WM-Auftaktsieg gegen Russland: Historischer Erfolg für DEB-Team
zuletzt aktualisiert: 29.04.2011 - 23:03Bratislava (RPO). Das deutsche Eishockey-Märchen geht mit elfmonatiger Verspätung weiter. Zum Auftakt der WM in der Slowakei feierte die Nationalmannschaft einen historischen 2:0 (0:0, 1:0, 1:0)-Sieg gegen Rekordweltmeister Russland und überbot damit noch ihre grandiose Heim-Gala im vergangenen Jahr. Nach der Schlusssirene fielen sich die Spieler in die Arme, der scheidende Bundestrainer Uwe Krupp lächelte zufrieden und auf den Rängen sangen die zahlreichen deutschen Fans: "So ein Tag, so wunderschön wie heute."
Das dachte auch Uwe Krupp: "Wir haben einen richtig guten Tag erwischt und super gespielt. Die Mannschaft genießt jetzt den Augenblick." Dann jedoch warnte der Coach: "Es ist noch ein langes Turnier, es liegt noch viel Arbeit vor uns. Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen, und dürfen uns jetzt nicht mit Lob überschütten."
Daran wollte sich sein Kapitän Michael Wolf in der Stunde des Triumphes aber nicht halten: "Wir haben durch die letzte WM Selbstvertrauen bekommen und gesehen, was möglich ist." 342 Tage nach dem unglücklichen 1:2 im Halbfinale in Köln hatte das Team eindrucksvoll Revanche genommen - und im 38. Duell den ersten deutschen WM-Erfolg gegen den 25-maligen Titelträger verbucht.
Der Ingolstädter Thomas Greilinger erzielte vor 9049 Zuschauern in der Ondrej Nepela Arena in Bratislava in der 25. Minute das Führungstor, für die Entscheidung sorgte der Düsseldorfer Patrick Reimer in der 58. Minute, der einen schnellen Alleingang erfolgreich abschloss.
Überragender Spieler im Team aber war Torhüter Dennis Endras, der die russischen Stürmer zur Verzweiflung brachte und folgerichtig nach der Partie als bester deutscher Spieler ausgezeichnet wurde. "Wir haben brutale erste zwei Drittel gespielt. Im letzten wurde es dann etwas eng, weil die Russen was machen mussten, aber dann hat Patrick zugeschlagen", sagte Endras erschöpft. "Wir geben keinen Platz zum Spielen und lassen wenig zu", nannte Greilinger das Erfolgsrezept zum denkwürdigen Erfolg gegen den einst übermächtigen Rivalen.
DEB-Sportdirektor Franz Reindl sortierte den Erfolg historisch ein: "Früher haben wir immer einen auf die Mütze bekommen, teilweise fürchterlich. Ich kann mich nur bei dieser Mannschaft bedanken, die das wieder gutgemacht hat und endlich die Russen geschlagen hat."
Den historischen Triumph kann das Krupp-Team in den nächsten Vorrundenspielen am Sonntag (20.15 Uhr/Live-Ticker) gegen den Gastgeber Slowakei und am Dienstag (16.15 Uhr/Live-Ticker) gegen Aufsteiger Slowenien veredeln. Sollte die DEB-Auswahl die Zwischenrunde erreichen, würde sie die Punkte gegen Russland mitnehmen - und hätte wieder das Viertelfinale im Visier.
"Brust raus und die Jungs über den Haufen rennen", hatte Endras vor der Halbfinal-Revanche gefordert. Seine Vorderleute, von denen 15 schon vor elf Monaten dabei gewesen waren, nahmen sich das zu Herzen. Mit viel Selbstbewusstsein und Schwung gingen sie ins Spiel, setzten die mit nur vier NHL-Profis angetretenen Russen im eigenen Drittel unter Druck und ließen so die Angriffsmaschine der "Sbornaja" gar nicht auf Touren kommen.
Mit vielen Checks brachte das Krupp-Team aber nicht nur die Russen aus dem Rhythmus. Die Aggressivität übertrug sich auch auf die Offensive. Gleich mehrmals hatte die DEB-Auswahl im ersten Drittel das Führungstor auf dem Schläger. Der Berliner Andre Rankel scheiterte zunächst mit einem Solo (7.), dann gelang es ihm nicht, den Puck über die Linie zu stochern (10.).
Die schönste Kombination des ersten Durchgangs schloss der Kölner Christoph Ullmann ebenfalls nicht erfolgreich ab - Torwart Jewgeni Nabokow parierte (11.). Gerade als die Russen das Spiel etwas besser in den Griff bekamen, fiel die Führung für den Außenseiter: Nach einem genialen Pass des Berliners Constantin Braun setzte sich Greilinger durch und überwand Nabokow.
Danach war sogar schon früher das 2:0 möglich: Bei einem Konter scheiterte Patrick Reimer nur knapp (29.). Nach der Hälfte der Spielzeit erhöhten die Russen den Druck. Doch Endras knüpfte an seine überragenden Leistungen bei der letzten WM an und machte selbst hochkarätige Chancen zunichte. "Dennis hat überragend gehalten", sagte Greilinger. Pech hatte auf der Gegenseite der Wolfsburger Kai Hospelt. Bei einem Konter traf er den Pfosten (44.).
STATISTIK
Deutschland - Russland 2:0 (0:0, 1:0, 1:0)
Tore: 1:0 Greilinger (25.), 2:0 Reimer (58.)
Strafminuten: Deutschland 6 - Russland 4
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