29:24-Erfolg über schwache Russen: DHB-Handballer mit ernüchterndem EM-Test
zuletzt aktualisiert: 11.01.2004 - 13:08Tschechow/Frankfurt (rpo). Knapp zehn Tage vor Beginn der Handball-Europmeisterschaft in Slowenien gehen die deutschen Handballer am Stock. Geplagt durch Formkrise und Verletzungen fällt die Bilanz nach Abschluss des Sechsländerturniers im russischen Teschow ernüchternd aus.
Handball-Bundestrainer Heiner Brand funkt SOS: Der ersatzgeschwächte Vizeweltmeister Deutschland enttäuschte anderthalb Wochen vor der Europameisterschaft in Slowenien (22. Januar bis 1. Februar) mit einem fünften Platz beim Sechsländerturnier im russischen Teschow und sucht fieberhaft nach seiner EM-Form. "Wir sind in einer schwierigen Phase. Wir müssen jetzt alles versuchen, um noch rechtzeitig in Tritt zu kommen", sagte Brand, den auch ein 29:24 (12:13) gegen Gastgeber Russland zum Abschluss der mit knapp 80.000 Euro dotierten Veranstaltung nicht versöhnen konnte.
Bittere Pleiten
Der Kieler Christian Zeitz und Florian Kehrmann aus Lemgo sorgten vor 1300 Zuschauern mit jeweils neun Treffern nach den vorangegangenen bitteren Pleiten gegen den WM-Dritten Frankreich (21:29) und Ägypten (23:26) zumindest für das erste Erfolgserlebnis. Doch der insgesamt eher schwache Gesamteindruck des "zweiten Anzugs" bereitet dem 51-jährigen Brand vor dem EM-Auftakt gegen Serbien und Montenegro am 22. Januar Kopfzerbrechen.
"Ich hätte mir mehr Initiative von denen gewünscht, die noch um ihr EM-Ticket kämpfen. Aber wenn man müde ist, ist auch der Kopf müde", bilanzierte der Gummersbacher, der auf den Lemgoer Spielmacher Markus Baur (Leistenbeschwerden) und den Magdeburger Stefan Kretzschmar (Leistenoperation) verzichten und damit ohne Linkshänder auskommen musste.
Starker Ersatz-Kapitän
Symptomatisch für den insgesamt ernüchternden Test, dass Kretzschmar-Ersatz Torsten Jansen gegen Ägypten bei einem Zusammenprall einen Schneidezahn verlor, mit vier Stichen an der Lippe genäht werden musste und ins Krankenhaus kam. Zudem konnten im Rückraum weder Frank von Behren aus Gummersbach noch der Wallauer Jan-Olaf Immel Akzente setzen. Immerhin überzeugte Spielmacher und "Ersatz"-Kapitän Daniel Stephan als Vertreter von Baur und zusammen mit Kehrmann als bester deutscher Turnierwerfer (je 14).
Doch besonders die Schlappen gegen die Franzosen sowie die vom ehemaligen Bundesligacoach Jörn-Uwe Lommel trainierten Ägypter deckten schonungslos die markante Abschlussschwäche der deutschen Mannschaft und die enorme Bedeutung der zurzeit verletzten Baur und Kretzschmar auf. Bedenklich stimmt zudem, dass auch Leistungsträger wie der Lemgoer Kreisläufer Christian Schwarzer, der im Duell mit Frankreich eine miserable Chancenverwertung von unter 50 Prozent hatte, noch weit von ihrer EM-Form entfernt sind. Immerhin zeigte die deutsche Mannschaft in der zweiten Hälfte der Partie gegen die schwachen Russen einen deutlichen Formanstieg und bewies Moral.
Hoffnungen auf Volker Zerbe
Die größten Hoffnungen liegen auf "Teilzeit"-Nationalspieler Volker Zerbe (268 Länderspiele/729 Tore) vom deutschen Meister TBV Lemgo. Der 35 Jahre alte Linkshänder stößt am Donnerstag zur Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) und steht in den beiden EM-Generalproben gegen Olympiasieger Russland am kommenden Freitag (16. Januar) in Hannover und am Sonntag (18. Januar) in Dortmund nach knapp einjähriger Nationalmannschaftspause wieder im Brand-Team.
"Volker ist für unsere Abwehr, als Werfer und Persönlichkeit enorm wichtig", bekräftigte der Bundestrainer. Zerbe selbst, der derzeit noch mit seiner Frau im Urlaub weilt, freut sich auf sein vor Großveranstaltungen fast schon obligatorisches Comeback. "Brand weiß, dass er sich hundertprozentig auf mich verlassen kann", kündigte der 2,11-m-große Riese an.
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