Handball-WM: DHB-Team reif für den Titel?
zuletzt aktualisiert: 08.01.2007 - 08:55Budapest (RPO). Deutschlands Nationalmannschaft beklagt sieben Verletzte. Dennoch bezieht sie aus den Testspielen in Ungarn Selbstvertrauen für die Weltmeisterschaft im eigenen Land ab Mitte Januar. Wir stellen die Mannschaft von Trainer Heiner Brand vor.
Zwölf Tage vor dem Start der Weltmeisterschaft im eigenen Land wechseln sich bei der deutschen Handball-Nationalmannschaft gute Nachrichten mit Hiobsbotschaften ab. Große Sorge bereitet Bundestrainer Heiner Brand die fast schon übliche Verletztenmisere. Zuversicht gab dem 54-Jährigen am Samstag dafür der 23:20-Sieg im drittletzten Testspiel vor der WM in Debrecen gegen Ungarn. Einen Tag später überzeugte sein Team beim 23:23 in Budapest gegen den WM-Teilnehmer vor allem kämpferisch.
So scheint die Zweitbesetzung des ehemaligen Europameisters bereit für die große Aufgabe. „Unter diesen personellen Voraussetzungen lief es besser als erwartet. Das war sogar etwas überraschend”, sagte Brand. Auch der starke Torhüter Johannes Bitter hakte den Härtetest als Erfolg ab. „Das hat allen Mut gemacht”, erklärte der Magdeburger, „ich glaube, wir können mit einer positiven Einstellung Richtung WM schauen.”
Aufs Gemüt schlägt Brand knapp zwei Wochen vor dem WM-Auftakt am 19. Januar in Berlin gegen Brasilien die angespannte Personal-Situation. Gleich fünf angeschlagene Spieler hatte der Gummersbacher in Ungarn ersetzen müssen.
Spielmacher Markus Baur (Reizung im Fuß), Florian Kehrmann (Handbruch/beide Lemgo), Oleg Velyky (Bänderriss im Knöchel/Kronau), Holger Glandorf (Gesichtsverletzung/Nordhorn) und Rolf Hermann (Nervenreizung im Arm/Nettelstedt) hatten die Reise gar nicht erst angetreten. Die Gruppe, die sich per SMS über die Zwischenstände der Partien unterrichten ließ, absolvierte im Trainingslager im bayerischen Herrsching am Ammersee ein spezielle Übungen.
Hinzu kamen am Wochenende die Patienten Nummer sechs und sieben: Kreisläufer Andrej Klimovets (Kronau-Östringen) und Linksaußen Torsten Jansen (HSV Hamburg) erlitten in Debrecen Muskelverletzungen im Oberschenkel.
Der Kreisläufer und der Linksaußen mussten sich noch am Montag wegen Muskelverletzungen im Oberschenkel in München Kernspintomografien unterziehen. Bei Jansen gab es nach der Untersuchung Entwarnung. Beim 30-Jährigen wurde eine Muskel-Einblutung im linken Oberschenkel festgestellt, sein WM-Einsatz dürfte damit nicht gefährdet sein. Jansen muss allerdings einige Tage mit dem Mannschaftstraining aussetzen.
Das größte Sorgenkind aber bleibt Torjäger Velyky. „Bei Oleg müssen wir auf den Faktor Zeit setzen. Spekulationen sind unangebracht”, sagte Brand über den Kronauer, der täglich behandelt wird. Doch auch ohne etliche Leistungsträger übertraf die DHB-Auswahl in Ungarn die Erwartungen des Bundestrainers. „Es war schon ein gewisser Druck da, und das war gut als Vorbereitung auf die WM. Die Hallen voll, die Zuschauer laut, aber meine Spieler haben die Aufgabe gut gelöst”, lobte der Weltmeister von 1978.
Auch Abwehrspezialist Oliver Roggisch (Magdeburg) hob die psychische Klasse hervor: „Unsere Stärke ist, dass wir immer an uns glauben. Jeder weiß schließlich, um was es bei einer Heim-WM geht.” Außerdem habe das Team bewiesen, dass es körperlich topfit sei.
In den fünf Tagen bis zur WM-Generalprobe am Samstag gegen Ägypten in der Münchner Olympiahalle (15 Uhr) will Brand in der Trainingsarbeit keine bestimmten Schwerpunkte setzen. „Wir werden noch an allem arbeiten und hoffen, dass die angschlagenen Spieler fit werden”, erklärte er. Nach dem Ägypten-Spiel dürfen die Profis noch einmal nach Hause, um für die erste Handball-WM in Deutschland seit 25 Jahren Kraft zu tanken.
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