Wunder-Comeback beim Handball: Bielecki wirft elf Tore mit nur einem Auge
zuletzt aktualisiert: 02.09.2010 - 09:28Mannheim (RP). "Karol, Karol", riefen die Fans des Handball-Erstligisten Rhein-Neckar Löwen, begeistert von dem Mann, dessen Karriere am 11. Juni beendet schien. Im Länderspiel gegen Kroatien hatte Josip Valcic seinen Gegenspieler Karol Bielecki am Kopf getroffen, so dass der Pole sein linkes Augenlicht verlor.
Nun, beim 28:26 gegen Göppingen überragte der 2,02 Meter lange Rückraumspieler nicht nur wegen seiner elf Tore, sondern auch, weil er in entscheidenden Momenten Verantwortung übernahm und vier der letzten fünf Treffer seines Teams erzielte, das den 23:19-Vorsprung fast verspielt hatte (23:22).
Als er sich von den Fans verabschiedete, wurde der 28-Jährige von den Gefühlen übermannt. Bielecki ließ seinen Tränen freien Lauf. Beim Bundesliga-Auftakt gegen Balingen-Weilstetten (31:30) hatte er noch auf der Bank gesessen, diesmal brachte ihn Trainer Ola Lindgren von Beginn an. "Dass er das so hinbekommen hat, macht mich total glücklich", sagte der Schwede. "Das war für mich einfach mehr wert als jeder Sieg", meinte Manager Thorsten Storm.
Bielecki, der nicht mehr über sein Handikap spricht, spielt mit einer Brille, die das gesunde Auge schützen soll. "Ich glaube, Karol wirft nach seinem Unfall noch härter", behauptet Torhüter Henning Fritz. Die ersten Tage nach dem Unfall waren schwer. Doch für Selbstmitleid ließ ihm die Handball-Familie keinen Raum. "Wir haben ihm gesagt: Karol, du hast nur zwei Möglichkeiten. Entweder aufhören oder es versuchen", erinnert sich Manager Storm an die entscheidenden Tage nach dem Schock.
Bielecki akzeptierte die Situation. Mit Willenstärke, medizinischer Hilfe und speziellen Trainingsprogrammen, durch die vor allem die Wahrnehmung und das Gleichgewichtsgefühl verbessert wurden, kämpfte sich der Rückraumspieler zurück.
Sechs Wochen nach dem Unfall betrat der Pole im Spiel gegen eine Weltauswahl wieder die große Bühne. Zweifel, dass er es nicht schaffen könnte, hatten seine Kollegen schon damals nicht. "Er hat ja nicht seinen Wurfarm verloren", sagte der Franzose Nikola Karabatic, und es klang viel Respekt in seiner Stimme mit.
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