Testspiel-Unfall: Handballer Bielecki wird wohl blind bleiben
zuletzt aktualisiert: 20.06.2010 - 11:51Mannheim (RPO). Drama um Karol Bielecki vom Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar-Löwen: Der polnische Nationalspieler bleibt trotz zwei Operationen auf dem linken Auge blind, will aber um die Fortsetzung seiner Profikarriere kämpfen. "Ich weiß, ich habe eine Chance, die will ich auch ergreifen", sagte Bielecki über seine "bislang größte Herausforderung".
Die Verletzung hatte der 28-Jährige bei einem Länderspiel gegen Kroatien am 11. Juni erlitten. Inzwischen ist Bielecki aus der Spezialklinik in Tübingen entlassen worden.
Bereits am Montag beginnt das Rehaprogramm. Dabei stehen Koordinationsübungen und Kreislauftraining ebenso auf dem Plan wie die Schulung des gesunden rechten Auges. Zudem ist die Anpassung einer Schutzbrille geplant. Über den Zeitpunkt eines möglichen Comebacks wollte sich der Bundesligist nicht äußern. "Der Mensch Karol Bielecki steht jetzt im Vordergrund", sagte Löwen-Pressesprecherin Ute Krebs dem SID.
Die niederschmetternde Prognose des behandelnden Augenarztes Thomas Katlun war für den 2,02 m Hünen Bielecki ein "großer Schock". "Die jüngsten Untersuchungen ergaben, dass die Sehkraft auf dem verletzten linken Auge leider nicht zurückkommen wird", erklärte Katlun, fügte aber an: "Wir müssen die weiteren Genesungsschritte abwarten." Der Mediziner hat gemeinsam mit Löwen-Mannschaftsarzt Andreas Klonz von der Heidelberger ATOS Klinik das Reha-Programm erstellt.
Bielecki, der seinen Vertrag bei den Löwen jüngst vorzeitig bis 2015 verlängerte, hatte sich die schwere Verletzung an Augapfel und Augenlid bei einer Abwehraktion seines Gegenspielers Josip Valcic zugezogen. Der polnische Rückraumspieler war sofort in ein Krankenhaus nach Kielce gefahren worden. Nach einer Computertomografie wurde er in eine Spezialklinik ins 180 km entfernte Lublin gebracht und dort operiert. Zwei Tage später wurde Bielecki dann mit Hilfe seines Vereins nach Stuttgart ausgeflogen und in Tübingen erneut operiert.
Löwen-Manager Thorsten Storm sagte seinem Star Bielecki, der in der vergangenen Saison in 34 Spielen 155 Tore warf und in der Bundesliga-Torschützenliste Platz 18 belegte, vollste Unterstützung zu. "Wir werden Karol mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln helfen. Er steht vor seiner größten Aufgabe, und es wird kein leichter Weg zurück aufs Handball-Spielfeld. Aber ich weiß, dass Karol kämpfen wird", meinte Storm über den WM-Zweiten von 2007 und WM-Dritten von 2009.
Mut machte Bielecki auch der frühere Fußball-Nationalspieler Wilfried Hannes. Der Vize-Weltmeister von 1982 verlor bereits als Siebenjähriger sein Auge und rät dem prominenten Handballer: "Er muss lernen, sich anders auf dem Spielfeld zu positionieren. Ich habe damals viel mit Tennisbällen trainiert", sagte der ehemalige Gladbacher Hannes der Bild am Sonntag und betonte: "Aber das Wichtigste bleibt der Wille. Wenn Karol Bielecki Fragen hat, kann er mich gern anrufen."
Im Handball sind Augenverletzung bislang nicht verbreitet. Einzig der isländische Nationalspieler Jason Olafsson hatte vor zwölf Jahren seine Laufbahn vorzeitig beenden müssen, nachdem er nach einem Ellbogencheck auf einem Auge erblindete. Storm allerdings meinte, es sei im Vollkontakt-Sport Handball nur eine Frage der Zeit gewesen, "bis es mal zu einer solch schweren Augenverletzung kommt".
Der Einsatz von (Schutz-)Brillen im Handball ist grundsätzlich erlaubt. "Das ist kein Problem. Sie dürfen nur nicht eckig oder spitz sein", sagte Uwe Stemberg, der Spielleiter der Handball-Bundesliga (HBL), dem SID. Schon Ex-Nationaltorhüter Andreas Thiel hatte zeitweise mit einer Sportbrille gespielt, die an einem Gummiband befestigt war.
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