Eishockey-Kolumne: Die Eis-Greise jagen "Sid the kid"
VON ANDRE SCHALL - zuletzt aktualisiert: 27.05.2008 - 16:43Düsseldorf (RPO). In Deutschland hat die Sommerpause längst begonnen, die WM ist ebenfalls vorbei – doch der große Showdown steht noch aus. Jenseits des großen Teichs kämpfen die Detroit Red Wings und die Pittsburgh Penguins um den Stanley Cup. Für viele ein Traumfinale, mit Sicherheit aber das packende Duell zwischen Alt und Jung.
Tennis-Star Boris Becker erklärte einst, der Centre Court von Wimbledon sei für ihn so etwas wie das zweite Wohnzimmer geworden. Der Leimener spielte damit auf die Tatsache an, dass er auf dem Hauptplatz in London serienweise ins Finale der All England Championships einzog.
Beim Endspiel um die nach Lord Stanley benannte, bedeutendste Eishockey-Trophäe der Welt sind dagegen zahlreiche Spieler aus dem aktuellen Kader der Detroit Red Wings so etwas wie Stammgäste. Im Aufgebot der Star-Truppe aus Michigan befinden sich zehn Profis, die es gemeinsam auf 23 Cup-Siege bringen.
Es ist schon eine illustre Truppe, die Detroit da aufs Eis schickt. Allen voran Chris Chelios, der trotz seiner 46 (!) Jahre immer noch nicht genug vom Pucksport hat und den Altersschnitt des Teams nahezu im Alleingang auf 32,3 Jahre anhebt.
Viele werden sich da fragen, wie es die in die Jahre gekommenen Wings – in der wohlgemerkt schnellsten Mannschaftssportart der Welt - überhaupt ins Finale schaffen konnten.
Zum einen liegt das an Erfahrung und Cleverness. Verteidiger Chelios etwa macht keinen Schritt mehr zuviel, ist aber so abgezockt, dass er es immer noch mit den besten Stürmern der Welt aufnehmen kann. Zum anderen steht da in „Hockeytown“ auch kein Söldner-Team auf dem Eis, sondern eine Truppe, bei der Charakter groß geschrieben wird.
Das beste Beispiel ist Kapitän Nicklas Lidström, immerhin auch schon schlanke 38 Lenze alt. Der schwedische Star-Defender verzichtete bei der Aushandlung eines neuen Zwei-Jahres-Vertrags auf einen dicken Batzen Geld. Begründung: Er wolle lieber, dass die freigewordenen Finanzen in die Zusammenstellung eines starken Kaders fließen, mit dem sich der Cup gewinnen ließe. Wenn das mal keine Einstellung ist.
Auf der anderen Seite die Pittsburgh Penguins. Kein Akteur der „Pens“-Mannschaft hat den Stanley Cup je in den Händen halten dürfen. Erfahrung in dieser Hinsicht also: Fehlanzeige.
Aber Pittsburgh hat etwas Anderes - ungeheures Talent. Superstar Sidney Crosby (20) wird zurecht als neuer Gretzky gefeiert, Evgeni Malkin (21) ist schlichtweg eine Granate und Jordan Staal (19) sowie Keeper Marc-André Fleury (23) gelten ebenfalls als Ausnahmespieler.
Erfahrung gegen Talent – so beschreiben die Medien das Duell. Einige wollen sogar einen „battle of generations“ erleben. Können die alten Männer „Sid the kid“ und Konsorten aufhalten? Ich behaupte einfach – sie werden noch einmal glänzen und den Cup in die Joe Louis Arena holen.
Dennoch wird Pittsburgh in den kommenden Jahren die Rolle des dominierenden Teams in der Liga für sich beanspruchen können. Die Zeichen der Zeit sprechen mittelfristig einfach für die jungen Pinguine und gegen Teams wie Detroit.
Wie sagte es Boris Becker doch gleich, als es zur „Wachablösung“ in Wimbledon kam? „Der Centre Court ist mein Wohnzimmer, aber Pete Sampras hat jetzt die Schlüssel.“
Die Pittsburgh Penguins hantieren bereits am Schloss herum...
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