Handball-EM: Brand-Team fehlt die Kraft
VON ECKHARD CZEKALLA - zuletzt aktualisiert: 27.01.2010 - 07:19Innsbruck (RP). Die deutsche Handball-Nationalmannschaft kassiert bei der EM auch im zweiten Spiel der Hauptrunde eine Niederlage – 20:25 gegen Spanien. Damit kann sie den fünften Platz nicht mehr erreichen.
Sie wollen (und müssen) lernen, sie hören auch zu, können es aber noch nicht perfekt umsetzen. Gestern, beim 20:25 (9:14) gegen Spanien, fehlte nicht nur die spielerische Klasse, sondern nach vier harten, nerven- und kraftraubenden Spielen zuvor auch der Wille, sich gegen eine Niederlage zu stemmen.
Deshalb werden die Handball-Nationalspieler nicht nach Wien versetzt, wo die besten sechs Mannschaften am Wochenende im Einsatz sind, sondern fliegen einen Tag nach dem letzten EM-Hauptrundenspiel (am Donnerstag gegen Tschechien/16.30 Uhr im Live-Ticker) nach Hause.
Bundestrainer Heiner Brand versuchte alles, brachte jede mögliche Formation im Angriff – doch die Anfangsphase zerstörte den Glauben an eigene Stärken. Michael Müller, für den angeschlagenen Holger Glandorf eingewechselt, ermöglichte den Spaniern mit drei Fehlern innerhalb von 2:52 Minuten drei Tore zum 1:4.
"Wir müssen auch mal in Führung gehen und die anderen zum Kampf zwingen. Wenn solche Fehler nach 50 Minuten passieren, kann man es verstehen, aber nicht so", sagte Kapitän Michael Kraus. Müller gab sich selbstkritisch. "Ich will eigentlich mehr, als geht", erklärte der Ersatzmann im Rückraum des Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen.
Sein Teamkollege Uwe Gensheimer war der Gewinner im Team der Verlierer. In knapp 20 Minuten warf der Linksaußen fünf Tore. "Wir haben nicht mehr volle Pulle gegeben", kritisierte Torhüter Silvio Heinevetter. Der Berliner, im zweiten Durchgang eingewechselt, war aber wie zuvor Johannes Bitter nicht in der Lage, die Schwächen seiner Vorderleute entscheidend auszubügeln. Kapitän Kraus blickte bereits nach vorn und sagte: "Wir brauchen gegen Tschechien unbedingt ein positives Erlebnis."
Bundesliga als Basis
Auch wenn deutsche Spieler bei der Europameisterschaft keine Rolle mehr spielen, prägt die Bundesliga das Turnier. Rund 80 der knapp 260 Akteure verdienen ihr Geld in der weltweit stärksten Liga, knapp 40 in Spanien. Island (zwölf von 16) und Final-Kandidat Polen (9), aber auch Dänemark (7), Kroatien (5), Welt- und Europameister Frankreich (4) sowie Norwegen (3), die alle das Gesicht dieser EM mitprägen, profitieren vom Training und von den harten Wettkampfbedingungen in deutschen Klubs, deren Spieler in jeder Partie gefordert sind.
Gastgeber Österreich kann sich sogar bei einem Zweitligisten bedanken. Torhüter Thomas Bauer, einer von acht Deutschland-Legionären und beim TV Korschenbroich aktiv, sicherte dem EM-Neuling den Einzug in die Hauptrunde. Beim 36:31-Sieg gegen Serbien löste er Stammtorhüter Nikola Marinovic (Balingen-Weilstetten) ab, pushte mit einer tollen Leistung seine Kollegen und die Fans in Linz.
Der 24-Jährige, der mit seiner beim Zweitliga-Aufsteiger TV Wuppertal-Beyeröhde spielenden Freundin Laura Magelinskas in Düsseldorf lebt, hielt so die Begeisterung am Leben in einem Land, das gerade dabei ist, den Handball zu entdecken und zu mögen.
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