Eishockey-Europacup: Lions in der Außenseiterrolle
zuletzt aktualisiert: 12.01.2005 - 13:17Frankfurt/St. Petersburg (rpo). Dem deutschen Eishockey-Meister Frankfurt Lions bleibt bei der Renaissance des Europapokals der Landesmeister ab Donnerstag nur eine Nebenrolle. Das Hauptaugenmerk in St. Petersburg gilt dem russischen Meister Avangard Omsk, der sich während des Lockouts in der nordamerikanischen Profiliga NHL mit niemand Geringerem als dem besten Eishockey-Spieler der Welt verstärkt hat.
Der Tscheche Jaromir Jagr von den New York Rangers war Ölmilliardär und Klubchef Roman Abramowitsch, dem auch Englands Fußball-Tabellenführer Chelsea London gehört, gerade gut genug. Im November unterschrieb Jagr einen Lockout-Vertrag beim russischen Meister, der mit einem Etat von mehr als 60 Millionen Euro fast so viel wie die gesamte Deutsche Eishockey-Liga (DEL/70 Millionen) zusammen pro Saison rechnet.
Klar, dass die Lions, die in der Vorrunde auf Tschechiens Titelträger HC Hame Zlin und Finnlands Primus Kärpät Oulu treffen, bei dieser Konkurrenz kleine Brötchen backen. "Wir wollen die deutsche Liga so gut wie möglich repräsentieren. Wir spielen für Frankfurt und für unsere Fans. Auf Jagr zu treffen, ist für meine Profis bestimmt nicht die erste Motivation in St. Petersburg", kommentiert Trainer Rich Chernomaz die sportliche Herausforderung auf internationalem Parkett: "Das Turnier ist für uns ein echtes Abenteuer. Immerhin bekommen wir Gelegenheit, uns mit den besten europäischen Vereinsteams zu messen."
Zukunft offen
Dass die Meister der großen Ligen des Kontinents auch künftig gegeneinander antreten, ist das Bestreben des Weltverbandes IIHF. St. Petersburg wird die kommenden drei Europapokal-Turniere ausrichten. Wie es danach weiter geht, ist noch offen. Alternativ-Modelle wie die Europaliga, die bereits im Jahr 2000 wieder eingestellt wurde, oder der Continental-Cup, der keinen Hund hinter dem Ofen vorlockt, haben sich nicht bewährt.
Frankfurts Manager Lance Nethery jedenfalls will die Dienstreise an die Newa auch zu intensiven Gesprächen mit Trainer Rich Chernomaz nutzen. Nethery erwartet von seinem 41 Jahre alten Coach, der die Lions gleich in seinem ersten Jahr zum Titel führte, eine baldige Unterschrift unter einen neuen Vertrag.
Doch Chernomaz ziert sich mehr als von Nethery offenbar angenommen. Der Trainer knüpft seinen Verbleib in Frankfurt an strategische Forderungen an Klub-Eigner Gerd Schröder - zum Beispiel die Zusage für einen Hallenneubau. "Es ist besser, diese Weichen heute und schnell und mit dem Rückenwind der Meisterschaft zu stellen. Später kann es zu spät sein, dann kommst du nie mehr hoch", warnt Chernomaz.
Auch die Weiterverpflichtung von Topscorer Pat Lebeau gehört zu den Eckpfeilern in der Zukunftsarchitektur des Trainers. Noch immer warten die Lions auf das Okay des Centers. Der hat keine Eile, und vielleicht findet er ja auch in St. Petersburg auf internationaler Ebene neue Interessenten.
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