WM-Auftakt gegen Kasachstan / Benda: "Wir sind klarer Favorit": Mit Pflichtsieg über Kasachstan zum Klassenerhalt
zuletzt aktualisiert: 23.04.2004 - 13:03Prag (rpo). Erst die Pflicht, dann die Kür: Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft will am Samstag mit einem Auftaktsieg bei der WM in Prag gegen Kasachstan den Klassenerhalt schaffen. Im Anschluss will die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) nach ihre Fans mindestens mit einem Sprung unter die letzten Acht verwöhnen.
Für Jan Benda wird es ein Wiedersehen mit guten Bekannten, für Boris Blank eine Reise in die Vergangenheit - und für Hans Zach das wichtigste Spiel der WM. "Es geht um den Klassenerhalt, und der hat alleroberste Priorität", betont der Bundestrainer vor dem Auftaktmatch am Samstag (20.15 Uhr): "Wir wollen mit aller Macht in der A-Klasse bleiben."
Mit einem Sieg gegen den Aufsteiger würde das Team ihr Minimalziel bei der 68. Weltmeisterschaft aller Voraussicht nach bereits erreichen. Nach der Pflicht soll dann wie in den vergangenen Jahren die Kür folgen. "Dann wollen wir mehr", sagt Zach, der das Wort Viertelfinale zwar nicht in den Mund nimmt, es aber umschreibt: "Wir möchten unsere Fans so verwöhnen wie in den vergangenen Jahren." Drei Mal in Folge verwöhnte die DEB-Auswahl ihre Anhänger mit dem Sprung in die Runde der letzten Acht.
Kasachstan kein Vergleich zu Japan
Der Pflichtsieg zum Auftakt wird diesmal allerdings nicht so leicht wie in den vergangenen beiden Jahren, als jeweils der "ewige Letzte" Japan erster Gegner war. "Die Kasachen sind mit den Japanern überhaupt nicht zu vergleichen", meint Stürmer Boris Blank, und der muss es besser wissen als jeder andere im deutschen Team. Denn der Kölner ist in Karaganda im heutigen Kasachstan geboren und wanderte erst mit 16 Jahren nach Deutschland aus.
Die alte Heimat besucht der 25-Jährige noch regelmäßig. "Alle zwei Jahre, meine halbe Familie lebt ja noch da." Und die drückt dem DEB-Team die Daumen. "Sie sind alle für Deutschland, weil ich für Deutschland spiele." Den ein oder anderen Spieler kennt er noch aus alten Zeiten: "Sie sind technisch gut und läuferisch stark. Man darf sie auf keinen Fall unterschätzen."
"Körpereinsatz mögen sie gar nicht"
Diese Einschätzung bestätigt auch Russland-Legionär Jan Benda, der die Leistungsträger des Aufsteigers aus der russischen Liga kennt. "Sie spielen die alte russische Schule. Wenn man sie lässt, wird es gefährlich", meint der 31-Jährige vom AK Bars Kasan und nennt auch gleich das Rezept für einen erfolgreichen WM-Start: "Körpereinsatz mögen sie gar nicht."
Übergroßer Respekt sei nicht angebracht, meint Benda: "Wir sind klarer Favorit." 70 Prozent der kasachischen WM-Spieler sei in der eigenen Liga aktiv, beim Meister Kazzinc Ust-Kamenogorsk. "Gegen die haben wir mal ein Vorbereitungsspiel gemacht, das war ein Klassenunterschied", berichtet Benda.
Kölzig braucht den Druck
Während Benda und Blank den Gegner bestens kennen, ist Kasachstan für Torhüter Olaf Kölzig der große Unbekannte. Gegen die Eishockey-Cracks aus der ehemaligen Sowjetrepublik, die gegen die DEB-Auswahl bislang immerhin zwei von vier Spielen gewannen, hat der NHL-Star noch nie gespielt. Wichtiger als der Gegner ist dem Goalie der Washington Capitals ohnehin die eigene Leistung, und die stimmte bei der 0:4-Niederlage am Mittwoch gegen die USA noch nicht.
Doch Kölzig verspricht Besserung. "Ich brauche Druck, um gute Leistungen zu bringen", sagt der 34-Jährige. Den hatte er zuletzt schon lange nicht mehr, denn seine "Caps" verpassten frühzeitig die Playoffs in der NHL. "Das war nur noch Schaulaufen." Mehr Unterstützung darf "Olie the Goalie" auch von seinen Vorderleuten erwarten. "Wir haben in der Defensive nicht so gespielt wie sonst immer", gibt Verteidiger Benda selbstkritisch zu: "Das müssen wir ändern."
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