Streit im Eishockey: Haie-Coach schießt gegen Krupp
zuletzt aktualisiert: 28.08.2007 - 12:43Neuss/Karlsbad (RPO). Acht Monate vor der WM in Kanada bittet Bundestrainer Uwe Krupp kurz vor dem Saisonstart bereits zum ersten Härtetest - und erntet dafür Kritik aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). "Das macht keinen Sinn", meckerte Coach Doug Mason von den Kölner Haien.
Mit den beiden Länderspielen beim elfmaligen Weltmeister Tschechien startet die Nationalmannschaft am Mittwoch und Donnerstag (jeweils 17.30 Uhr) mitten in der heißen Vorbereitung der DEL-Klubs in die Saison.
"Wir brauchen diese Spiele gegen die Topnationen, um uns weiterzuentwickeln", konterte Krupp vor den Tests in Usti und Karlsbad: "Wenn wir sie nicht machen, leidet die Nationalmannschaft darunter. Wir haben ohnehin nur sehr wenig Zeit zur Vorbereitung auf die WM." Um sich mit einem der ganz Großen im Welteishockey messen zu können, hatte der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) den Termin noch vor Saisonbeginn der DEL akzeptieren müssen.
Krupp hat allerdings auch Verständnis für die Reaktion seines Kölner Kollegen. "Ich wäre als Vereinstrainer auch nicht happy", sagte der ehemalige NHL-Star, der seine Spieler bereits am Montag in Karlsbad zusammenzog und am Dienstag zwei Trainingseinheiten absolvieren ließ: "Aber ich denke, es ist für die Klubs zu verkraften, wenn die Spieler dreieinhalb Tage hier sind."
Mason: "Das ist abnormal"
Das sieht Mason anders. "Dass drei meiner Spieler für ein Trainingslager der Nationalmannschaft abgeholt werden, ist abnormal", schimpfte der Holland-Kanadier in der Bild-Zeitung: "Es ist jetzt die entscheidende Vorbereitungsphase auf die Saison für uns. Die Spieler müssen das System lernen. Jetzt fehlen sie mir gleich fünf Tage. Das ist einfach Schei..."
Manager Marcus Kuhl vom deutschen Meister Adler Mannheim, der gar fünf Profis abstellt, ärgerte sich vor allem über die kurzfristige Vorverlegung der Testspiele: "Zunächst sollte Samstag und Sonntag gespielt werden. Darauf haben wir unsere Termine abgestimmt. Jetzt ist alles total durcheinandergeraten." Auch Manager Stefan Wagner vom ERC Ingolstadt, dem drei Spieler fehlen, ist nicht begeistert: "Natürlich sind wir nicht glücklich damit. Aber wir beißen die Zähne zusammen. Vielleicht kommen die Spieler ja motivierter zurück."
Besonders motiviert dürften die drei Debütanten Jason Holland (Ingolstadt), Marcel Müller (Köln) und Manuel Klinge vom Zweitligisten Kassel Huskies sein. Den Deutsch-Kanadier Holland lobt Krupp als "ganz soliden Zwei-Wege-Verteidiger", der sowohl Tore schieße als auch in der Defensive wenig Fehler mache. Müller habe in der U20 überzeugt, und Klinge bringe seit zwei Jahre starke Leistungen.
Im 24-köpfigen Kader stehen 16 Spieler, die bei der WM in Russland mit dem 2:0 gegen Tschechien für eine Sensation sorgten. Zurück melden sich Torhüter Robert Müller (Mannheim) sowie die Verteidiger Sascha Goc (Hannover) und Andreas Renz (Köln), die im Frühjahr erkrankt oder verletzt gefehlt hatten. Müller, dessen Chemotherapie nach der Entfernung eines bösartigen Hirntumors abgeschlossen ist, braucht laut Krupp vor allem Spielpraxis. Goc und Renz sind feste Größen für die WM in Quebec und Halifax (2. bis 18. Mai 2008).
Für andere Kandidaten wird es schwer, einen WM-Platz zu ergattern. "Die Namensschilder für die WM sind zwar noch nicht gedruckt, doch es ist nicht mehr viel Platz", sagte Krupp, der in Tschechien auf den erkrankten Kapitän Daniel Kreutzer (Pfeiffersches Drüsenfieber) sowie die verletzten Michael Wolf (Leistenbeschwerden) und Florian Busch (Knieverletzung) verzichten muss. Die Spieler, die in Russland Rang neun erreichten, haben beim Bundestrainer einen Bonus; selbst die Profis aus der NHL bekommen nicht mehr wie in der Vergangenheit einen Freifahrtschein: "Auch da sind einige Härtefälle dabei."
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