Eishockey-Kolumne: Sean Avery – der letzte "Sympathieträger"
VON ANDRE SCHALL - zuletzt aktualisiert: 09.12.2008 - 07:04Dallas (RPO). Sean Avery ist kein schlechter Eishockeyspieler. Und er hat Geschmack bei Frauen. Damit ist allerdings schon alles Positive über den Stürmer der Dallas Stars gesagt. Denn wenn das „enfant terrible“ der NHL nicht gerade mit unsportlichem Verhalten auf dem Eis auffällt, beleidigt er seine Ex-Freundinnen.
Nun ist der frühere Angreifer der New York Rangers für sechs Spiele von der Liga suspendiert worden – wegen einer Affäre, die in den USA für mächtig Aufruhr sorgte. War Avery schon vorher einer der unbeliebtesten Akteure der Liga – so führt er dieses Ranking nun unangefochten an.
Beim Gastspiel der Stars in Calgary orderte der Angreifer den Kameramann für ein Interview heran und sagte: „Ich liebe es in Kanada zu sein. Aber ich muss mal sagen, es scheint in der NHL eine gewöhnliche Sache geworden zu sein, dass Spieler meine schlampigen Ex-Freundinnen daten.“ (Für alle, die das nicht glauben möchten, das Video gibt es hier.)
Nun muss man wissen, dass eine von Averys Verflossenen Schauspielerin Elisha Cuthbert ist. Deutsche TV-Zuschauer kennen die attraktive Blondine als Jack Bauers Tochter Kim aus der Hit-Serie „24“. Pikanterweise ist Cuthbert momentan mit dem Kanadier Dion Phaneuf zusammen – Star-Verteidiger der Calgary Flames.
Zudem war Eis-Rüpel Avery auch schon mit Model Rachel Hunter liiert, die nun eine Beziehung mit Jarret Stoll (kanadischer Abwehrspieler der LA Kings) führt.
Mal ganz ehrlich, was denkt sich Avery bei solchen Kommentaren? Ein Image als „bad guy“ ist ja schön und gut, aber will er eigentlich gehasst werden? Viele andere Männer würden auf die Knie fallen, um Gott zu danken, dass sie ein Date mit den Damen Cuthbert oder Hunter hatten. Avery beschimpft beide dagegen vor laufender Kamera als Schlampen. Stil? Fehlanzeige. Und was hatte das alles mit dem Spiel der Stars in Calgary zu tun?
Es ist nicht das erste Mal, dass Avery negativ auffällt. Brutale Fouls, üble Verbal-Aussetzer – der Stürmer ist als „Sympathieträger“ berüchtigt. Höhepunkt war sein schon legendärer Auftritt mit den New York Rangers während der vergangenen Play-offs. In der Serie gegen die New Jersey Devils leistete sich Avery etwas nahezu Unglaubliches.
Bei einer 5:3-Überzahl postierte sich das Raubein mit dem Rücken zum Spielgeschehen vor Devils-Torhüter Martin Brodeur und wedelte wild mit dem Stock herum, um den Goalie zu irritieren. Sogar als sein Teamkollege Chris Drury heranfuhr, um Avery von seiner Aktion abzuhalten, reagierte der nicht (das Video sehen Sie hier).
Gegen ein solches Verhalten gab es nicht mal eine Regel – denn bislang hatte sich kein Eishockeyspieler auf der Welt etwas Derartiges getraut. Der ungeschriebene Kodex besagte einfach: „So was macht man nicht. Das weiß man.“ Nur Avery offenbar nicht. Einen Tag später besserte die Liga ihre Statuten nach, nun bekäme der Angreifer für sein unsportliches Vorgehen eine Strafe. Die neue Regel wird auch „Avery rule“ genannt.
Das Witzige ist, dass sich der Übeltäter nach seinem jüngsten Aussetzer nun bereiterklärte, ein Training zu absolvieren, um seinen Ärger in den Griff zu bekommen. Wer sich das Interview aber anschaut, kann sich davon überzeugen, dass Avery kein Stück aufgebracht war. Der Stürmer grinste sich sogar einen, als er zum Rundumschlag ausholte.
Es gibt genügend Spieler, die auf ihre Chance in der NHL hoffen. Leute wie Avery braucht kein Mensch. Unzählige Male hat der Stürmer nun bewiesen, dass er eine Lernfähigkeit von Null besitzt. Und eine Vorbildfunktion als Sportler wird er wohl nie einnehmen.
Wenn es eine Woche lang kein anderes NHL-Thema gibt als den Aussetzer dieses Typen, dann schadet das auch dem Eishockey. Das wurde nämlich auch noch gespielt. Und gar nicht mal schlecht.
Dallas sollte mal schwer darüber nachdenken, den Vier-Jahres-Vertrag mit Sean Avery aufzulösen. Eines ist sicher: Vermissen würde den auf nordamerikanischen Eisflächen niemand.
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