Geburtstag eines Idols: Handball-Magier Stenzel wird 75
VON ECKHARD CZEKALLA - zuletzt aktualisiert: 23.07.2009 - 20:32Düsseldorf (RP). Bewundert, belächelt, geliebt, gehasst – Vlado Stenzel war für jede Gemütsregung bei seinen Wegbegleitern gut. "Magier" und "Schleifer" nannten sie den ehemaligen Chemielaboranten, der einmal im Tor des jugoslawischen Handball-Nationalteams stand. Populär aber wurde er als Trainer, der ständig auf der Suche nach Verbesserungen seiner geliebten Sportart war und immer noch ist. Schiedsrichter haben aus seiner Sicht zu viel Macht.
Heute wird Stenzel, mit der Krankenschwester Diana verheiratet und Vater von vier Kindern, 75 Jahre alt. Groß wird nicht gefeiert in Wiesbaden, wo die Stenzels nach einer von Umzügen geprägten Zeit nun zu Hause sind. "Jeder ist willkommen", sagt Stenzel. Am Dienstag wurde er aus dem Krankenhaus in Rüsselsheim entlassen, in dem er wegen einer Drüsenentzündung am Ohr behandelt worden war.
"Vlado Stenzel – Handballforschung und -Förderung" steht auf den Visitenkarten, die der Kroate gerne verteilt. Immer wieder regt er Regeländerungen an, ist er bei Großereignissen anwesend, wie zuletzt bei der WM in Kroatien. Dort betreute er eine Gruppe um seinen alten Freund Kurt Klühspieß, der maßgeblich am größten Erfolg des Magiers beteiligt war, dem Gewinn des WM-Titels 1978.
Der Linkshänder des TV Großwallstadt gehörte zu jenem Team, mit dem Stenzel der Nachweis gelang, dass es im Westen Europas ausreichend Talente gibt, die sich gegen die Staatsamateure des Ostens durchsetzen konnten. Der WM-Sieg Karnevalssonntag in Kopenhagen gegen die favorisierten Russen (20:19) hatte aber wenig mit Magie zu tun. Er war das Produkt knallharter Auslese bei der Wahl der Spieler, die bedingungslos die geforderte Disziplin lebten, beflügelt durch den Erfolg.
Glückwunsch vom Staatsoberhaupt
Bundespräsident Horst Kölhler hat dem früheren Handball-Weltmeister-Trainer Vlado Stenzel in einem Brief zum 75. Geburtstag am Donnerstag gratuliert. "Sie haben Maßstäbe gesetzt, und nach ihrem Abschied dauerte es fast drei Jahrzehnte, bis wieder eine deutsche Nationalmannschaft den Sieg bei einer Weltmeisterschaft erringen konnte. Bis heute sind sie ein wichtiger Impulsgeber für den Handballsport", schrieb Köhler an Stenzel.
Der "Magier" hatte die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) 1978 mit Spielern wie Heiner Brand, Erhard Wunderlich oder Joachim Deckarm zum WM-Titel im Finale von Kopenhagen über die UdSSR geführt. 1972 gewann er als Trainer mit seinem Heimatland Jugoslawien Olympiagold in München.
Dabei hing Stenzels Zukunft vom Knie eines Torhüters ab – in der deutsch-deutschen Olympia-Qualifikation. Manfred Hoffmann (Großwallstadt) hielt im März 1976 beim Stand von 8:11 in der Schlusssekunde den Siebenmeter von Hans Engel. So fuhr nicht der favorisierte Vizeweltmeister DDR, sondern das westdeutsche Team nach dem 17:14 im Hinspiel nach Montreal. Obwohl seine Mannschaft in Chemnitz (damals Karl-Marx-Stadt) verlor, spricht der Trainer, dessen Karriere von Erfolgen, aber auch Entlassungen geprägt ist, noch immer vom "schönsten Sieg".
Stenzel, 1972 in München Olympiasieger mit Jugoslawien und Bundestrainer seit Ende 1974, durfte weiterarbeiten und die Auswahl um Heiner Brand formen. Das Diktat der Politik (Olympia-Boykott 1980) ließ die Mannschaft dann auseinanderbrechen und verbaute Stenzel vielleicht eine goldene Zukunft. Nach Platz acht bei der Heim-WM 1982 wurde er entlassen. Der große Erfolg blieb ihm, der sich auch als Koch und Wurstfabrikant versuchte und überwiegend in der Provinz arbeitete, danach versagt.
Längst versucht sich Stenzel als Reformer. "Das Handballspiel verliert immer mehr an Attraktivität", sagt er. "Es macht nur noch Bumm-Bumm. Es fallen 80 Tore, aber ich sehe kaum noch Spielzüge. Das Spiel entfernt sich vom wahren Leben, wo man für einen Erfolg hart arbeiten muss."
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