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Rekordkulisse beim "Winter Game": Ice Tigers siegen nach Eishockey-Krimi 4:3

zuletzt aktualisiert: 05.01.2013 - 20:00

Nürnberg (RPO). Es nieselte leicht in Nürnberg. Ein Scheibenwischer wäre also nicht schlecht gewesen, zumindest für jene Spieler, die ein Plexiglas-Visier an ihrem Helm tragen. Und wer sich als einer von 50.000 Zuschauern aufgemacht hatte, um das Winter Game zu sehen, dieses Eishockey-Spiel unter freiem Himmel, der hatte oder hätte gut daran getan, ein Fernglas dabei zu haben - die Eisfläche, mitten auf dem Rasen des Stadions aufgebaut, war ziemlich weit weg, und der Durchmessers des Pucks ist nun mal nur 7,62 Zentimeter.

Immerhin war das vor allem ab dem zweiten Drittel zunehmend spektakulärere Spiel zeitgleich auch auf den zwei großen Videotafeln im Stadion zu sehen - und damit auch die entscheidenden Szenen beim verdienten Sieg der Nürnberg Ice Tigers gegen den deutschen Meister Eisbären Berlin. Mit 4:3 (0:0, 1:1, 3:2) gewannen die Gastgeber. Die Ice Tigers haben kaum Zeit zum Feiern: Sie spielen am Sonntag gegen die Adler Mannheim - dann allerdings in der nur 50 Meter Luftlinie entfernten Eishalle.

Connor James hatte Nürnberg, das im torlosen ersten Drittel noch weniger Torschüsse, allerdings die klareren Chancen verzeichnete, im zweiten Drittel in Überzahl in Führung gebracht (33.), Florian Busch zwei Sekunden vor Ende des Spielabschnitts ausgeglichen (40.). Nur 27 Sekunden nach der abermaligen Nürnberger Führung durch Tim Schüle (43.) sorgte Berlins Kapitän Andre Rankel wieder für den Gleichstand (43.). Dann aber setzte Nürnberg nach - 3:2 durch Patrick Reimer (47.), 4:2 durch Jason Jaspers (54.). Berlin kam durch T.J. Mulock (60.) nur noch zum Anschluss.

"Das war richtig geil und hat riesigen Spaß gemacht. Auch wenn das Wetter nicht ganz gestimmt hat", sagte Torschütze Schüle. Sein Trainer Bengt-Ake Gustafsson meinte: "Nach dem Spiel kann ich die Stimmung genießen, während des Spiels war ich zu fokussiert. Letztlich gibt es für diesen Sieg aber auch nur drei Punkte."

Neuer Rekord

Die 50.000 Zuschauer sorgten wie angekündigt für einen neuen Rekord in Europa für ein Liga-Freiluftspiel. Die bisherige Bestmarke von 36.644 Besuchern war am 5. Februar 2011 aufgestellt worden, als sich im Olympiastadion von Helsinki die Lokalrivalen Jokerit und IFK gegenüberstanden hatten (3:4). Den Europarekord für ein Freiluftspiel hält die WM-Begegnung zwischen der UdSSR und Schweden vom 5. März 1957, 50.000 bis 55.000 Zuschauer waren damals im Luschniki-Stadion von Moskau - die Angaben schwanken.

So sehr sich die Spieler auf ihren Auftritt vor der gewaltigen Kulisse gefreut hatten, so sehr hatten sie auch mit den Bedingungen zu kämpfen. Der anhaltende Nieselregen setzte sich auf den Visieren fest, er machte vor allem auch die Oberfläche des sieben Zentimeter dicken, von drei Kleinlaster-großen Maschinen auf minus zehn Grad heruntergekühlte Eis sehr stumpft. Der Puck blieb nicht so gut wie sonst am Schläger "kleben", er rutschte nicht so gut wie gewohnt über das Eis, manchmal holperte er.

Immerhin sah das Winter Game tatsächlich aus wie ein Game im Winter: Die Veranstalter hatten die geniale Idee, den Innenraum des Stadions, das ja auch eine Laufbahn hat, noch vollständig mit 16.000 Quadratmeter weißem Teppich auszulegen. Eine perfekte Illusion, denn es sah so aus, als sei über Nacht noch kräftig Schnee gefallen. Und so stellte sich ein Gefühl von Winter ein, obwohl ja gar kein Winter war. Was nichts daran änderte, dass die Zuschauer im Unterrang viel Fantasie mitbringen musste, um das Spielgeschehen zu erahnen.

Das Winter Game war, rein statistisch gesehen, ein Spiel des 26. Spieltags der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), doch ein Blick auf die vollen Ränge des Stadions ließ einen glauben, es handele sich da um ein Turnier aller Mannschaften in Deutschland. Kaum ein Verein, der nicht mit einem Trikot vertreten war, egal, ob Bad Tölz, Passau oder Naila, Solingen oder Wolfsburg. Den größten Gästeblock bildeten die Berliner. Rund 7000 Fans der Eisbären hatten sich auf die Reise ins 450 Kilometer entfernte Nürnberg gemacht. Imposant.

Quelle: sid/anch

 
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