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Play-offs in der DEL: Köln weiter - DEG trifft auf Nürnberg

VON ANDRE SCHALL - zuletzt aktualisiert: 28.03.2007 - 12:10

Köln (RPO). Die Kölner Haie haben in der Deutschen Eishockey-Liga einen „Big Point“ gelandet und mit einem 5:1-Heimsieg über den ERC Ingolstadt das Halbfinale erreicht. Auch die Nürnberg Ice Tigers sind durch einen 3:2-Overtime-Erfolg bei den Hannover Scorpions in die Runde der letzten Vier eingezogen und bekommen es dort nun mit den DEG Metro Stars zu tun.

dave mcllwain kölner haie rpo 2005-1009 Foto: rpo, Christian Kurth
dave mcllwain kölner haie rpo 2005-1009 Foto: rpo, Christian Kurth

Anders als in den Vorjahren geht diesmal in den Play-offs kein Viertelfinale über die volle Distanz. Bereits nach Spiel sechs der „best of seven“-Serien stehen die Halbfinalteilnehmer fest. Während Vorrunden-Primus und Titelfavorit Adler Mannheim ab Sonntag auf die Kölner Haie trifft, bitten die DEG Metro Stars das Team der Nürnberg Ice Tigers zum Play-off-Tanz.

Vor 13.199 Zuschauern gewannen die Haie das sechste Duell gegen den ERC Ingolstadt erstaunlich locker mit 5:1 und zogen mit 4:2-Siegen in die Vorschlussrunde ein. Damit gelang es den Domstädtern, die in der Vergangenheit in entscheidenden Heimspielen mehr als nur einmal Nerven gezeigt hatten, den „Fluch der Kölnarena“ zu besiegen und einen echten „Big Point“ auf heimischem Eis zu verbuchen.

Patzer von Waite

Die Haie begannen allerdings nervös und ließen die erste Power-Play-Möglichkeit ungenutzt verstreichen. Erst als sich der bislang überragende Ingolstädter Torhüter Jimmy Waite einen harmlosen Schlenzer von Kölns Star-Verteidiger Stephane Julien irgendwie selbst ins eigene Tor legte, brach der Bann.

Köln spielte nun engagiert und war in den wichtigen Momenten einfach wacher als die Gäste. So auch beim 2:0, als sich zwei Ingolstädter Verteidiger in der eigenen Zone nicht einig darüber waren, wer den Puck denn aus dem Drittel befördern sollte. Daniel Rudslätt ging mit dem Schläger geistesgegenwärtig dazwischen und bugsierte die Scheibe zu seinem kongenialen Sturmpartner Ivan Ciernik.

Der Slowake fackelte nicht lange und setzte den Puck aus kürzester Distanz mit einem satten Handgelenksschuss in den linken Torwinkel. Für den Slowaken war es bereits der sechste Treffer im sechsten Play-off-Spiel – eine unglaubliche Bilanz.

Als Aaron Gavey dann in der 17. Minute hinter dem Ingolstädter Kasten ungehindert schalten und walten konnte und die Scheibe schließlich Bill Lindsay mustergültig zum 3:0 auflegte, war die Messe eigentlich schon fast gelesen. Nur bei einigen alteingesessenen Haie-Anhängern gab es noch leise Zweifel – denn die erinnerten sich an das fünfte Viertelfinalspiel 2005, als die Haie gegen Ingolstadt ebenfalls nach Durchgang eins mit 3:0 führten und die Partie am Ende noch mit 3:4 hergaben.

Die Sorgen sollten allerdings unbegründet sein. Ingolstadt kam zwar mit etwas mehr Schwung aus der Kabine, doch Haie-Goalie Adam Hauser hatte einmal mehr einen Sahne-Tag zwischen den Kölner Pfosten erwischt und machte alle Einschussmöglichkeiten der Bayern zunichte. Als Kölns „Eis-Opa“ Dave McLlwain in der 39. Minute aus dem Gewühl heraus zum 4:0 einschob, war die letzte Gegenwehr der Gäste dahin. Im Schlussdrittel sorgten der langsam aber sicher stärker werdende Aaron Gavey sowie Ingolstadts Rob Valicevic mit einem sehenswerten Schlenzer für den Endstand.

Für Ingolstadt hat damit seit gestern Abend der Sommerurlaub begonnen. Was genau kann man dem Team von Coach Ron Kennedy vorwerfen? Vielleicht die Tatsache, dass die ersten beiden Spiele zu leicht abgeschenkt und der Heimvorteil leichtfertig verspielt wurde. Oder auch, dass die Bayern in der Verlängerung von Spiel vier – dem Knackpunkt der Serie – einen Tick zu passiv spielten und mehr mit dem Versuch beschäftigt waren, kein Tor zu kassieren, als eines zu erzielen.

