Eishockey-WM: Deutsches Eishockey am Boden
VON GIANNI COSTA - zuletzt aktualisiert: 03.05.2009 - 20:39Bern (RP). Es mag einfachere Dinge geben, als sich nach einem sieglosen Spiel unangenehmen Fragen zu stellen. Die Akteure der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft haben immerhin ein wenig Erfahrungen sammeln können. So verkündeten sie nach dem neuerlichen Debakel gegen Österreich (0:1) in den Katakomben der Berner Allmend-Halle schon durchaus routiniert ihre Sicht der Dinge. Angreifer Michael Wolf (Iserlohn) sprach von „einer totalen Verunsicherung. Jeder schiebt die Verantwortung an den nächsten weiter.”
Für NHL-Profi Jochen Hecht (Buffalo Sabres) „ist das Ganze hier wie ein riesengroßer Albtraum, der gar nicht mehr aufhört. Wir spielen gut, schießen aber keine Tore”. Er selbst blieb auch gegen das Nachbarland weitestgehend blass seine auffälligste Szene hatte der 31-Jährige beim Gang in die Kabine, als er vor lauter Frust eine Absperrung umriss.
Die DEB-Auswahl erleidet einen Totalabsturz bei diesem Turnier. Selbst sicher geglaubte Serien reißen plötzlich. Erstmals seit 75 Jahren (1:2 in Mailand 1934) verlor Deutschland wieder ein WM-Spiel gegen Österreich. Nach fünf Niederlagen steht das Team von Bundestrainer Uwe Krupp damit als sportlicher Absteiger fest. Nicht einmal ein Drittel konnte es in den bisherigen Partien für sich entscheiden. Nur durch die Ausrichterrolle bei der WM im nächsten Jahr in Gelsenkirchen, Köln und Mannheim bleibt der Gang in die Zweitklassigkeit erspart. „Dass es so weit kommt, damit habe ich vorher nun wirklich nicht gerechnet”, sagt der Düsseldorfer Stürmer Daniel Kreutzer.
Krupp ist ebenfalls mit deutlich optimistischeren Erwartungen an sein Tagewerk in der Schweizer Hauptstadt gegangen. Doch der Trainer, der zuvor nur Nachwuchsmannschaften betreute, konnte den Negativtrend nicht stoppen. Die vergangenen Tage sind dann auch nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Zunächst fasste er seine Eindrücke in einem 33 Sekunden dauernden Vortrag zusammen. Dann stampfte er zurück in die Kabine. Erst nach einer fünfminütigen Abkühlungsphase gewährte er weiter Einblicke in sein Befinden.
„Ich habe meine Aufgabe 2005 übernommen, weil es eine große Herausforderung war”, sagt der 43-Jährige, der sein Team damals zurück in die A-Gruppe führte. „Ich glaube weiter an meine Mission. Ich glaube an meine Spieler, ich sehe in Deutschland keinen, der uns in dieser Situation hätte weiterhelfen können.” Ernste Zweifel an dieser These sind nach den abgelieferten Resultaten allerdings durchaus angebracht. Am Tiefpunkt angelangt, fordert Kapitän Andreas Renz (Köln) endlich ein Umdenken. „Wir müssen uns nichts vormachen. Das deutsche Eishockey liegt am Boden”, analysiert er. „Es muss jetzt etwas passieren. Hans Zach ist seit Jahren der Vorreiter, der auf junge Talente setzt, statt die Plätze mit ausländischen Spielern zu blockieren. Andere Klubs haben den Ernst der Lage nach wie vor nicht erkannt.”
DEB-Generalsekretär Franz Reindl will nach dem Turnier, das für Deutschland nach dem heutigen Duell mit Ungarn (12.15 Uhr/live im DSF) endgültig beendet ist, alles auf den Prüfstand stellen. „Wir stehen weiter hundertprozentig hinter der Arbeit von Uwe Krupp”, sagt er. „Wir sind von seinem Konzept absolut überzeugt. Wir müssen jetzt die Klubs aus der Liga an einen Tisch holen und mit ihnen über Lösungen reden.” Ein durchaus ehrbarer Versuch, doch geredet wurde in der Vergangenheit auch schon viel. Passiert ist dagegen nicht viel.










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