Handball-Bundestrainer Heuberger: "Von einer Quote halte ich gar nichts"
zuletzt aktualisiert: 03.02.2012 - 16:34Hamburg (RPO). Nach dem folgenschweren Ausscheiden der deutschen Handballer bei der EM in Serbien und der erstmals in der Geschichte verpassten Olympia-Qualifikation bastelt Martin Heuberger an der Zukunft der Nationalmannschaft.
Der Bundestrainer spricht im Interview über große Ziele, neue Leitwölfe und eine Quotenpflicht für deutsche Spieler in der Bundesliga.
Herr Heuberger, haben Sie den Olympia-K.o. inzwischen verdaut?
Martin Heuberger Nein, noch nicht. Wir haben zwei große Chancen ungenutzt gelassen und waren am Ende selber Schuld. Wichtig ist jetzt, dass wir aus der Situation lernen und gestärkt in die WM-Qualifikation gehen.
Es war Ihr erstes Turnier als Bundestrainer. Gibt es Dinge, die Sie im Nachhinein anders machen würden?
Heuberger Natürlich ist man hinterher schlauer. Aber nach der ersten Analyse mit meinem Co-Trainer Frank Carstens ist mir nichts Prekäres aufgefallen - im Gegenteil: Es sind viele Dinge positiv gelaufen.
Die da wären?
Heuberger Nach der Auftaktniederlage gegen Tschechien hat doch keiner mehr auf uns gesetzt. Die Mannschaft hat sich dann aber selber aus dem Sumpf gezogen und sich als Einheit präsentiert. Mit unbändigem Siegeswillen haben wir es beinahe bis ins Halbfinale geschafft. In der Hauptrunde haben wir immerhin mit Europameister Dänemark auf Augenhöhe gespielt und Teams wie Island und Frankreich hinter uns gelassen. Das Fazit fällt durchaus positiv aus, obwohl wir am Ende alles verloren haben.
Was haben uns Nationen wie Dänemark voraus?
Heuberger Sie verfügen über herausragende Einzelkönner. Torwart Niklas Landin und Mikkel Hansen haben das Finale gegen Serbien fast im Alleingang entschieden. Wir haben diese Ausnahmespieler nicht.
Müssen wir für die Zukunft des deutschen Handballs schwarz sehen?
Heuberger Nein. Ich mache mir da keine Sorgen. Die überragenden Spieler-Persönlichkeiten im Welthandball sind an einer Hand abzuzählen. Auch die Kroaten spielen beispielsweise vorne mit, ohne einen überragenden Mann zu haben.
Immer wieder wird über die Einführung einer Quotenpflicht für deutsche Spieler in der Bundesliga diskutiert. Ist das die Lösung des Problems?
Heuberger Von einem solchen Zwang halte ich gar nichts. Man kommt nicht weiter, in dem man den Klubs diese Bürde auferlegt. Wir beim DHB sind gefordert, unsere Nachwuchsarbeit zu verbessern. Wenn das geschieht, wird die Liga nicht drumherum kommen, die jungen deutschen Talente auch einzusetzen. Der Dialog mit den Vereinen und der Liga wird weitergehen.
Nach der EM ist Kapitän Pascal Hens zurückgetreten. Gibt es weitere Spieler, die demnächst ausscheiden? Oliver Roggisch ist ein Kandiat.
Heuberger Ich habe von keinem Spieler ein Signal bekommen. Deswegen gehe ich davon aus, dass der Kader so zusammen bleibt. Sicherlich wird in den kommenden Monaten mal der ein oder andere junge Spieler dazustoßen, aber einen Umbruch schließe ich derzeit aus. Wir haben in Serbien die bestmögliche Mannschaft dabei gehabt.
Und wer übernimmt zukünftig die Rolle des Leitwolfs?
Heuberger Michael Haaß hat seine Führungsqualitäten bei der EM bewiesen. Und auch Oliver Roggisch in der Abwehr und Silvio Heinevetter im Tor hatten eine sehr positive Ausstrahlung. Aber auch ein Sven-Sören Christophersen soll weiter in eine Führungsrolle hineinwachsen und mehr Verantwortung übernehmen. Wer am Ende die Kapitänsbinde übernimmt, steht aber noch nicht fest.
Wann spielt Deutschland wieder um Medaillen? Schon bei der WM 2013?
Heuberger Langsam, langsam. Das Turnier in Serbien war zwar ein kleiner Schritt in die richtige Richtung und die Grundlage auf dem Weg in eine bessere Zukunft, aber von Medaillen zu sprechen, wäre vermessen.
Bob Hanning forderte bereits den Olympiasieg bis 2020. Und DHB-Präsident Ulrich Strombach würde am liebsten schon 2016 ganz oben stehen.
Heuberger Diese Dinge interessieren mich nicht. Ich werde unsere Zielsetzung für die kommenden Jahre in Ruhe mit der Mannschaft besprechen. Jetzt wartet im Juni erstmal die WM-Qualifiaktion. Bosnien und Herzegowina ist ein gefährlicher Gegner.
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