Hamburg setzt auf Erfahrung von elf Meistern: Eishockey: Eisbären Berlin kämpfen gegen Halbfinal-Trauma
zuletzt aktualisiert: 24.03.2004 - 14:50Neuss (rpo). Am Freitag starten die Halbinal-Playoffs in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Dabei kämpfen die Berliner Eisbären gegen ihr Halbfinal-Trauma und Außenseiter ERC Ingolstadt will das Kunststück nachmachen, das vor Jahresfrist den Krefelder Pinguinen gelang. Um das zweite Endspielticket streiten die Hamburg Freezers und die Frankfurt Lions.
"Wir sind mental stärker, wir haben aus den Erfahrungen des letzten Jahres gelernt", behauptet Eisbären-Trainer Pierre Page vor dem ersten Halbfinale am Freitag (19.30 Uhr) gegen die Oberbayern. Im Vorjahr war der Topfavorit in der Vorschlussrunde am krassen Außenseiter und späteren Meister Krefeld Pinguine gescheitert und hatte zum dritten Mal in vier Anläufen den Sprung in die Endspielserie verpasst.
"Werden harten Beton anrühren"
Der Tabellensiebte Ingolstadt, der im Viertelfinale Mitfavorit Nürnberg Ice Tigers ausschaltete, will das Krefelder Kunststück wiederholen. Stürmer Günter Oswald, vor einem Jahr noch mit den Pinguinen Meister, warnt die Berliner: "Wir haben eine sehr starke Defensive und einen überragenden Torwart. Wir werden wieder harten Beton anrühren."
Die Mauertaktik der Bayern fürchtet auch Page, der in Berlin modernes Offensiv-Eishockey predigt. "Sie spielen sehr, sehr defensiv", sagt der Kanadier: "Viel wird vom Schiedsrichter abhängen, denn Ingolstadt agiert viel mit Halten und Haken." Wie im Vorjahr aus dem Rhythmus bringen lassen wollen sich die Eisbären diesmal auf keinen Fall. Das einfache Rezept: "Wir befassen uns überhaupt nicht mit dem Gegner. Wir schauen nur auf uns", sagt Stürmer David Roberts: "Das ist der Unterschied zum letzten Jahr."
Gegen die Berliner Torfabrik setzt der Außenseiter, wie die Eisbären in Bestbesetzung, wieder auf seinen Goalie Jimmy Waite, der gegen Nürnberg überragende Leistungen bot. "Waite-klasse" ist in Ingolstadt seit der Viertelfinalserie zum Schlagwort geworden. "Er ist das Herzstück der Mannschaft", lobt Oswald: "Ein guter Torwart ist in den Playoffs unglaublich wichtig."
Wie in Ingolstadt, wo die 4681 Karten für das Heimspiel am Sonntag innerhalb von 90 Minuten verkauft waren, herrscht auch in Hamburg Eishockey-Euphorie. Zum Halbfinal-Auftakt am Freitag (19.30 Uhr/live bei Premiere) gegen Frankfurt erwarten die Freezers zum 17. Mal in dieser Saison eine mit 12.759 Zuschauern ausverkaufte ColorLine Arena - und eine weitere Brutto-Einnahme von knapp einer halben Million Euro.
Minus schon fast ausgeglichen
Durch den Halbfinaleinzug ist das ursprünglich erwartete Saisonminus von 700.000 Euro schon fast ausgeglichen, der Sprung ins Finale könnte den Hamburgern sogar ein kleines Plus bescheren. Die Runde der letzten Vier soll für die Hanseaten ohnehin nur Durchgangsstation sein. "Wir wollen den Titel", sagt der Ex-Frankfurter Robert Francz.
Und Geschäftsführer Boris Capla ergänzt: "Die Playoffs sind wie eine Bergbesteigung. Wir haben erst das erste Basislager erreicht." Der Vorrundendritte setzt vor allem auf die geballte Playoff-Erfahrung in den eigenen Reihen. Gleich elf Spieler waren schon deutscher Meister. Einzig Wayne Hynes fehlt wegen eines Innenbandrisses.
"Die Freezers haben die ausgebuffteste Truppe der DEL, noch erfahrener als die Eisbären", meint auch Frankfurts Manager Lance Nethery und warnt seine "Löwen" vor allem vor Verteidiger Peacock, der schon fünf Tore auf dem Konto hat: "Er hat in den Playoffs immer seine beste Zeit." Sein Team sieht der frühere Mannheimer Meistermacher in der Außenseiterrolle: "In Hamburg erwartet jeder den Endspieleinzug, wir hoffen nur darauf."
Ersetzen müssen die Hessen Nationalspieler Martin Reichel, der mit einer schweren Schulterprellung ausfällt und möglicherweise auch auf die Teilnahme an der WM in Tschechien verzichten muss. Auch Verteidiger Daniel Peters fehlt mit Jochbein- und Nasenbeinbruch.
Eisbären Berlin (1. nach der Vorrunde):
6. Playoff-Teilnahme nach 1996/97 (Halbfinale), 1997/98 (Finale), 1998/99 (Halbfinale), 2001/02 (Viertelfinale), 2002/03 (Halbfinale)
Playoff-Spiele gegen ERC Ingolstadt: 0
Playoff-Spiele insgesamt: 43 (25 Siege - 18 Niederlagen)
Hamburg Freezers (3./früher München Barons):
5. Playoff-Teilnahme nach 1999/2000 (Meister), 2000/01 (Finale), 2001/02 (Halbfinale), 2002/03 (Viertelfinale)
Playoff-Spiele gegen Frankfurt Lions: 5 (3 - 2)
Playoff-Spiele insgesamt: 43 (26 - 17)
Deutscher Meister: 2000
Frankfurt Lions (5.):
10. Playoff-Teilnahme nach 1987/88 (Viertelfinale), 1988/89 (Viertelfinale), 1989/90 (Viertelfinale), 1990/91 (Viertelfinale), 1994/95 (Achtelfinale), 1995/96 (Achtelfinale), 1997/98 (Halbfinale), 1998/1999 (Halbfinale), 1999/2000 (Viertelfinale)
Playoff-Spiele gegen Hamburg Freezers: 5 (2 - 3)
Playoff-Spiele insgesamt: 47 (14 - 33)
ERC Ingolstadt (7.):
1. Playoff-Teilnahme
Playoff-Spiele gegen Eisbären Berlin: 0
Playoff-Spiele insgesamt: 6 (4 - 2)
Anmerkung: In der Playoff-Statistik sind auch die Platzierungs- bzw. Zwischenrundenspiele erfasst.
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