1-Kantersieges gegen Schlusslicht Wölfe Freiburg war Trainer Pierre Page sauer. Zwei neue Verletzte (Robert Leask und Denis Pederson), dazu Yvon Corriveau gesperrt - das war die Bilanz eines überharten Spiels: "So etwas kann man vielleicht in Amerika veranstalten, aber nicht hier. Einen solchen Gegner muss man nicht über den Kampf bezwingen. Das sollte auch anders gehen."
So muss der Berliner Coach in der Partie bei den Kölner Haien auf sein letztes Aufgebot zurückgreifen. Denn in Nils Anton, Ricard Persson und Jeff Tomlinson fallen weitere drei Spieler aus, und die vier "U20"-Nationalspieler im Team brauchen nach der B-WM noch eine Regenerationspause.
Bei den Freiburgern ist dagegen ein Ende der Negativserie nicht abzusehen. Mit 18 Niederlagen in Folge haben die Breisgauer den Negativrekord der Schwenninger Wild Wings aus der Vorsaison eingestellt, am Dienstag gegen die Hannover Scorpions könnte der Aufsteiger zum alleinigen "Rekordhalter" werden.
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