Rüde Spielweise: Heiner Brand attackiert Österreicher
zuletzt aktualisiert: 06.01.2010 - 14:24Innsbruck/Hamburg (RPO). Emotional war Heiner Brand bereits wieder in Turnierform. Als der Bundestrainer nach dem 30:29 (17:12)-Sieg der deutschen Handballer im EM-Test gegen Österreich wutschnaubend auf den gegnerischen Kreisläufer Patrick Fölser losging und diesen zur Rede stellte, wurden kurzzeitig Erinnerungen an seinen Gefühlsausbruch bei der WM vor einem Jahr in Kroatien wach.
Während der Coach damals mit erhobener Faust Richtung der Unparteiischen seinem Ärger über vermeintliche Fehlentscheidungen Luft machte, entbrannte sein Zorn diesmal an der übertriebenen Härte des Gegners.
"Es sind einige unfaire Dinge vorgefallen, die in der Vorbereitung nichts zu suchen haben", sagte Brand über die rüde Gangart des EM-Gastgebers in der Schlussphase der Partie in der Innsbrucker Olympiahalle. In Rage gebracht hatten ihn zwei klare Tätlichkeiten von Fölser (HSG Düsseldorf) und Vitas Ziura (Viborg HK) gegen die deutschen Rückraum-Asse Holger Glandorf und Lars Kaufmann: "Da wurde eindeutig ins Gesicht geschlagen, das gehört sich einfach nicht", sagte der 57-Jährige.
Seine Mannschaft hatte sich zuvor dagegen weitaus weniger leidenschaftlich gezeigt. Nach einer guten ersten Halbzeit wurde das Spiel der DHB-Auswahl nach der Pause immer fahriger, sodass die Österreicher den großen Nachbarn sogar an den Rand einer Niederlage brachten. "Es gab doch einige Unkonzenztriertheiten. Aber ich habe auch keine Top-Leistung erwartet. Wir haben in den letzten Tagen hart gearbeitet und einige Spieler sind deshalb ziemlich müde", sagte Brand verständnisvoll.
Knapp zwei Wochen hat der Weltmeister von 1978 noch Zeit, sein Team für die europäischen Titelkämpfe in Topform zu bringen. Es gelte nun die Fehler zu analysieren und in der verbleibenden Vorbereitungszeit abzustellen, sagte Brand.
Bis zum EM-Auftakt an gleicher Stätte gegen Polen am 19. Januar stehen dazu neben dem Trainingslager in Herrsching am Ammersee drei weitere Testspiele in Nürnberg (9. Januar) und Regensburg (10.) gegen Island sowie in Mannheim (13.) gegen Brasilien auf dem Programm.
Dass dem deutschen Team Leistungsträger wie Pascal Hens und Sebastian Preiß fehlen und hinter Torwart Johannes Bitter nach einer Ellenbogen-Operation kurz vor dem Jahreswechsel zumindest ein Fragezeichen steht, bereitet Brand dagegen keine großen Sorgen. "Die Truppe ist verschworen und leistungsbereit - und wir haben ja noch ein bisschen Zeit", sagte der Coach, dessen Mannschaft in der Vorrundengruppe C mit Polen, Slowenien und Schweden zumindest Dritter werden muss, um die Hauptrunde zu erreichen.
Von der erstklassigen Stimmung im Vorrundenspielort Innsbruck konnte sich Brand schon einmal einen guten Eindruck machen. Unter den rund 7000 Zuschauern waren weit mehr als 1000 deutsche Fans: "Die Stimmung in der Halle war sehr schön. Ich hoffe, dass uns unsere Fans auch in der EM-Vorrunde hier so unterstützen."
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