Eishockey-Kolumne: Wenn der Westen im Osten liegt
VON ANDRE SCHALL - zuletzt aktualisiert: 19.05.2009 - 10:13Düsseldorf (RPO). Detroit gegen Chicago lautet die NHL-Finalpaarung in der Western Conference. Ein Blick auf die US-Landkarte regt da zum Schmunzeln an. Denn beide Städte liegen nur rund 800 Kilometer von der Ostküste entfernt, bis zur Westküste sind es dagegen über 3000. Amüsieren kann man sich übrigens auch über die Wechselspiele in der DEL.
Nehmen wir Nathan Robinson, Stürmerstar der Eisbären Berlin. Der 27-Jährige verlässt die Hauptstadt nach zwei Jahren, weil er eine "neue Herausforderung" bei den Mannheimer Adlern sucht. Klingt logisch. Ist es aber nicht.
So "neu" kann die Herausforderung nicht sein, schließlich kam Robinson aus (Trommelwirbel... ) Mannheim (das Trommelgeräusch klingt langsam ab...) zu den Eisbären. "Neu" ist vielleicht die Zahl auf Robinsons Gehaltsscheck, der bei den von SAP gesponserten Adlern der Sage nach recht pünktlich kommt.
Ich warte ja mal auf einen Spieler, der sich vors Mikrofon stellt und ehrlich erklärt "Ich mag beide Städte, aber am Ende haben die Moneten entschieden." So wie in dem Film "Vier Fäuste gegen Rio", wenn Bud Spencer und Terence Hill in aller Ausführlichkeit erklärt bekommen, welche Aufgaben sie als Doppelgänger zweier Milliardäre haben. Spencer unterbricht gelangweilt und sagt: "Ja, ja, aber was is midde Kohlen", woraufhin Hill beipflichtet: "Ja, das interessiert".
Auch der Wechsel von Igor Pavlov zu den Kölner Haien mutet einen klitzekleinen Tick bizarr an. Ich fasse kurz zusammen: Der Coach hatte noch einen Vertrag in Krefeld, bat aber darum, vorzeitig gehen zu können. Pavlov wollte in der finanzstarken KHL-Liga anheuern. Aufgrund mysteriöser Umstände platzte ein Engagement des Russen dort allerdings.
Krefeld wollte Pavlov dann aber nicht mehr zurück, hatte sich auf dem Trainerposten schon für Martin Jiranek entschieden. Pavlov wechselte letztendlich nach Köln und bezeichnet die Haie nun als "Traumverein" und "Top-Adresse". Und das nach einer Saison, in der die Domstädter Vorletzter wurden und aufgrund eines Finanzlochs zum Sparen gezwungen sind.
Aber kurz zurück nach Nordamerika, diesmal "wirklich" in den Osten: Nach einer tollen Serie gegen Washington trifft Pittsburgh dort im Conference-Finale auf Carolina mit unserem deutschen Verteidiger Dennis Seidenberg (der ging einst übrigens von Mannheim in die NHL, DAS kann man tatsächlich eine "neue Herausforderung" nennen).
Pittsburgh ist mit seinen Superstars Sidney Crosby und Evgeni Malkin eigentlich favorisiert, nur gibt es für die Penguins ein Problem: Carolinas Keeper Cam Ward. Der hat in seiner NHL-Karriere noch keine (!!!) Play-off-Serie verloren. Tja, Pittsburgh - da bahnt sich wohl eine "neue Herausforderung" an.
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