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Eishockey-WM: Endras schreibt das deutsche Märchen fort

zuletzt aktualisiert: 30.04.2011 - 12:25

Bratislava (RPO). Mit dem ersten WM-Sieg gegen Rekordweltmeister Russland hat die deutsche Nationalmannschaft Eishockey-Geschichte geschrieben. Helden waren ein alter Bekannter und ein Neuer: Torwart Dennis Endras und Torschütze Patrick Reimer.

Am Ende eines historischen Tages hatte Dennis Endras doch noch das Nachsehen. Als der deutsche Eishockey-Nationaltorwart nach seiner Weltklasseleistung beim 2:0-WM-Triumph gegen Rekordweltmeister Russland die Schachtel mit dem Präsent für den besten Spieler öffnete, stellte er überrascht fest: "Da ist ja gar nichts drin."

Teammanager Klaus Merk hatte den edlen Kugelschreiber im Wert von 300 Euro schon in Sicherheit gebracht - damit der WM-Held des letzten Jahres das deutsche Eishockey-Märchen fortschreiben kann.

2010 schon bester Spieler des Turniers

Dass Endras am Ende einer denkwürdigen Partie zum Mann des Spiels gewählt wurde, erinnerte an die grandiose Heim-WM 2010. "Ich weiß gar nicht mehr, wieviele Uhren ich damals bekommen habe", sagte der Augsburger, der vor einem Jahr zum überragenden Spieler des Turniers und beim Boulevard zum "Eis-Titan" aufstieg. Elf Monate später gab es für eine weitere Glanzleistung zwar keinen Zeitmesser mehr, sondern ein Schreibgerät. Doch alles andere war so wie vergangenes Jahr.

"Es macht unheimlich Spaß mit diesen Jungs", sagte der Augsburger, der im Sommer in die NHL wechselt, "egal ob beim Essen oder auf dem Eis." Die Begeisterung jener 17 Tage im Mai, als die deutsche Mannschaft erstmals nach 57 Jahren unter die besten Vier kam, haben Endras und Co. in dieses Jahr herüber gerettet. Mehr noch: "Wir haben eine breite Brust, wir haben gesehen, was möglich ist."

Nicht zuletzt dank Endras war sogar noch mehr möglich als 2010. Damals scheiterte die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) zweimal denkbar knapp am 25-maligen Weltmeister: mit 2:3 in der Zwischenrunde und mit 1:2 im Halbfinale - jeweils ohne den besten Torhüter des Turniers.

Diesmal stand der 25-Jährige zwischen den Pfosten und sorgte dafür, dass nach dem 1:0 durch Thomas Greilinger (25.) die vor allem im letzten Drittel immer stärker werdenden Russen das Spiel nicht mehr drehten. Statt der 38. Niederlage im 38. WM-Duell mit der Sbornaja gab es endlich den ersten Sieg.

"Wir haben vorher gesagt: Die 38 kriegen die nicht zusammen", berichtete Endras mit breitem Grinsen. Gewohnt cool beurteilte er seine eigene Leistung: "40 Minuten hatte ich einen ruhigen Arbeitstag." Dabei hatte er in den ersten beiden Abschnitten auch schon 19 Schüsse abwehren müssen. Im Schlussdrittel kamen noch einmal zwölf Paraden dazu - und nach der Sirene ein dickes Lob von Bundestrainer Uwe Krupp: "Als Torhüter braucht man besondere Fähigkeiten, nicht nur sportliche. Man muss auch mentale Stärke besitzen. Das zeichnet Dennis aus."

Im zweiten Vorrundenspiel am Sonntag (20.15 Uhr im Live-Ticker) gegen Gastgeber Slowakei gönnt Krupp Endras eine Pause, in der dritten Partie am Dienstag (16.15 Uhr im Live-Ticker) gegen Aufsteiger Slowenien soll er wieder zum Zug kommen.

Während Endras seine unglaubliche Erfolgsgeschichte einfach fortschrieb, schlug Patrick Reimer erst sein erstes Kapitel auf. Der Düsseldorfer, der in den vergangenen Jahren immer durch den Rost gefallen war, krönte sein allererstes WM-Spiel gleich mit dem entscheidenden 2:0 (58.). "Ich habe offensichtlich alles richtig gemacht", meinte der 28-Jährige schmunzelnd: "Einen schöneren Start gibt es wohl nicht."

Vor einem Jahr, als seine Kollegen die deutschen Sportfans begeisterten, saß der Torjäger noch auf der Tribüne. "Ich habe gesehen, was man mit einem klasse Teamgeist und großem Zusammenhalt alles erreichen kann." Jetzt ist der Spätberufene, seit sieben Jahren Leistungsträger der DEG, Teil dieser Mannschaft. Nicht nur als Mitläufer, sondern als einer der Sieggaranten.

Zunächst hatte er noch eine große Chance ausgelassen (29.). Dann, als es wirklich darauf ankam, schaufelte er den Puck nach einem Solo mit der Rückhand in den Winkel und entzückte damit auch Franz Reindl. "Das war sensationell, er ist voll explodiert", schwärmte der Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB): "Ihm gönne ich es besonders. Er ist immer gekommen, wenn wir ihn gerufen haben, und am Ende immer wieder nicht nominiert worden. Er hat es wirklich verdient."

Quelle: SID/rüb

 
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