Dramatik pur in Hannover

Ein dramatisches Match gab es unterdessen im zweiten Viertelfinal-Showdown des Abends zu sehen. Die Nürnberg Ice Tigers setzten sich bei den Hannover Scorpions erst in der 18. Minute der Overtime mit 3:2 durch und sprangen damit erstmals seit 1999 auf den Halbfinal-Zug auf. Es war die zweitlängste Verlängerung in der DEL-Geschichte – und die längste seit Einführung der 4-4-Regel.

Hannovers Torhüter Alexander Jung werden wohl noch wochenlang Albträume von Nürnbergs Jame Pollock plagen. Der Star-Verteidiger war mit zwei Treffern einmal mehr der Mann des Abends. Im ersten Drittel hämmerte der punktbeste Defender der Vorrunde den Puck aus vollem Lauf an Jung zum 0:1 vorbei. Doch auch wenn Pollock ohne Zweifel den Schuss eines kanadischen Holzfällers besitzt – einen Puck von der blauen Linie mit freier Sicht muss Jung einfach halten.

Schon in Spiel vier der Serie hatte sich der Ex-Düsseldorfer einen dicken Patzer geleistet, als er einen Unterzahl-Befreiungsschlag Pollocks aus 40 Metern zum entscheidenden 2:3 hatte passieren lassen. Die Hannoveraner nahmen ihren Goalie damals mit dem Argument in Schutz, der Puck sei warm gewesen und daher komisch gesprungen. Auf diese Begründung angesprochen, konnte sich aber selbst Scorpions-Coach Hans Zach eine witzige Bemerkung nicht verkneifen. Hannovers Trainer-Fuchs meinte, in dem Fall habe Pollock „den Puck wohl selbst ausgebrütet“ und dann aufs Eis gelegt.

"Alpenvulkan" brodelt über

Ohnehin stand Hannovers Coach gestern im Mittelpunkt. Nach einer Abseits-Entscheidung gegen sein Team reklamierte der „Alpenvulkan“ so lautstark, dass Schiedsrichter Martin Reichert Hannover eine zweiminütige Bankstrafe aufbrummte. Zach hatte wohl übersehen, dass Sekunden zuvor bereits eine Strafe wegen Spielverzögerung gegen seinen Defender Todd Simpson ausgesprochen worden war – die anschließende 5:3-Überzahl nutzte erneut Pollock mit einem Kracher zum 2:0.

Der Vollständigkeit halber sollte erwähnt werden, dass Zach völlig Recht hatte – tatsächlich leisteten sich die Linesmen an diesem Abend drei katastrophale Abseits-Fehlentscheidungen gegen seine Mannschaft und pfiffen immer wieder aussichtsreiche Angriffe der Gastgeber zurück.

Aber Mannschaften von Hans Zach sind noch nie dafür bekannt gewesen, die Flinte leicht ins Korn zu werfen. Durch Treffer von Eric Nickulas und Oldie Brad Schlegel, für den es voraussichtlich das letzte Spiel einer großen Karriere war, glichen die leidenschaftlich nach vorne spielenden Gastgeber aus und retteten sich in die Verlängerung.

Mit einer dummen Aktion leitete dort der bis dato überragende Scorpions-Defender Sascha Goc die Niederlage seines Teams ein. Der Nationalverteidiger fuhr – zugegeben leicht bedrängt – den Nürnberger Keeper Jean-Francois Labbe über den Haufen und kassierte dafür zwei Minuten. Eine harte, aber vertretbare Entscheidung von Reichert, der kurz danach auch noch Hannovers Todd Simpson wegen Spielverzögerung in die „Kühlbox“ schickte.

Swanson schießt Ice Tigers ins Glück

Natürlich handelt es sich bei der Spielverzögerungs-Regel um eine unsägliche Sache – Tatsache ist aber, dass auch diese Strafe regelkonform war. Die anschließende doppelte Überzahl spielten die Gäste perfekt aus. Nach einer sehenswerten Puck-Stafette „stopfte“ der am langen Pfosten stehende Brian Swanson die Scheibe schließlich über die Linie und ließ die Nürnberger Jubelfeiern beginnen.

Bei Hannover dagegen saß der Schock tief (Schlegel: „In der Kabine sieht es momentan aus wie auf einem Friedhof“) und Schiedsrichter Martin Reichert musste sich einige unfreundliche, aber wohl auch unverdiente Worte anhören.

Die Nürnberger treffen nun im Halbfinale auf die DEG Metro Stars. Am Sonntag treten die Franken in der „best of five“-Serie zunächst im ISS-Dome an. Der Traum von einem Halbfinal-Derby zwischen Düsseldorf und Köln ist damit geplatzt, erst im Finale wäre das rheinische Duell theoretisch möglich.

Am Donnerstag können Sie bei RP-Online die große Halbfinal-Vorschau lesen.


 
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