Comeback von Ariane Friedrich: Die Politik der kleinen Schritte
zuletzt aktualisiert: 30.01.2012 - 08:19Hustopece (RPO). Deutschlands Hochsprung-Diva ist zurück auf der Bühne: 13 Monate nach ihrem Achillessehnenriss und sieben Monate vor den Olympischen Spielen hat Ariane Friedrich abseits des Rampenlichts beim Hallen-Meeting in Hustopece ihr Comeback gefeiert.
Doch während Friedrich mit pinken Haaren und pinken Kniestrümpfen gewohnt ungewöhnlich auftrat, war das Resultat ungewohnt durchschnittlich: Mit übersprungenen 1,84 m blieb die 28-Jährige eine kleine Hochspringer-Welt unter ihrer Bestleistung (2,06). Im Friedrichs Lager überwog aber Zuversicht die leise Enttäuschung.
"Mit der Höhe ist Ariane nicht zufrieden. Es gibt aber andere Springerinnen, die nach 15 Monaten Wettkampfpause gar nicht mehr springen können. Hier ging es nur darum, das Gefühl für den Sprung wiederzufinden", sagte ihr Trainer Günter Eisinger dem SID, "ihre Form ist bombastisch, jetzt braucht Ariane Wettkämpfe." Und dabei ist der Starspringerin kein Rahmen zu klein.
Am Samstagnachmittag war der Rahmen eine bessere Schulsporthalle in Hustopece, auf Deutsch Auspitz, ein 6000-Seelen-Nest in Südmähren, Weinbaustadt im Dreiländereck Tschechien-Österreich-Slowakei. Ungewohnte Bedingungen für eine Sportlerin, die im Finale der WM 2009 70.000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion zum Toben brachte, als sie Bronze holte.
Über Wettkämpfe Gefühl wiederfinden
Friedrichs Selbstbewusstsein scheint in der langen Pause nicht gelitten zu haben: 1,84 legte sie bereits als Einstiegshöhe auf. "Ariane hatte im Einspringen einen blitzsauberen Versuch über 1,85 m", sagte Eisinger. Geplant gewesen seien 1,75 oder 1,80. Dass Friedrich in der Folge die 1,87 dreimal riss, im letzten Versuch nur denkbar knapp mit der Ferse, war für den Coach nicht mehr als eine unschöne Fußnote: "Die technischen Abläufe sind noch nicht optimal. Nur über Wettkämpfe kann sie das Gefühl wiederfinden."
Die Wettkampfbelastung steigern Eisinger und sein Schützling aber zunächst in kleinen Schritten: Am 4. Februar startet Friedrich, die als Bestleistung unterm Hallendach 2,05 m zu Buche stehen hat, beim Meeting im thüringischen Arnstadt. Danach warten zwei Wettkämpfe in Karlsruhe. Eisinger: "Das war es dann bis zur Freiluftsaison." Die Hallen-WM in Istanbul (9. bis 11. März) ist kein Thema.
Wohlwollend zur Kenntnis nehmen darf Friedrich, dass auch die Konkurrenz derzeit nichts Unmenschliches mit Latte und Matte anstellt. Friedrichs Dauerrivalin Blanka Vlasic (Kroatien) verzichtet auf die Hallensaison, Athen-Olympiasiegerin Jelena Slessarenko (Russland) wegen Schwangerschaft gar auf das komplette Wettkampfjahr.
Konstanteste Springerin der noch jungen Hallensaison ist die Russin Swetlana Schkolina, die sich mit 1,95 m auch in Hustopece den Sieg sicherte. Ebenso 1,95 m sprang bei ihrem Comeback in Antwerpen Peking-Olympiasiegerin Tia Hellebaut (Belgien) als Zweite hinter Russlands Weltmeisterin Anna Tschitscherowa, die zum zweiten Mal in dieser Saison 2,00 überquerte.
Noch bleibt Ariane Friedrich einige Zeit. Erst am 11. August steigt in London mit dem olympischen Finale die große Show. Und da will Friedrich wieder eine Hauptrolle spielen.
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