Handball-Bundestrainer Heuberger: "Ich fühle mich richtig scheiße"
zuletzt aktualisiert: 26.01.2012 - 17:03Belgrad (RPO). Der deutsche Handball steht vor einem Scherbenhaufen: Nach der 32:33-Niederlage gegen Polen finden die Olympischen Spiele erstmals in der Geschichte ohne deutsche Beteiligung statt. Bundestrainer Martin Heuberger spricht über seine Gefühle und Konsequenzen.
"Herr Heuberger, wie geht es Ihnen am Tag nach dem EM-Aus?"
Martin Heuberger: "Ich fühle mich richtig scheiße. Dies ist einer der bittersten Momente in meiner Trainerlaufbahn."
"Wie lautet Ihr Fazit nach Ihrem ersten großen Turnier als hauptverantwortlicher Bundestrainer?"
Heuberger: "Die Mannschaft kann stolz sein. Sie hat sich im Verlauf der EM weiterentwickelt und ein gutes Turnier gespielt. Klar hatten wir auch einige schwächere Phasen, aber man muss immer sehen, woher wir kommen. Vor dem Turnier haben uns viele Experten weit weniger zugetraut."
"Trotzdem wurde das große Ziel am Ende verfehlt. Was bedeutet das für den deutschen Handball?"
Heuberger: "Es ist fatal. Obwohl wir besser abgeschnitten haben als in den Jahren zuvor, haben wir unser Ziel nicht erreicht. Trotzdem wird es weitergehen - wie auch immer. Schade finde ich nur, dass es nicht rein auf sportlicher Ebene entschieden worden ist, sondern das Ergebnis auch durch andere Dinge verfälscht wurde."
"Wie meinen Sie das?"
Heuberger: "Es gab doch einige sehr fragwürdige Entscheidungen. Sicherlich machen die Schiedsrichter das nicht mit Absicht, aber das Regelwerk muss in Zukunft stärker konkretisiert werden. So lange wir in unserem Sport so viele Interpretationsmöglichkeiten haben, bleiben fragwürdigen Entscheidungen Tür und Tor geöffnet. Es ist für meine Mannschaft nur schade, wenn man wegen solcher Dinge ausscheidet."
"Rechnen Sie mit einer Diskussion um Ihre Person?"
Heuberger: "Als Trainer muss ich immer mit Gegenwind rechnen. Doch ich versuche, meinen Weg weiterzugehen, und möchte eine Mannschaft aufbauen, die irgendwann wieder um Titel mitspielt. Ich mache weiter - sofern man mich lässt. Aber darüber müssen andere entscheiden."
"Wie sehen die nächsten Tage bei Ihnen aus?"
Heuberger: "Ich muss jetzt auch mal an mich denken. Die EM hat viel Kraft gekostet. Ich werde mir ein paar Tage Ruhe gönnen. Ich habe nach dem Ausscheiden viele nette SMS bekommen - das baut mich auf und zeigt mir, dass ich mit der Mannschaft auf dem richtigen Weg war."
Heinevetter greift Strombach an
Nach dem Olympia-Aus der deutschen Handballer gibt es Zoff: Vor dem Abflug aus Belgrad griff Torhüter Silvio Heinevetter den Präsidenten des Deutschen Handball-Bundes (DHB), Ulrich Strombach, verbal an. "Ahnung vom Handball hat der nicht, wenn wir ganz ehrlich sind", sagte Heinevetter am Freitagmittag in einem Interview mit Sport1 und weiteren Medienvertretern. "Wenn man nicht ein einziges Hallo zur Mannschaft sagt und in den Medien erzählt, wir kommen ins Halbfinale, dann muss man sich überlegen, ob man nicht zu Hause bleibt als Präsident." Strombach hatte nach dem Erreichen der EM-Hauptrunde im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) vom möglichen Titelgewinn gesprochen. "Wenn wir das Halbfinale erreichen, ist alles möglich. Auch der Titel", hatte Strombach bei einem Besuch am vergangenen Sonntag im deutschen Lager gesagt. Strombach reagierte mit Unverständnis. "Ich glaube nicht, dass ein Silvio Heinevetter beurteilen kann, ob ich Ahnung vom Handball habe", sagte der DHB-Präsident der Tageszeitung "Die Welt": "Ich bin jetzt schon seit 15 Jahren dabei, und in dieser Zeit hat sich nie jemand über mein Verhalten zur Mannschaft beschwert."
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