Handball-EM in Österreich: Das ist der Kader von Heiner Brand
VON ECKHARD CZEKALLA - zuletzt aktualisiert: 15.01.2010 - 09:47Düsseldorf (RPO). Drei Spieler musste Bundestrainer Heiner Brand aus dem Kader für die Handball-EM in Österreich streichen. Neben Flohr und Strobel traf es überraschend Dominik Klein, der erstmals seit 2005 bei einem großen Turnier fehlen wird.
Sie klatschten sich ab, stießen mit ihren Oberkörpern aneinander - beliebte Rituale nach dem Ende eines Handballspiels. Dominik Klein gehörte dazu, und doch schien es, als ob alle wüssten, dass es ein Abschied war. Der Kieler lächelte tapfer, doch auch ihm war klar, dass sein Rivale im Kampf um einen Platz im Kader für die Handball-EM in Österreich (19. bis 31. Januar) gepunktet hatte.
Auf der Bank musste der Linksaußen ansehen, wie der nach seiner Wadenverletzung zurückgekehrte Uwe Gensheimer die Generalprobe in seiner Geburtsstadt Mannheim nutzte. Zehnmal warf er aufs Tor und steuerte zehn Tore zum 34:22-Sieg bei. Auch wenn der Gegner nur Brasilien war, beeindruckte der 23-Jährige wie in der Bundesliga-Hinrunde, als er im Team der Rhein-Neckar Löwen zu den Besten gehörte.
Heiner Brand sprach zuletzt oft von der Begeisterung, dem Lernwillen, dem Zusammenhalt, dem Spaß an der Arbeit während der Vorbereitung, deren heiße Phase am 3. Januar in Herrsching am Ammersee begonnen hatte. Am Donnerstag musste der Bundestrainer das erledigen, was ihm nie leicht fällt.
"Es waren keine einfachen Entscheidungen. Aber das lässt sich im Leistungssport nicht vermeiden", erklärte der 57-Jährige. Drei Spielern musste er sagen, dass sie am Sonntag nach der kurzen Freizeit nicht zum Treffpunkt nach Innsbruck kommen brauchen.
Klein: "Hätte vielleicht auch so entschieden"
Auf der Spielmacherposition bekam Michael Haaß den Vorzug vor Martin Strobel. Den Kampf um den dritten Kreisläufer-Posten verlor Matthias Flohr gegen Christoph Theuerkauf. Und Gensheimer, der wie Manuel Späth (24) und Theuerkauf (25) sein erstes großes Turnier bestreitet, drückte Klein raus. "Das ist bitter. Aber ich bin Profi genug, das zu akzeptieren. Und, wäre ich Bundestrainer, hätte ich vielleicht auch so entschieden", sagte er .
Mit 26 Jahren ist er bereits Weltmeister, dreimal Deutscher Meister und Pokalsieger geworden und hat die Champions League gewonnen. Seit der EM 2006 in der Schweiz teilte sich Klein, als Motivator geachtet, mit dem in Leichlingen aufgewachsenen Team-Senior Torsten Jansen (33/Hamburg) den Job im Nationalteam. Doch in den vergangenen Wochen hatte er nicht mehr die Sicherheit und Souveränität, reichte nicht mehr an alte Klasse heran.
Weit weg von dem, was Brand erwartet, war auch das Nationalteam gegen Brasilien. Jedenfalls 30 Minuten lang (nur 17:14). Überheblich und unkonzentriert trieben die Männer um Kapitän Michael Kraus den Frust-Pegel bei Brand auf eine Rekordhöhe. Diesen Rückfall hatte er seiner Mannschaft nicht zugetraut. Entsprechend deftig war die Ansprache. "Ich hoffe, sie haben gelernt, dass sie nur eine Chance haben, wenn der Einsatz bei 100 Prozent liegt", sagte Brand.
Rückschlüsse auf die EM mit den schweren Gruppenspielen gegen Polen (19.), Slowenien (20.) und Schweden (22.) ließ Michael Kraus nicht zu. "Die wahre Stärke unserer Mannschaft werden wir in Innsbruck sehen", sagte der Lemgoer. Würde das Halbfinale erreicht, wäre es für ihn eine erfolgreiche EM. "Aber wir müssen erst mal die Vorrunde überstehen. Und das wird hart genug."
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