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Verweigerte Dopingkontrolle: Eisbären Berlin droht Aberkennung des Titels

zuletzt aktualisiert: 22.04.2008 - 14:41

Berlin (RPO). Licht und Schatten bei den Berliner Eisbären: Nach dem Gewinn der Deutschen Eishockey-Meisterschaft werden sie am Donnerstag im Roten Rathaus empfangen. Aber viel mehr beschäftigt die Antidopingagentur NADA die verweigerte Dopingkontrolle von Florian Busch.

Der Fall Florian Busch zieht Konsequenzen nach sich.  Foto: AP, AP
Der Fall Florian Busch zieht Konsequenzen nach sich. Foto: AP, AP

Der diesjährige Pokalsieger hatte sich am Sonntag mit einem 2:1-Sieg bei den Kölner Haien zum dritten Mal in vier Jahren den Meistertitel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gesichert.

Aufsehen erregte die Meldung, dass dem frisch gebackenen Meister eventuell die Aberkennung des Titels drohe. Der 23-jährige Berliner Florian Busch, der das 2:1-Siegtor gegen Köln im vierten Spiel erzielte, hatte am 6. März eine unangemeldete Dopingkontrolle nach Ärger mit dem Kontrolleur zunächst verweigert, sie aber Stunden später nachgeholt.

Das vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) beauftragte Gremium kam zu dem Urteil, dass es sich im Fall Busch um ein Verfahrensvergehen handele. Der DEB beließ es deshalb nach der Entscheidung bei einer öffentlichen Verwarnung und verurteilte Busch zu einer Geldstrafe von 5000 Euro und 56 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Der Weltverband IIHF unterstützt die Entscheidung des DEB.

DEB-Vize Uwe Harnos sagte dem Internetportal "Sport1.de": "Eine Sperre würde ein Berufsverbot bedeuten. Doch das Gremium sah den Verstoß als nicht so schwerwiegend, um zu dem harten Mittel zu greifen. Florian Busch hat nach der ersten Verweigerung die NADA angerufen und gebeten, man möge ihm den Kontrolleur noch einmal schicken, um einen Test zu entnehmen. Da weigerte sich die NADA, weil man nur unangemeldete Tests machen ließe. Also hat der DEB den neuerlichen Test in Auftrag gegeben. Der war dann negativ."

Thomas Eichin, Geschäftsführer des Play-off-Finalisten Kölner Haie, hat dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) Naivität im Fall des Doping-Test-Verweigerers Florian Busch vom deutschen Meister Eisbären Berlin vorgeworfen. "Die haben das Thema völlig unterschätzt und gedacht, es regelt sich irgendwie.

Es war sehr naiv gedacht. Man musste kein Prophet sein, um zu wissen, dass es mit einer Geldstrafe für den Spieler nicht erledigt ist. Es ist noch lange nicht ausgestanden. Es werden sich noch viele mit dem Thema beschäftigen", sagte der 41-Jährige im Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) werde sich wehren, so Eichin, deren Kernpunkt seien nun mal unangemeldete Doping-Kontrollen: "Das kannst du nicht so lapidar erledigen, nach dem Motto: Der arme Kerl war gestresst. Das muss man anders machen, das war schlecht fürs Eishockey."

Köln habe während der Finalserie nichts Negatives gesagt, auch nicht, als Busch das Siegtor geschossen habe. Der Nationalstürmer sei spielberechtigt gewesen und habe "seinen Job erledigt". Eichin weiter: "Aber so wie der Fall gelaufen ist, so kannst du das nicht anpacken. So fahrlässig kann man mit so einem Thema nicht umgehen. Das war schädlich für das deutsche Eishockey."

Er sieht auch den Finalgegner in dieser Angelegenheit in der Verantwortung. "Doping ist ein ganz zentrales Thema im Sport. Das kannst du nicht aussitzen oder liegen lassen. Man muss offensiv mit dem Thema umgehen. Du musst dir überlegen: Wen schützt du zuerst? Normalerweise ist das der Klub", so Eichin. Manchmal müsse man Entscheidungen treffen, die wehtun.

Die nationale Antidoping-Agentur NADA reagierte scharf. Auch nach dem Titelgewinn will die NADA das Urteil des DEB gegen Busch nicht akzeptieren.

Sprecherin Ulrike Spitz sagte zu "Sport1.de": "Es handelt sich hier nach den Statuten um ein klares Dopingvergehen. Eine verweigerte Dopingprobe ist anders zu behandeln als ein verpasster Dopingtest. Eine verweigerte Dopingprobe wird wie eine positive Probe behandelt und müsste ganz klar eine zweijährige Sperre nach sich ziehen. In Sonderfällen kann man es auch bei einer einjährigen Sperre belassen."

Ulrike Spitz sieht in diesem Vorgang eine Benachteiligung von Sportlern aus anderen Sportarten, die härter bestraft würden. Durch die Intervention der NADA könnte der Fall Busch bis zum obersten Sportgericht CAS gehen und im Ernstfall nicht nur eine Bestrafung des Spielers, sondern auch seines Teams Eisbären Berlin nach sich ziehen. Die NADA wartet derzeit immer noch auf eine Urteilsbegründung des DEB. Ulrike Spitz: "Die soll auf dem Postweg sein."

Darüber wundert sich der mit dem Fall Busch beschäftigte DEB-Vize Uwe Harnos. "Die Sache ist am vergangenen Dienstag entschieden worden. Spätestens am Mittwoch oder Donnerstag war das Schreiben an die NADA raus", erklärte er gegenüber "Sport1.de".

Quelle: afp

 
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