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Eishockey-Kolumne: Unverständlich, ungenießbar, unabsteigbar

VON ANDRE SCHALL - zuletzt aktualisiert: 05.05.2009 - 07:57

Bern/Düsseldorf (RPO). Zugegeben, so ganz nach Plan ist die WM in der Schweiz für unsere Jungs nicht gelaufen. In nur einem Turnier gegen die drei Eishockey-„Großmächte“ Frankreich, Dänemark und Österreich zu verlieren, ist schon eine Leistung. Abgestiegen wird trotzdem nicht, der Gastgeber-Joker 2010 rettet die Mannen von Coach Uwe Krupp. Kein Grund zur Traurigkeit also? Beinahe.

Uwe Krupp bleibt Nationaltrainer.  Foto: KEYSTONE, AP
Uwe Krupp bleibt Nationaltrainer. Foto: KEYSTONE, AP

Auf anderthalb Seiten hatte ein Eishockey-Fachblatt nach der geschafften Olympia-Qualifikation noch das Konzept des deutschen Bundestrainers gelobt und erklärt, Krupp habe sich mit seinen Methoden durchgesetzt. Der Stanley-Cup-Sieger wurde gefeiert wie einst Jürgen Klinsmann bei der Fußball-WM 2006.

Nun, wer bin ich, einen Mann wie Krupp anzugreifen oder darauf hinzuweisen, was kürzlich aus dem Projekt Klinsmann wurde? Der Uwe ist eine Legende, fachlich unantastbar und ein netter Kerl (wenn er nicht gerade deutschen Fans nahelegt, das Team gefälligst zu unterstützen oder den nächsten Flieger nach Hause zu nehmen). Aber ich lehne mich sicher nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte: „Uwe, irgendetwas stimmt da nicht mit den Resultaten“.

Nach einem ordentlichen Match gegen die Schweiz (2:3 nach Verlängerung) bricht die Mannschaft plötzlich völlig auseinander, zeigt ungenießbares Puck-Geschiebe. Das 1:2 gegen Frankreich war auch noch völlig verdient, auch die Pleite gegen Dänemark ging in Ordnung. Beim peinlichen 0:1 gegen Österreich war, das sei eingeräumt, eine ziemliche Portion Pech dabei.

„Jetzt müssen wir aufwachen und unser System überdenken“, sagte nun Verteidiger Andreas Renz. Wer den „Eisen-Andi“ kennt, weiß, dass der einen Coach bislang höchstens mal kritisierte, wenn dieser zehn Minuten zu früh mit dem Training aufhörte oder der Mannschaft mal einen Tag freigab. Man merkt, dass irgendwo der Wurm drinsteckt.

Geben wir der Wahrheit die Ehre: Fast jeder andere deutsche Trainer wäre nach so einer WM weg vom Fenster, tolles Konzept hin oder her. Greg Poss hatte auch ein tolles Konzept, wollte mit Offensive begeistern. Das endete im Desaster, über Umwege folgte schließlich die Trennung vom späteren Mannheimer Meister-Trainer.

Doch Krupp ist eben Krupp. Einen fachlich besseren Coach gibt es wohl auch nicht. Aber trotz allem muss der Bundestrainer einiges hinterfragen. Ich habe etwa nie verstanden, warum er Spieler wie Patrick Reimer (in den Play-offs überragend), Tino Boos (bei dem weiß man, was man hat) oder Klaus Kathan (nicht der Schnellste, aber ein Knipser) daheim gelassen hat.

Zudem hat Krupps standing bei den Fans sehr gelitten, seitdem er diese bei der Vorjahres-WM in Kanada scharf attackierte. In Bern wurde der Nationalcoach von eigenen Anhängern sogar mit Bier übergossen – an einen ähnlichen Vorfall kann ich mich offen gesagt nicht erinnern.

Aber trotz all dieser Negativ-Schlagzeilen - ein deutsches Highlight gab es bei der WM: DSF-Experte Rick Goldmann. Der ließ während des Spiels gegen Frankreich eine verbale Perle los, die meiner Meinung nach das Zeug zum Evergreen hat.

"Die Franzosen sind in Unterzahl nicht so komplett", meinte der Ex-Profi. Über diese Weisheit denken wir jetzt mal eine Woche angestrengt nach.


 
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