Harte Kritik an DHB-Präsident: Brand und Heuberger pfeifen Heinevetter zurück
zuletzt aktualisiert: 05.02.2012 - 15:44Köln (RPO). Manager Heiner Brand und Bundestrainer Martin Heuberger haben Silvio Heinevetter für dessen harte Kritik an Ulrich Strombach getadelt. "Ein Spieler hat kein Recht, so über einen Präsidenten zu reden. Er sollte erstmal selbstkritisch mit sich und seiner Leistung sein", sagte Brand dem Sport-Informations-Dienst (SID).
Auch Brands Nachfolger als Bundestrainer rief Heinevetter in einem Vier-Augen-Gespräch zur Ordnung. "Ein Spieler sollte sich auf die sportliche Seite konzentrieren. Wir brauchen keine Nebenkriegsschauplätze", sagte Heuberger dem SID nach dem Spaßspiel vor 7500 Zuschauern in der ausverkauften Arena Leipzig.
Brand stellte sich zudem schützend vor DHB-Präsident Strombach. "Das ist nicht die richtige Art, so vorzugehen, und es ist auch inhaltlich nicht in Ordnung", sagte der Weltmeistercoach von 2007.
"Heinevetter bleibt unbeeindruckt"
Heinevetter lässt sich derweil von diesen Aussagen nicht beeindrucken und griff Strombach, der aufgrund einer starken Erkältung in Leipzig nicht vor Ort war, erneut scharf an. "Ich hoffe, dass sich etwas ändern wird, im Sinne des Handballs. Wenn es schon intern nicht klappt, wie soll es dann nach außen klappen?", fragte der Torhüter provokant.
Unterstützung erhielt der Schlussmann der Füchse Berlin von Nationalmannschaftskollege Oliver Roggisch und Ex-Spieler Stefan Kretzschmar, während die Verbandsspitze von einer Strafe weiterhin absieht. "Das Thema wird totgeschwiegen", sagte Heinevetter nach der 32:36 (18:18) des EM-Siebten beim Allstar-Game in Leipzig gegen eine Bundesliga-Auswahl."Es gab komischerweise keine Reaktion gegen mich, ich habe überhaupt keinen Gegenwind bekommen. Und das ist natürlich schon ein bisschen komisch. Das ist auch irgendwie traurig oder ein Eingeständnis, ich weiß es nicht", sagte der 27-Jährige bei Sport1.
Bob Hanning, Manager von Heinevetters Verein Füchse Berlin, stärkte seinem Keeper mit einem am Sonntag veröffentlichten Thesen- und Positionspapier indirekt den Rücken. "Die Strukturen des DHB müssen professionalisiert werden. Der Verband muss nach innen und nach außen ein modernes Profil erhalten", lautet eine Aussage von Hanning. Der Vize-Präsident der Handball-Bundesliga (HBL) hofft vor allem auf personelle Weichenstellungen: "Innerhalb des DHB müssen kompetente Personen die Verantwortung übernehmen. Die Umsetzung muss in der laufenden Legislaturperiode erfolgen. Eine Professionalisierung der Leitungsebene ist notwendig."
Heinevetter scheint derweil nicht der einzige Nationalspieler zu sein, der mit Strombachs Amtsführung unzufrieden ist. "Silvio hat das formuliert, was so ein bisschen in der ganzen Mannschaft drinsteckt. Wer Silvio kennt, weiß, dass er es manchmal etwas direkter sagt als manch anderer, aber im Grundsatz stimmen viele Dinge", sagte Abwehrchef Oliver Roggisch von den Rhein-Neckar Löwen und fügte mit Blick auf die erstmalig verpasste Qualifikation für die Olympischen Spiele an: "Es ist einfach schade, weil wir als Mannschaft einfach sehr gut fuktionieren und wir sehr schön miteinander umgehen und viel Spaß haben. Da sollten alle Leute im Umfeld mit dazu gehören. Das war in der Vergangenheit nicht so, ich hoffe, dass wir das geändert bekommen."
Auch Ex-Nationalspieler Kretzschmar stellte sich auf die Seite der Spieler. "Die Kritik ist berechtigt. Wir reden immer von Umbruch und Verjüngung der Mannschaft, aber wir sprechen im Prinzip nicht darüber, dass die Verantwortlichen in vorderster Front ebenfalls einen Verjüngungsprozess mit sich lassen machen müssen", sagte der Olympiazweite von 2004.
Kretzschmar schlägt Brand als DHB-Präsident vor
Die Amtszeit des Gummersbachers Strombach endet 2013, und Kretzschmar hat sich schon Gedanken über einen passenden Nachfolger gemacht: "Heiner Brand wäre so ein Gesicht für den deutschen Handball. Aber auch Bob Hanning, der 24 Stunden für den Handball da ist. Solche Leute brauchen wir im Zuge der Professionalisierung. Und da ist noch ein Andreas Thiel. Der ist unkorrumpierbar, was ja nicht unwichtig ist."
Aufgrund der Diskussion um Strombach und Heinevetter geriet das Allstar-Game zur Nebensache. Die Spieler zeigten dem begeisterten Publikum schöne Tricks und tolle Tore. Bei der Bundesligaauswahl glänzte der Kieler Kim Andersson mit sechs Toren. Bei der Nationalmannschft waren der Flensburger Lars Kaufmann und der Berliner Sven-Sören Christophersen mit jeweils vier Treffern die besten Werfer.
Im Vorfeld des Spiels verständigten sich der DHB und die Handball-Bundesliga (HBL) darauf, dass der Magdeburger Coach Frank Carstens auch weiterhin als Co-Trainer von Heuberger fungieren soll. Es müssten noch letzte Details mit Magdeburg geklärt werden, sagte Heuberger, der sich in Leipzig über einen 35:22-Sieg der neu gegründeten B-Nationalmannschaft gegen Drittliga-Tabellenführer EHV Aue freute.
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