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Eishockey-Kolumne: Das "Blitzspiel" von Iserlohn

VON ANDRE SCHALL - zuletzt aktualisiert: 06.01.2009 - 10:18

Iserlohn/Duisburg (RPO). Das Spiel zwischen Iserlohn und Duisburg dauerte am Freitag nur 10:43 Minuten. Dann wurde das Match abgebrochen, weil sich beide Duisburger Torhüter verletzt hatten. Für die Fans eine herbe Enttäuschung, denn eine Neuansetzung ist ausgeschlossen. Gab es keine Alternative? Doch.

Mit 1:0 gewann das DEB-Team den Test gegen Ungarn.  Foto: rponline
Mit 1:0 gewann das DEB-Team den Test gegen Ungarn. Foto: rponline

Was im Stadion am Seilersee passierte, ist schnell erzählt. Sowohl Ilpo Kauhanen als auch Lukas Lang konnten beim Stand von 1:1 aufgrund von Blessuren nicht mehr eingesetzt werden. Und ohne Torwart spielt es sich schwer. Was nun?

„Die Regel sieht vor, dass sich ein Spieler hätte umziehen müssen“, so DEL-Spielbetriebsleiter Jörg von Ameln. Duisburgs Verteidiger Jean-Luc Grand-Pierre wollte sich dann auch prompt zur Verfügung stellen und in den Kasten gehen.

Aber die Duisburger Vereinsführung entschied, nicht das Risiko einer weiteren Verletzung eingehen zu wollen. Daher ließ das Tabellenschlusslicht die von Schiri Rick Looker zugestandene Pause ungenutzt verstreichen – das Match wurde abgebrochen und mit 5:0 für Iserlohn gewertet.

Las man sich am nächsten Tag durch den Blätterwald, sah man erstaunlich wenige kritische Stimmen. Viele Experten nahmen es mit Humor – nannten das Ganze ein Kuriosum. War es ja irgendwie auch. Andere Kollegen sprachen sogar davon, dass die Entscheidung zum Spielabbruch alternativlos gewesen sei.

Das sind alles Ansichten, die man natürlich vertreten kann. Jedem seine Meinung. Aber ist eine Entscheidung wirklich alternativlos, wenn eine offizielle Regel eben diese Alternative – nämlich das Umziehen eines Feldspielers - vorsieht? Wenn ich von Amelns Aussage richtig deute, hätte sich jeder Duisburger Feldspieler den Torwart-Dress überstreifen können. Muss man nicht sogar nüchtern festhalten, dass die Duisburger durch ihr Verhalten diese Regel – vorsichtig gesagt – umgangen haben?

Den Frust des Iserlohner Publikums kann ich verstehen. Wer für 60 Minuten Eishockey zahlt, will nicht nach zehn Minuten wieder gehen. Iserlohns Robert Hock sprach sogar von einer „Frechheit“.

So weit will ich nicht gehen. Doch ist es tatsächlich so, dass beispielsweise im Fußball auch ab und zu Feldspieler in den Kasten müssen, wenn der Keeper nach bereits drei Auswechslungen Rot sieht oder sich beide Torhüter verletzen. Ich erinnere mich an Hannovers Mittelfeldspieler Jan Rosenthal, der als Not-Torwart sogar einen Elfer hielt.

Nun kann man den Einwand bringen, die Verletzungsgefahr im Eishockey sei größer als im Fußball. Das mag so sein. Denn eine Hartgummischeibe mit Tempo 100 abzukriegen, ist sicher nichts Ungefährliches. Aber ist es nicht genau so richtig, dass die Schutzkleidung eines DEL-Torhüters weit besser ist als die eines Fußball-Keepers? Torwart-Verletzungen durch Schüsse erlebt man kaum noch. Meist sind es Zerrungen nach spektakulären Spagats. So was hätte Grand-Pierre sicher nicht versucht.

Nun wurde parallel von einigen argumentiert, Grand-Pierre im Duisburger Kasten hätte bestimmt 20 Gegentreffer gekriegt – und ein 1:20 sei ja Wettbewerbsverzerrung.

Aber weiß denn wirklich einer, wie sich Grand-Pierre im Tor geschlagen hätte? An ein 1:20 glaube ich nicht so ganz – zumal Iserlohns Angreifer vielleicht sogar Mitleid bekommen hätten. Aber sagen wir mal, das Match endet wirklich 1:10. Und? So fies das jetzt klingen mag: Da hat Duisburg in den vergangenen Jahren mit richtigen Torhütern schon ähnliche Pleiten kassiert.


 
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