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Eishockey-Kolumne: Holland bringt Deutschland in Not

VON ANDRE SCHALL - zuletzt aktualisiert: 13.05.2008 - 11:49

Halifax (RPO). Pleiten, Pech und Pannen: die Eishockey-WM in Kanada entwickelte sich für die deutsche Mannschaft zum Desaster. Der Eklat um den nicht spielberechtigten Jason Holland, die Verbal-Attacke von Bundestrainer Uwe Krupp gegen die eigenen Fans und schließlich die historische 1:10-Klatsche gegen Kanada – es hagelte Ohrfeigen für das deutsche Eishockey.

Bundestrainer Uwe Krupp beteuert, die private Situation hätte keinerlei Auswirkungen auf seine sportlichen Aufgaben.  Foto: KEYSTONE, AP
Bundestrainer Uwe Krupp beteuert, die private Situation hätte keinerlei Auswirkungen auf seine sportlichen Aufgaben. Foto: KEYSTONE, AP

Es ist schon unglaublich: Da setzt der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) mit Jason Holland einen Akteur ein, der überhaupt nicht aufs Eis durfte. Was die Verantwortlichen übersehen hatten: Der Deutsch-Kanadier in Diensten des ERC Ingolstadt hatte 1996 für sein Heimatland Kanada an der Junioren-Weltmeisterschaft teilgenommen.

Und nach den Statuten des Internationalen Eishockey-Verbandes (IIHF) hätte der 32-Jährige vier Jahre in Deutschland aktiv sein müssen, um für die Nationalmannschaft spielberechtigt zu sein. Holland jagt aber erst seit 2005 über deutsche Eisflächen.

Wenn man ehrlich ist, hätte Deutschland in die Abstiegsrunde gehört. Aber wie durch ein Wunder verzichtete die IIHF darauf, dem DEB-Team die Punkte aus dem gewonnenen Slowakei-Match (4:2) abzuziehen – und nannte als Begründung "außergewöhnliche Umstände". Aber welche sollen das denn sein? Entweder der Mann darf spielen oder nicht – die Statuten sind da eindeutig.

Sei es, wie es ist – Deutschland kam mit einem blauen Auge (und dank eines Riesenglücks) davon, durfte in die Zwischenrunde und hatte nichts mit dem Abstieg zu tun.

Weniger nachsichtig als der internationale Verband zeigten sich allerdings die deutschen Fans in Kanada. Auf Bannern forderten sie den Rauswurf von DEB-Generalsekretär Franz Reindl. Der nämlich hatte im Fall Holland geschlafen. Ein Fehler, den Reindl selbst als "unverzeihlich" bezeichnete. Zurücktreten wollte er aber dennoch nicht.

Nun will ich mir hier nicht anmaßen, zu beurteilen, ob Reindl für seinen schlimmen Patzer gefeuert werden muss. Mit Sicherheit sagen kann ich aber, dass er nicht gerade Argumente für eine baldige Vertragsverlängerung geliefert hat.

Was ich mich tatsächlich fragen muss, ist Folgendes: Müsste ich als DEB-Generalsekretär einen Spieler wie Holland nicht einmal ganz beiläufig (vielleicht bei Kaffee und Kuchen) darauf ansprechen, ob er schon mal für Kanada gespielt hat? Ich meine, der ist schließlich Deutsch-Kanadier – so ganz unmöglich ist das also nicht.

Was die ganze Sache noch schlimmer machte, war die Reaktion von Uwe Krupp auf die (nun wirklich nicht unberechtigte) Kritik der deutschen Anhänger. "Wenn uns die Fans nicht unterstützen wollen, sollen sie das nächste Flugzeug nach Hause nehmen. Es gehen jeden Tag drei, vier Flüge", wetterte der frühere NHL-Star.

Trotz allem Verständnis für hochkochende Emotionen – Krupps Worte waren am Rande der Unverschämtheit. Das sah der Bundestrainer dann später wohl auch selbst ein, entschuldigte seine Aussage als "zu pauschal" und lobte die DEB-Anhänger ausdrücklich.

Wiedergutmachung auf dem Eis konnten seine Mannen kurz darauf aber nicht leisten. Gegen Kanada gingen die Kufencracks mit 1:10 unter – es war die höchste Pleite seit 22 Jahren. Während des Spiels musste ich vor allem über die Aussage eines TV-Kommentators schmunzeln, der beim Stand von 0:5 meinte, die Gegentore hätten das "deutsche Team ein wenig aus der Partie gebracht". Wenn es im zweiten Drittel schon 0:5 heißt – war man dann überhaupt mal im Spiel drin?

Durch das Debakel gegen Kanada war dann auch das letzte Zwischenrunden-Match gegen Lettland für die Krupp-Schützlinge bedeutungslos. Die deutsche Mannschaft musste die Heimreise antreten. Diese WM sollten auch die Spieler mal ganz schnell vergessen.


 
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